Wachstum im Netz und in der Wolke

Die b-next holding AG ist mit spezialisierter Compliancesoftware weltweit erfolgreich

© stock.adobe.com

Mittelständler benötigen für größere Expansionssprünge solide Finanzierungen. Das Herforder Softwareunternehmen b-next hat sich 1 Mio. EUR Mezzaninekapital besorgt – und erklärt, warum dieses Instrument für seine Pläne genau das richtige ist.

Jede Unternehmung birgt Risiken. Wer auf Berge klettert, kann sich ein Bein brechen, wer Fahrrad fährt, kann stürzen, und wer segelt, kann kentern. Betriebe haben es in erster Linie mit wirtschaftlichen, straf- und zivilrechtlichen Risiken zu tun. Wenn sie gegen Vorgaben verstoßen, drohen horrende Bußgelder und Schadenersatzansprüche. Die Maßnahmen, die ein Betrieb ergreift, um eine rechtskonforme und redliche Führung seiner Geschäfte zu gewährleisten, Verstöße aufzudecken und zu verhindern, werden unter dem Begriff Compliance zusammengefasst. Einer der erfolgreichsten Anbieter von Software für den Bereich Capital Markets Trade Surveillance and Compliance ist die b-next group, die neben ihrem Hauptsitz in Herford über Standorte in New York, London und Lwiw verfügt. Zu den rund 70 weltweiten Kunden des 1989 gegründeten Spezialprogrammanbieters gehören Banken, Broker und Energieversorger, etwa die japanische Mizuho Bank, die Abu Dhabi Investment Authority und RWE. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und diverse Landesbanken stehen auf der Kundenliste des nordrhein-westfälischen Mittelständlers. „Unsere Lösungen helfen den Unternehmen, regulatorische Auflagen zu erfüllen und Marktmanipulationen zu entdecken und ihnen vorzubeugen“, erklärt Firmenmitgründer und CEO Wolfgang Fabisch.

1 Mio. EUR Mezzaninekapital für Entwicklung

Kaum eine Branche entwickelt sich so dynamisch wie die der Softwareanbieter. „Der Markt wird unaufhörlich von Innovationen getrieben, die in immer kürzeren Abständen neue Impulse setzen und Erwartungen erzeugen“, konstatiert Fabisch. Da muss ein deutscher Mittelständler wie b-next kräftig aufs Gaspedal drücken, um seine führende Position zu verteidigen. Das hat b-next schon früh erkannt. Nachdem das Softwarehaus 25 Jahre lang fast ausschließlich aus dem Cashflow gewachsen war, entschied sich das Management Ende 2016, 1 Mio. EUR in Form einer stillen Beteiligung aufzunehmen. „Damals mussten wir eine wichtige Entscheidung treffen“, erinnert sich Fabisch. „Entweder wir investieren kräftig und expandieren, oder werden über kurz oder lang von internationalen Wettbewerbern aus dem Markt gedrängt.“ Die Herforder entschieden sich für den Schritt nach vorn: Sie holten die NRW.Bank an Bord, die als Förderbank für Nordrhein-Westfalen Unternehmen unterstützt, sich innovativ, digital und nachhaltig aufzustellen. Projektleiterin Jutta Heitzer: „Wir waren zum einen vom Businessplan der Firma überzeugt, der uns zukunftsträchtig erschien, zum anderen von Herrn Fabisch, der einen sehr integren Eindruck gemacht und uns von seiner Vision überzeugt hat.“

Die NRW.Bank und b-next einigten sich auf eine siebenjährige Finanzierung mit Mezzaninekapital und einer festen, über die gesamte Laufzeit gleichbleibenden monatlichen Vergütung. Mit Erfolg. Fabisch: „Wir haben mit dem frischen Kapital im Rücken unsere Produktentwicklung vorangetrieben, zum Beispiel in unsere Lösungen künstliche Intelligenz integriert, wir haben unser Projektgeschäft sukzessive in ein auf langfristige Verträge basierendes Businessmodell umgewandelt und wir haben eine Plattform entwickelt, durch die für unsere Kunden die Total Cost of Ownership deutlich verringert werden.“ Fast alle Applikationen „developed by b-next“ befinden sich mittlerweile in der Datenwolke. Fabisch: „Konzerne wie Amazon können viel mehr Sicherheit in ihrer Public Cloud bieten als es ein Softwarehersteller oder ein Kunde allein kann.“

