Immobilie am Hamburger Fischmarkt mit dem Firmensitz von Corporate Planning (mittlerer Teil): Hier entwickelt das Unternehmen seine Business Intelligence Lösungen
Immobilie am Hamburger Fischmarkt mit dem Firmensitz von Corporate Planning (mittlerer Teil): Hier entwickelt das Unternehmen seine Business Intelligence Lösungen

Die Hamburger CP Corporate Planning AG bietet mit ihren Programmen Entscheidungshilfen für die Steuerung des Unternehmens. Dem Softwarehaus selbst winkt nach der Nachfolgeregelung über ein Management Buy-in das Potenzial, zusammen mit dem Eigenkapitalpartner Hannover Finanz die Digitalisierung technisch umzusetzen.

Matthias Kläsener hat sich die Sache genau überlegt. Wenn ein Manager wie er über den Einstieg in ein Unternehmen nachdenkt, das Firmen mit IT-Lösungen zur systematischen Analyse betrieblicher Daten unterstützt, beschäftigt er sich intensiv mit dem Marktumfeld. Seine Erkenntnis: Unter den Anbietern von Business Intelligence-Software bieten sich vor allem jenen Softwarehäusern Chancen, deren Lösungen eine prognostische Unternehmenssteuerung ermöglichen. Für Kläsener war das ein guter Grund, die Herausforderung der Nachfolgeregelung bei dem Softwarehaus anzunehmen und es nach einem Management Buy-in (MBI) jetzt als CEO zu leiten. Ein anderer liegt darin, dass er hier seine unternehmerischen Ambitionen mit einem Eigenkapitalpartner, dem neuen Hauptaktionär Hannover Finanz, sowie mit dem Einsatz eigenen Kapitals umsetzen kann. „Das macht es umso reizvoller, ein angesehenes mittelständisches Unternehmen wie CP in einem sich schnell bewegenden Markt weiterzuentwickeln“, begründet Kläsener sein Engagement.


Anwendungen für einen jungen Markt

CP ist ein Pionier des BI-Managements im deutschsprachigen Raum. Die rund 28.000 Anwender in 4.000 Unternehmen schätzen die intuitive Verwendung der Softwaresysteme, die sie ohne die Entwicklung von Schnittstellen im laufenden Betrieb implementieren können. Dabei kann es um die Budget-, Finanz-, Erfolgs- und Liquiditätsplanung ebenso gehen wie um unternehmerische Prozesse im Controlling. Die Lösungen sollen dabei nicht nur den Blick in den Rückspiegel öffnen, sondern auch Entscheidungshilfen für die Zukunft bieten. Das ist wie die Digitalisierung vor allem im Mittelstand, aber ebenso bei Konzernen an sich ein junges Thema: „Der Markt für diese Lösungen des Corporate Performance Managements befindet sich noch in einer relativ frühen Entwicklungsphase und wird durch Trends wie Cloud, Big Data und Künstliche Intelligenz weiter stark wachsen“, ist Kläsener überzeugt.

Nachfolgeregelung mit Beteiligungskapital

Als einer der vier Gründungsaktionäre wollte sich Peter Sinn, der bisherige CEO der CP Corporate Planning, nach fast drei Jahrzehnten zeitnah aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Die Nachfolgeregelung leitete er 2017 mit einem M&A-Bieterverfahren zum Erwerb der Gesellschafteraktien ein, bei dem sowohl strategische Interessenten als auch Finanzinvestoren angesprochen wurden. Am Ende konnte sich die Hannover Finanz durchsetzen, die zunächst alle Anteile im Zuge einer reinen Equity-Transaktion ohne Bankfinanzierung übernahm. „Das hat für Transaktionssicherheit und einen besonders schnellen Verkaufsprozess gesorgt“, berichtet Investmentmanager Christian Lömker von der Hannover Finanz. Heute ist Lömker auch Aufsichtsratsmitglied von Corporate Planning. Im nächsten Schritt gehen nach Abschluss des Buy-outs dann 20 Prozent der Anteile an den neuen CEO und weitere Führungskräfte.

Branchenexpertise war gefragt

Während des Akquisitionsprozesses hatte der Neuinvestor schon die Suche nach einem strategisch denkenden Firmenchef übernommen und dabei den Kontakt zum jetzigen CEO Kläsener hergestellt. Dieser verfügt über langjährige Praxiserfahrung in der Technologiebranche und war auch schon mal an einem Management Buy-out (MBO) beteiligt: „Ich hatte also Erfahrung mit einem ähnlichen Modell und war nach dem Verkauf dieses Unternehmens offen für neue Herausforderungen“, sagt Kläsener. Corporate Planning wurde es dann, nachdem im Gespräch mit Gründer Peter Sinn klarwurde, dass dieser einen ausgesprochenen Branchenkenner für die Nachfolge wollte. Während einer Übergangszeit von zwei Monaten agierte Kläsener neben seinem Vorgänger als Co-Vorstand, ehe er im April die alleinige Verantwortung übernahm. Danach beriet der alte den neuen CEO noch einige Zeit.

Internationales Wachstum und Übernahmen als Ziele

Kläsener will jetzt das große Marktpotenzial weiter ausschöpfen und vor allem das Cloud-Geschäft sowie das internationale Wachstum – auch durch Übernahmen – vorantreiben. Sein Eigenkapitalpartner ist bereit, diese Strategie mit Kapital für weitere Investitionen ebenso wie durch sein Netzwerk zu unterstützen. „Corporate Planning ist ein Marktführer mit einem tollen Team und herausragenden Produkten, die auch einige unserer Portfoliounternehmen überaus schätzen“, sagt Jürgen von Wendorff, Vorstandsmitglied der Hannover Finanz. Der Finanzinvestor achtet grundsätzlich darauf, mit der Umsetzung einer Nachfolgeregelung auch Stabilität für weiteres Wachstum zu schaffen. „Wir begleiten solche Transaktionen deshalb mit wenig oder wie im Falle von CP ganz ohne Bankfinanzierung“, betont von Wendorff.