Hohe Innovationskraft lockt Porsche

Sportwagenhersteller übernimmt Fazua und erweitert Mobilitätsportfolio

Foto: © Porsche SE

Mit zwei Akquisitionen sorgte Porsche für Aufsehen: Die E-Bike-Spezialisten Fazua und Greyp gehören nun zum Konzern. Geplant ist ein Joint Venture mit Ponooc. 

Porsche baut seine E-Bike-Kompetenz weiter aus. Der Stuttgarter Sportwagenhersteller hat nun Fazua übernommen, einen Hersteller besonders leichter und kompakter Antriebssysteme für E-Bikes mit Sitz in Ottobrunn nahe München. „Mit Fazua haben wir einen starken Partner mit viel Erfahrung in der Fahrradindustrie gefunden“, sagt Lutz Meschke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Porsche AG sowie Vorstand Finanzen und IT. „Bei Fachleuten ist Fazua als Begründer der Kategorie der ‚Light E-Bikes‘ bekannt – ein Unternehmen mit hoher Innovationskraft, das perfekt zum Pioniergeist der Marke Porsche passt.“ Wenige Monate zuvor hatten die Zuffenhausener mit Greyp einen kroatischen E-Bike-Spezialisten übernommen.

Anfang machte Minderheitsbeteiligung

Im Januar war Porsche mit einer Minderheitsbeteiligung bei Fazua eingestiegen, inzwischen sind alle Anteile übernommen. Fazua gilt als Pionier in der Entwicklung von leichten und kompakten Antriebssystemen. Erst vor Kurzem hat es seinen innovativen Antrieb Ride 60 vorgestellt. Perspektivisch sollen die E-Bike-Aktivitäten von Porsche über die Gründung zweier Joint Ventures mit der niederländischen Gesellschaft Ponooc Investment B.V. zusammengeführt werden, die sich auf nachhaltige Energie- und Mobilitätslösungen konzentriert. Ponooc ist Teil der Pon Holdings B.V., einem Handels- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit etwa 16.000 Mitarbeitern, das unter anderem in der Fahrradindustrie und im Automobilgeschäft tätig ist. Das erste Gemeinschaftsunternehmen soll eine künftige Generation von hochwertigen Porsche-E-Bikes entwickeln, herstellen und vertreiben. Das zweite Joint Venture wird sich auf technologische Lösungen für den schnell wachsenden Markt der Mikromobilität konzentrieren.

Mit diesen Schritten treibt Porsche seine E-Mobilitäts-Strategie voran. 2019 stellte das Unternehmen mit dem Taycan den ersten rein elektrischen Sportwagen der Marke vor. Fast 40% der 2021 in Europa ausgelieferten Porsche-Fahrzeuge waren bereits elektrifiziert – als Plug-in-Hybride oder vollelektrische Modelle. Weltweit liegt der Anteil bei knapp 25%. Dieses Know-how will der Sportwagenhersteller nun auch verstärkt im wachstumsstarken E-Bike-Markt nutzen. Dabei verfolgt das Unternehmen die Strategie, die Expertise von Porsche durch das marktspezifische Wissen von Fazua im Bereich der Antriebssysteme und von Ponooc, das über ein breites Portfolio an Beteiligungen im Bereich Mikromobilität und Mobilitätsplattformen verfügt, zu ergänzen. Die Gründung der Joint Ventures und die Fazua-Transaktion stehen einstweilen unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden.

Porsche setzt mit dem Fazua-Deal also das fort, was mit der Übernahme der Mehrheit am E-Bike-Hersteller Greyp Bikes begann. Die Investition wurde 2018 zeitgleich mit dem Einstieg in die Schwestergesellschaft Rimac Automobili getätigt. Nun lag Greyp ein Übernahmeangebot eines Drittinvestors vor. Porsche hat deshalb vertraglich vereinbarte Vorerwerbsrechte ausgeübt, um mit der mehrheitlichen Übernahme von Greyp die Aktivitäten im Bereich E-Bikes auszubauen. Neben Porsche als Mehrheitseigner bleiben lediglich Mate Rimac und weitere Greyp-Gründer an dem Unternehmen beteiligt.

