Buy-and-Build (Ausgabe 4/2009)

Unicorn Geld- und Wertdienstleistungen GmbH: Cash is King

Der Kuchen schien längst aufgeteilt: Heros hatte in Deutschland mit Preisdumping zu Beginn des Jahres 2006 einen Anteil von über 25% am Markt für Geld- und Wertdienstleistungen. Doch die Blase platzte, als bekannt wurde, dass deren Gesellschafter sich am Geld der Kunden bedient hatten – Heros ging Konkurs, die erschütterte Branche stand vor einer grundlegenden Neustrukturierung.

Der Kuchen schien längst aufgeteilt: Heros hatte in Deutschland mit Preisdumping zu Beginn des Jahres 2006 einen Anteil von über 25% am Markt für Geld- und Wertdienstleistungen. Doch die Blase platzte, als bekannt wurde, dass deren Gesellschafter sich am Geld der Kunden bedient hatten – Heros ging Konkurs, die erschütterte Branche stand vor einer grundlegenden Neustrukturierung. „Zuverlässigkeit und Sicherheit der Gesellschafter war plötzlich wieder wichtiger als der Preis“, resümiert Niels Faergemann. Gemeinsam mit dem kürzlich verstorbenen Hans-Jürgen Michel und Franz-Josef Deckers nutzte er die Gunst der Stunde und gründete die Unicorn Geld- und Wertdienstleistungen GmbH.

Aufsehenerregender Coup
Alle drei waren zuvor beim britischen Branchenriesen Securicor International Holding tätig. Michel hatte 2000 sein Unternehmen GTG an Securicor verkauft, stand dem Sicherheitsdienstleister jedoch weiterhin als Aufsichtsratsvorsitzender zur Seite. Faergemann und Deckers saßen zeitgleich im Vorstand. Ihre gemeinsame unternehmerische Tätigkeit starteten sie gleich mit einem aufsehenerregenden Coup: Zwei Monate nach der Gründung von Unicorn im September 2006 übernahm diese die GUW Stuttgart und die GUW Hannover von der Niedersächsischen Wach- und Schließgesellschaft. Schlagartig war Unicorn ein Unternehmen mit 850 Mitarbeitern und einem Umsatz von 32 Mio. Euro. Doch woher nahm das junge Unternehmen das Geld für eine solch spektakuläre Übernahme?

Beteiligung eines Investors
Zwar waren die drei Gründer in der Lage, selbst einen siebenstelligen Betrag ins Unternehmen einzubringen, jedoch war noch ein Investor nötig, um die ehrgeizigen Pläne verwirklichen zu können. Auf der Suche nach einem Private Equity-Geber stießen sie über einen befreundeten Wirtschaftsprüfer auf die Beteiligungsgesellschaft Heliad Equity Partners. Diese war bereit, eine Minderheitsbeteiligung bei Unicorn einzugehen – eine wichtige Vorraussetzung. „Wir sind ein eigentümergeführtes Mittelstandunternehmen, für uns war entscheidend, einen Partner zu finden, der dies respektiert und unterstützt“, so Faergemann. Schnell saß man an einem Tisch und unterzeichnete den Vertrag: Heliad beteiligte sich im November 2006 mit einer signifikanten Minderheit von 49% an Unicorn, die drei Gesellschafter Michel, Faergemann und Deckers halten je 17%. Die Buy-and-Build-Strategie Unicorns sagte Heliad – die mittlerweile jedoch in der Regel nur noch Mehrheitsbeteiligungen eingeht – sehr zu, brachte aber auch einen enormen logistischen Aufwand gleich nach Abschluss der Transaktion mit sich. „Das besondere war, dass Unicorn über 20 Niederlassungen übernommen hatte und zeitgleich in jeder einzelnen die Geldbestände notariell beglaubigt ausgezählt werden mussten“, resümiert Ralf Flore, Vorstand von Heliad.

Transparenz und Sicherheit für den Kunden
Seitdem startet Unicorn dank einem „kräftigen organischen Wachstum“(Faergemann) durch: 2008 erwirtschaftete das Unternehmen mit 22 Standorten in ganz Deutschland schon 50 Mio. Euro, was ein Wachstum von etwa 60% innerhalb der letzten beiden Jahre bedeutet. Auch für dieses Jahr rechnen die Gesellschafter mit einem Zuwachs: „Wie erwarten einen Umsatz von 58 Mio. Euro bei einer stabilen Mitarbeiterzahl von 1.300“, betont Faergemann. Für bekannte Kunden wie Commerzbank oder NordLB, Rewe oder Metro übernehmen sie Logistik, Transport und Auszählung der Geldbestände und sonstiger Wertgegenstände. Ihre Dienste bieten sie nur Geschäftskunden, nicht Privatkunden an. Dabei ist ein Ziel der Geschäftsführer, immer auf dem aktuellen Stand der Dinge zu bleiben und dem Kunden größtmögliche Sicherheit zu bieten. Spätesten seit dem Fall Heros ist die gesamte Branche in Verruf geraten, deshalb wird Transparenz bei Unicorn groß geschrieben. Als erstes Unternehmen der Branche plant Unicorn bis Mitte 2010 die Einführung eines Track&Trace-Systems, bei dem die Kunden, ähnlich wie etwa bei Postdienstleistern, jederzeit genau kontrollieren kann, wo sich sein Geld gerade befindet.

