Die auf Verpackungsmaschinen spezialisierte J + P Maschinenbau GmbH in Sachsen geriet ausgerechnet zu der Zeit in eine Krise, als die Kinder das Steuer vom Vater übernehmen sollten. Es dauerte dann noch vier Jahre, bis es endlich so weit war. Die MBG Sachsen stand finanziell zur Seite.

Katjes und Haribo als Kunden
Eigentlich wollte Firmeninhaber Hans-Peter Jensen schon 2006 in Rente gehen. Er hatte das Unternehmen 1992 gegründet, und nun – 14 Jahre später – stand die Übergabe der Firma an die nächste Generation, nämlich Sohn und Tochter, bevor. „Aber just im Jahr 2006 war uns ein Großkunde weggebrochen, dazu ging überraschend auch noch einer der wichtigsten Vertriebsleute in Frührente“, erzählt Sohn Ulli Jensen, der heute zusammen mit seiner Schwester das Unternehmen leitet. Dadurch stürzte das Unternehmen in die Krise. Die J + P Maschinenbau GmbH stellt Sammelpackmaschinen her, wie sie in der Lebensmittelbranche zum Abpacken von Produkten – z. B. in Päckchen oder Tüten – verwendet werden. Zu den Kunden zählen u.a. Katjes, Haribo und Frosta. 90% kommen aus dem Bereich Nahrungsmittel, einige wenige Kunden sind aus anderen Bereichen, wo beispielsweise Baustoffe oder Agrarprodukte abgepackt werden müssen. Die Maschinen von J + P sind zwar zunächst einmal standardisiert, werden aber dann an die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Kunden angepasst.

Unternehmensberatung und Bürgschaft
Die im Jahr 2006 ausgelöste Krise machte dem Inhaber mit seinen Ruhestandsplänen einen Strich durch die Rechnung; er musste an Bord bleiben. Die Auftragslage war flau, die schwierige Phase zog sich bis ins Jahr 2008 hin: Man stand sogar kurz vor der Insolvenz, wie Ulli Jensen berichtet. „Wir haben dann eine Unternehmensberatung aus Dresden beauftragt, uns zu unterstützen und die Firma zu stabilisieren. Zur Absicherung unserer Finanzierung hat der Berater im Mai 2008 eine Bürgschaft durch die Bürgschaftsbank Sachsen (BBS) vermittelt, zugleich nahmen wir einen Hausbankwechsel vor – von der damaligen Dresdner Bank zur Ostsächsischen Sparkasse.“ Markus H. Michalow, Geschäftsführer der BBS und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) Sachsen, erinnert sich ebenfalls: „Mit der Bürgschaft wurde die Liquiditätsversorgung sichergestellt.“

Übergabe im Juni 2010
Als dann im Herbst 2008 die weltweite Finanzkrise ausbrach, waren die Schwierigkeiten bei J + P im Wesentlichen überwunden. Man war mit Hilfe der Unternehmensberatung neben den finanziellen auch andere Fragen angegangen: eine Reduzierung des Produktspektrums und damit verbundene Konzentration auf die Kernkompetenz, Veränderungen in der Organisationsstruktur durch personelle Neueinstellungen in der Führungsebene. Für die Finanz- und Wirtschaftskrise, die dann kam, war J + P nun gut gerüstet. Abfedernd wirkte auch die von der Bundesregierung zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes erweiterte Kurzarbeiterregelung. So ist damals von der Belegschaft nur ein Mitarbeiter gegangen. J + P hielt sich auch 2009 recht gut, im Dezember kam sogar ein Auftragsschub im Wert von fast 1 Mio. EUR, und die Kurzarbeit konnte bis April 2010 wieder aufgehoben werden. In dieser Zeit wurde dann ein konkretes Konzept zur Unternehmensnachfolge ausgearbeitet. Ulli Jensen und seine Schwester hatten nun schon zehn Jahre im Unternehmen gearbeitet und waren bereit für die Übergabe. Bis dahin hatten die Eltern jeweils ein Drittel der Firmenanteile und die Kinder jeweils ein Sechstel. Die Übertragung der Mehrheitsanteile auf die Kinder erfolgte zum 1. Juni 2010; finanziell mit Beteiligung der MBG Sachsen, „nachdem uns die Unternehmensberatung die Programme der MBG vorgestellt hatte“, so Jensen.

Stille Beteiligung
„Wir haben damit die Entwicklung und Markteinführung neuer Maschinen mitfinanziert“, erklärt Michalow. Die Geschäftsentwicklung rechtfertigte das Vertrauen. Nach Aussage von Jensen ging es seit 2010 „steil aufwärts – mit Auftragseingang, Umsatz, Betriebsergebnis und der Mitarbeiterzahl“. Der Umsatz stieg 2011 um gut 20% auf rund 6 Mio. EUR. Von der allgemeinen Konjunktureintrübung spürt J + P noch nichts, der Auftragsbestand reicht noch für etwa acht Monate – normal sind vier bis fünf Monate. Ende 2011 bewilligte die MBG zusätzliche 250.000 EUR in Form einer stillen Beteiligung, und zwar für den im laufenden Jahr geplanten Neubau einer Fertigungshalle. „Wir sind auf Wachstum ausgerichtet und wollen dieses Jahr neue Mitarbeiter einstellen“, sagt Jensen.

Fazit:
Eine Nachfolgeregelung mitten in einer Unternehmenskrise zu vollziehen, ist äußerst schwer. Deshalb war es gut, dass zunächst der Gründer noch die Leitung des Unternehmens behielt. So wurden die Schwierigkeiten überwunden, und das Unternehmen nahm sogar am 2011 erstmals von der MBG ausgetragenen Wettbewerb „Sächsischer Meilenstein – Preis für erfolgreiche Unternehmensnachfolge“ teil.