Auf dem Weg zur CO2-Neutralität

„Unsere Aktivitäten im Bereich E-Bikes unterstreichen unser konsequentes Vorgehen. Porsche ist seit Jahren führender Anbieter bei Plug-in-Hybriden, 2019 haben wir den Taycan als ersten vollelektrischen Porsche auf den Markt gebracht – und im vergangenen Jahr war bereits jeder dritte ausgelieferte Porsche mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet. Unser ambitioniertes Ziel ist es, 2030 über die gesamte Wertschöpfungskette bilanziell CO₂-neutral zu sein“, erläutert Meschke. Das Know-how aus dem batterieelektrischen Antrieb in den Fahrzeugen nutzt Porsche auch im attraktiven und schnell wachsenden E-Bike-Markt. Im März 2021 wurde das seit vielen Jahren bestehende Fahrradsortiment erweitert: Mit den Porsche-E-Bikes „Sport“ und „Cross“ präsentiert die Marke ihre Interpretation exklusiver E-Bikes. Aufgrund der sehr positiven Marktreaktion seien beide Modelle aktuell nahezu ausverkauft, so das Unternehmen.


„Strategische Entscheidung in dynamischem Markt“

Interview mit Fazua-Mitbegründer Fabian Reuter

Unternehmeredition: Herr Reuter, Fazua hat eine beachtete Erfolgsgeschichte geschrieben. Welche Gründe haben Sie jetzt zum Verkauf bewogen?

Fabian Reuter: Es gibt meistens nicht diesen einen Grund. Es muss vor allem die richtige Entscheidung für die gesamte Firma zum richtigen Zeitpunkt sein. Am Ende war es vor allem eine strategische Entscheidung in einem sehr dynamischen Markt, in dem in den kommenden Monaten und Jahren viele Weichen gestellt werden.

Gab es weitere Interessenten? Warum haben Sie sich für einen Autohersteller entschieden, der bislang eher für PS statt Nachhaltigkeit stand?

Fabian Reuter; Foto: © Porsche eBike Performance GmbH

Es gab mehrere Optionen und am Ende erschien diese als die sinnvollste. Porsche ist vorrangig bekannt durch sportliche Fahrzeuge, aber wenn man genauer hinsieht, steckt viel mehr dahinter. Porsche ist vor allem auch mutiger Pionier. Und Fazua wurde mit diesem Geist übernommen, um sich in ein neues Geschäftsfeld zu bewegen, das für Porsche neu und etwas ganz anderes ist. Ich bin mir sicher, wir werden auch etwas anders sein.

Wann und wie haben Sie Ihr Team informiert, wie waren die Reaktionen?

In so einem Prozess gibt es nicht die eine Informationsveranstaltung, in der alle von jetzt auf nichts informiert werden. Wir haben versucht, alle kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten, und die Veränderung wurde fast ausschließlich positiv aufgenommen. Natürlich sorgt Veränderung immer auch für Unsicherheit – aber das liegt geradezu in ihrer Natur, sonst wäre es wahrscheinlich auch keine richtige.

Vielen Dank für die Informationen, Herr Reuter.


KURZPROFIL

Porsche AG
Gründungsjahr: 1931
Branche: Automobil
Unternehmenssitz: Stuttgart-Zuffenhausen
Umsatz 2021: 28,7 Mrd. EUR
Mitarbeiterzahl: 37.000

www.porsche.com


Dieser Beitrag erscheint in der Magazinausgabe Unternehmeredition 3/2022 mit Schwerpunkt „Unternehmensverkauf/M&A“.

Autorenprofil
Stefan Preuss

Stefan Preuss ist Mitglied der GoingPublic Redaktion.

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