Esther Mischkowski
mischkowski@unternehmeredition.de


Kurzprofil: Unicorn Geld- und Wertdienstleistungen GmbH

Gründungsjahr: 2006
Branche: Geld- und Werttransporte
Unternehmenssitz: Hannover
Mitarbeiter: 1.300
Umsatz 2008: 50,2 Mio. Euro
Internet: www.unicorn.de

„Der gute Ruf der drei Gründer überzeugte uns von der Ernsthaftigkeit der Unternehmung“

Interview mit Ralf Flore, Vorstand, Heliad Equity Partners GmbH & Co. KgaA

Unternehmeredition: Zum Zeitpunkt Ihrer Beteiligung wurde Unicorn gerade frisch aus der Taufe gehoben. Was überzeugte Sie von den Erfolgsaussichten des so jungen Unternehmens?
Flore: Unicorn war kein bei null beginnendes Unternehmen, sondern ein Konzern-Spin-off. Es musste zwar mit Unicorn eine neue GmbH gegründet werden, dies diente aber dem Zweck der Übernahme der GUWs Stuttgart und Hannover von der Niedersächsischen Wach- und Schließgesellschaft, die es schon seit 50 Jahren gibt. Auch das Unicorn-Management hatte als Team bereits mehrere Jahre zusammengearbeitet und genießt in der Branche einen sehr guten Ruf. Dass die drei Gründer bereit waren, eigenes Kapital in Höhe eines siebenstelligen Betrages zu investierten, überzeugte uns zusätzlich von der Ernsthaftigkeit des Vorhabens.

Unternehmeredition: 2006 erschütterten der Millionenbetrug und die daraus resultierende Pleite des damaligen Marktführers Heros die gesamte Branche der Geld- und Wertdienstleistungen. Hatten Sie nicht Bedenken, sich bei einem Unternehmen aus diesem Sektor zu beteiligen?
Flore: Wir hatten natürlich Bedenken, so kurze Zeit nach der Heros-Pleite in diese Branche zu investieren. Sie war und ist hierdurch in Verruf geraten, obwohl es eigentlich ein Geschäft ist wie jedes andere auch. Denn Betrugsfälle können überall passieren, aber wenn man mit Geld handelt, erhält die Thematik eine größere Bedeutung. In der Due Diligence sind wir den Fall Heros intensiv durchgegangen und haben uns auch im Rahmen eines Human Resource Audit die Seriosität der Unternehmer von einem externen Berater bestätigen lassen.

Unternehmeredition: Normalerweise strebt Heliad Mehrheitsbeteiligungen an. Warum waren Sie bei Unicorn entgegen Ihrer gängigen Praxis mit einer Minderheitsbeteiligung von 49% einverstanden?
Flore: Mindestens 51% wollen wir heute in der Regel immer haben, Unicorn jedoch fällt noch in unseren ursprünglichen Investmentfokus, wo wir auch Minderheiten eingingen. Auch da war uns aber wichtig, dass wir eine signifikante Minderheit halten und mit dementsprechenden Rechten ausgestattet sind, zum Beispiel ein Veto bei Zukäufen und Investitionsentscheidungen haben. Da aber das Managementteam bei Unicorn untypischer Weise selbst so viel investierte, konnten wir guten Gewissens 49% akzeptieren.

Unternehmeredition: Welche Bedeutung kommt Private Equity in der Finanz- und Wirtschaftskrise zu?
Flore: Momentan brauchen auch gut aufgestellte Firmen Geld. Gerade in Deutschland sind Unternehmen in der Vergangenheit ausreichend mit Fremdkapital ausgestattet worden, jetzt sind die Banken aber extrem restriktiv. Was für Unternehmen bedeutet, dass sie auf alternative Finanzierungsquellen wie Beteiligungskapital ausweichen müssen. Die Zeiten sind positiv für Beteiligungsgesellschaften, vorausgesetzt man hat Geld zur Verfügung. Viele Private Equity-Fonds haben auch in den letzten Jahren Kapital aufgenommen und dieses ist nach wie vor vorhanden. Auch wir sind optimistisch und gehen davon aus, dass wir in den nächsten 12 Monaten noch ein oder zwei Unternehmenskäufe tätigen werden.

Unternehmeredition: Herr Flore, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Esther Mischkowski.
mischkowski@unternehmeredition.de

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