Finanzierung sichert Alleinstellungsmerkmale

Mit seiner Plattform besitzt der innovative Mittelständler ein Alleinstellungsmerkmal. Ein zweiter USP ist die Form der strategisch wichtigen Datenbeschaffung. Hier arbeitet der Hidden Champion mit Refinitiv bei der London Stock Exchange eng zusammen. Über den Ableger der Londoner Börse, der aus der Nachrichtenagentur Reuters hervorging, bekommen b-next-Kunden sämtliche Informationen, die notwendig sind, um Risiken aller Art frühzeitig zu erkennen. Welche Betrugsszenarien gewinnen an Bedeutung? In welchen Ländern nehmen Erpressungen durch Hacker zu? Dieser Service fungiert nicht nur als Frühwarnsystem, sondern versetzt die Unternehmen auch in die Lage, neue, lukrative Geschäftsfelder zu identifizieren und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Vor zwei Jahren wurde der Beteiligungsvertrag mit der NRW.Bank aktuellen Bedürfnissen angepasst. „Unsere Investitionen warfen noch nicht so gute Erträge ab wie erwartet“, erläutert Finanzchefin Olesja Pauls. Die Gesamtfinanzierungssumme wurde um 150.000 EUR erhöht, die Vertragslaufzeit bis Mitte September 2025 verlängert. „Das gibt uns unternehmerische Sicherheit“, sagt Pauls. Das belegen die aktuellen Zahlen: b-next beschäftigt rund 60 Mitarbeiter aus 15 Nationen und erzielte im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von 6,4 Mio. EUR.

Jutta Heitzer von der NRW.Bank betont, wie wichtig die persönliche Beziehung zwischen Kunde und Bank ist: „Man muss Vertrauen zueinander haben und offen kommunizieren. Es bringt nichts, Probleme oder Krisen unter den Teppich zu kehren, Beteiligungsfirmen merken so etwas. Die Verantwortlichen von b-next pflegen einen sehr regelmäßigen und konstruktiven Austausch und haben sich von uns beraten lassen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Unternehmen vor glänzenden Zeiten steht.“


„Mezzaninekapital bietet viele Vorteile für Unternehmen“

Interview mit Jutta Heitzer, Prokuristin und Direktorin Eigenkapital Mittelstand bei der NRW.Bank in Düsseldorf/Münster

Unternehmeredition: Worin sehen Sie die wesentlichen Vorteile einer Mezzaninefinanzierung?

Jutta Heitzer

Jutta Heitzer: Mezzaninekapital ist eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Es wird in der Bilanz als wirtschaftliches Eigenkapital sichtbar, erhöht die Eigenmittelquote und ermöglicht dem Unternehmen durch die hierdurch verbesserte Bonität ein einfacheres und günstigeres Einwerben von Fremdkapital. Für viele Firmenchefs wichtig: Sie bleiben Chefs im eigenen Haus, der Kapitalgeber hat nur wenige, klar vertraglich benannte Mitspracherechte. Auch sind keine dinglichen Sicherheiten vonnöten. Und – die Beteiligung ist für Außenstehende nicht sichtbar, da sie nicht ins Handelsregister eingetragen wird.

Können Sie etwas zu den Konditionen sagen?

Die Laufzeit beträgt zwischen fünf und zehn Jahre, die NRW.Bank bewilligt Summen bis zu 20 Mio. EUR. In der Regel sind die Finanzierungen endfällig und somit unterjährig tilgungsfrei. Eine vorzeitige Rückführung nach fünf Jahren ist oft möglich. Die Vergütung ist marktüblich und unterteilt sich in eine feste laufende Verzinsung zuzüglich einer variablen erfolgsabhängigen Zinskomponente. Das gibt dem Unternehmen Planungssicherheit.

In welchen Situationen ist der Einsatz von Mezzaninekapital sinnvoll?

Häufig wird diese Finanzierungsform bei Expansionsprojekten oder in Wachstumsphasen eingesetzt. Auch bei Management- Buy-outs und Unternehmenskäufen wird Mezzaninekapital verwendet, um die Liquidität des Betriebes zu schonen. Im Mittelstand bieten sich Mezzaninelösungen insbesondere für Unternehmen an, die eine solide Ausgangsposition und ein hohes Wachstumspotenzial haben. Ideal ist der Einsatz in Phasen mit anfangs hohem Investitionsbedarf und erst spät fließenden Erträgen.


KURZPROFIL b-next holding AG

Gründungsjahr: 1989

Branche: IT

Unternehmenssitz: Herford

Umsatz: 6,4 Mio. EUR

Mitarbeiterzahl: 60

www.b-next.com

 

Dieser Beitrag erscheint in der Unternehmeredition 12/2022.

Autorenprofil
Jürgen Hoffmann

Nach mehreren Stationen in Redaktionen (u.a. „Bild am Sonntag“) und in der Wirtschaft (u.a. Digital Equipment) arbeitete Jürgen Hoffmann als Agenturchef (1997- 2009). Seither ist er als freier Autor für Publikationen wie Handelsblatt, FAZ, Tagesspiegel, Deutsche Welle und SZ tätig. Er ist Autor und Co-Autor von Büchern wie „Die großen Wirtschafsdenker“(Econ), „Wie Sie Menschen überzeugen: Kommunikation für Führungskräfte“ (Econ) und „Die Person hinter dem Produkt“ (Norman Rentrop). Jürgen Hoffmann ist Mitglied im Deutschen Journalistenverband.

Vorheriger ArtikelSchlechte Stimmung bei Private Equity
Nächster Artikelcreditshelf erreicht deutliches Umsatzwachstum im ersten Quartal