Frühzeitige Planung der Anschlussfinanzierung

 

Anfang 2008 hatte die Reinert Logistic GmbH & Co. KG Mezzanine-Kapital aufgenommen. Zweck war zum einen die Stärkung der Betriebsmittel und zum anderen die Finanzierung eines Investitionsvorhabens. Obwohl die Finanzierung erst Anfang 2014 ausläuft, macht sich die Geschäftsführung schon heute Gedanken über die endfällige Tilgung bzw. eine Anschlussfinanzierung.

Wachstum und Lagerausbau

Die Jahre 2004 bis 2007 waren eine Zeit des konjunkturellen Aufschwungs. Davon profitierte insbesondere die Logistikindustrie, da immer mehr Güter in ganz Europa transportiert werden mussten. Auch Reinert Logistic weitete seine Aktivitäten aus, u.a. mit der Gründung neuer Niederlassungen. Im Juli 2007 hatte das Unternehmen ca. 300 Fahrzeuge und 440 Mitarbeiter, der Aufbau weiterer Standorte war geplant. Das Umsatzwachstum erforderte eine Stärkung der Betriebsmittel, zudem sollte für einen avisierten Großauftrag das Stückgutlager in einer Niederlassung ausgebaut werden. „Wir wollten jeweils 1 Mio. EUR zur Erhöhung der Betriebsmittel und für die Lagerinvestition aufnehmen“, erzählt Dr. Steffen Mager, kaufmännischer Leiter des Unternehmens. Die Geschäftsführung hatte schon von Mezzanine als möglicher Finanzierungsalternative gehört und stieß auf das Standard-Mezzanine-Programm „PULS 2007-1 Ltd.“, welches von der Schweizer Capital Securities Group AG (CSG) verwaltet wird.

Optionsrecht für vorzeitige Tilgung

„Wir hatten in der Fachpresse davon erfahren und uns im Sommer 2007 an den damaligen Vertriebspartner Advisum gewandt“, erklärt Mager. 2 Mio. EUR wurden beantragt und nach einer Due Diligence auch Anfang 2008 ausgezahlt. „Es handelte sich um nachrangige Schuldverschreibungen – und somit um wirtschaftliches Eigenkapital“, so Mager. Da sich der Großauftrag im Verlauf des Jahres 2008 zerschlug und der Lagerausbau auf Eis gelegt wurde, sind die Investitionsmittel in Höhe von 1 Mio. EUR 2009 wieder an die Finanzierungsgesellschaft zurückgegeben worden. Die Betriebsmittelfinanzierung in Höhe von 1 Mio. EUR blieb bestehen und muss, nachdem sie im Herbst 2009 in ein gleichrangiges Darlehen mit günstigeren Zinskonditionen umgewandelt wurde, Anfang 2014 zurückgezahlt werden. Mager: „Wir haben uns vertraglich ein Optionsrecht einräumen lassen, die Tilgung auch schon früher zu leisten, falls wir vorzeitig eine interessante Finanzierungsalternative finden. Und wir sind auch schon dabei, aus unserem Gewinn Rücklagen für die Tilgung zu bilden.“

Vorsorge durch Rücklagenbildung

Beratend zur Seite steht der Geschäftsleitung Matthias Kramm, neuer Geschäftsführer der bdp Venturis Management Consultants GmbH in Berlin. „Eine Prolongation in der bestehenden Form wird es wegen des Einbruchs bei Standard-Mezzanine nicht mehr geben“, sagt er. Aber es bestehe seitens der Anbieter noch ausreichend Zeit, um Nachfolgeprodukte zum früheren Standard-Mezzanine zu kreieren, z.B. in Form von Individual-Mezzanine. Kramm: „Dies wird dann wahrscheinlich teurer. Deshalb beobachten wir die aktuellen Entwicklungen am Finanzmarkt.“ Die Frage, ob Reinert das Mezzanine schließlich komplett aus den Rücklagen heraus tilgt oder eine eigenkapitalähnliche Anschlussfinanzierung angestrebt wird, hängt letztlich auch vom Wachstum und Investitionsbedarf des Unternehmens in den nächsten Jahren ab.

Bernd Frank
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Reinert Logistic GmbH & Co. KG
Gründungsjahr: 2002
Branche: Transport/Logistik
Unternehmenssitz: Schleife (bei Weißwasser)
Mitarbeiterzahl: ca. 600
Umsatz 2009: 44 Mio. EUR
Internet: www.reinert-logistic.com