Wolfgang Topf, IHK Leipzig: Private Equity als Chance begreifen (Ausgabe 3/2008)

In Deutschland existieren rund 3 Mio. umsatzsteuerpflichtige kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Sie tragen mit 1.889 Mrd. Euro (2006) mehr als ein Drittel des Umsatzes aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen in Deutschland und sind somit eine wichtige Säule der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung. Darüber hinaus beschäftigen die KMU mehr als 16 Mio. sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Das entspricht einem Anteil von fast zwei Dritteln aller Beschäftigten in gewerblichen Unternehmen. KMU sind darauf angewiesen, innovativ zu sein und stetig zu wachsen. Anders können sie langfristig nicht konkurrenzfähig bleiben. Dafür sind Investitionen in die Forschung und Entwicklung sowie in eine effiziente Produktion notwendig und unabdingbar. Investitionen sind jedoch meist mit hohen Kapitalaufwendungen verbunden. Deshalb muss unternehmensseitig geprüft werden, auf welchem Weg besagtes Kapital generiert werden kann.

Die Eigenkapitalquote gibt den Ausschlag
Für kleine und mittelständische Unternehmen gestaltet sich die Kapitalbeschaffung oft schwierig. Häufig ist die Eigenkapitalquote der KMU, insbesondere in den neuen Bundesländern, sehr gering. Dabei gilt die Eigenkapitalausstattung als wichtige Kenngröße von Robustheit und Risikotragfähigkeit des Unternehmens, an der sich Banken bei der Kreditvergabe orientieren. Stimmt die Bonität des Unternehmens nicht mit den (Sicherheits-)Anforderungen des Kreditinstituts überein, wird dem Unternehmen der Kredit verweigert oder nur unter strengen Auflagen gewährt. Die geringe Eigenkapitalquote ist die Krux vieler KMU-Chefs. Eine geringe Eigenkapitaldecke bedeutet demnach „Kein Geld von der Bank“, Finanzierungsengpässe und in der Folge mitunter Einschränkungen beim geplanten Wachstum. Die Unternehmer müssen sich deshalb nach anderen Finanzierungsquellen als dem klassischen Bankkredit umsehen. Das Beteiligungskapital oder Private Equity bietet eine solche Finanzierungsalternative – auch für Mittelständler und Familienunternehmen.

Hoher Bedarf an Eigenkapitalfinanzierung
Private Equity-Gesellschaften (PEG) stellen nicht börslich notierten Unternehmen Beteiligungskapital ohne die banküblichen Sicherheiten für einen meist mittelfristigen Zeitraum bereit, das als Eigenkapital verbucht wird. Die PEG treten dann als aktive Mitgesellschafter oder stille Gesellschafter ein. Nach Beendigung des Geschäftsverhältnisses werden die erworbenen Anteile gewinnbringend wieder veräußert, mitunter sogar an die ursprünglichen Gesellschafter des Unternehmens. Das notwendige Geld akquirieren Private Equity-Gesellschaften meist von Banken und Industrieunternehmen, aber auch von privaten Finanziers. Im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften sind ca. 200 PEG organisiert. Laut Verbandsstatistik hielten sie im Jahr 2007 in ihrem Beteiligungsportfolio mehr als 6.200 Unternehmen mit einem Gesamtkapital von über 24 Mrd. Euro. Investiert wurden im vergangenen Jahr 4,1 Mrd. Euro – die Branchen mit den höchsten Mittelzuflüssen waren Konsumgüter, Maschinen- und Anlagenbau, die Kommunikationstechnologie sowie der Handel. Insgesamt fragten 2007 rund 38.900 Kapital suchende Unternehmen und Existenzgründer bei Private Equity-Gesellschaften an. Diese Zahlen untermauern den hohen Bedarf an Eigenkapitalfinanzierung deutscher Firmen. Insbesondere Unternehmen kapitalintensiver Branchen wie Technologie und Life Science nutzen diese Art der Kapitalbeschaffung und profitieren von Folgeeffekten: Sie können durch das Plus an Eigenkapital Innovationen und Wachstum finanzieren. Durch die höhere Eigenkapitalquote steigt außerdem die Bonität des Unternehmens, was wiederum zu einem besseren Rating für das Unternehmen und somit zu einer besseren Ausgangssituation bei der Kreditaufnahme führt.

Beteiligungsgesellschaften: Know-how gegen Mitspracherecht
Neben der monetären Komponente umfasst eine solche Partnerschaft allerdings meist auch die Managementberatung und -betreuung durch die Beteiligungsgesellschaften, um über die aktuelle geschäftliche Lage des Unternehmens informiert zu sein. Zudem verlangen die PEG bestimmte Mitsprache- und Kontrollrechte in strategischen Belangen. Das birgt Konfliktpotenzial: Oft stimmen die Ansichten des Managements und der Geldgeber nicht überein und beide Parteien verfolgen unterschiedliche Strategien zur Zielerreichung. Dann müssen in häufig schwierigen und kräftezehrenden Verhandlungen gemeinsame Lösungen gesucht und diskutiert werden. Nicht immer kann sich dabei das Unternehmen durchsetzen. Eine weitere Herausforderung für die Private Equity-Gesellschaften in Deutschland ist der Stärkung der Akzeptanz in der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei gilt es vor allem, Missverständnisse und Informationsdefizite aus dem Weg zu räumen. Private Equity bietet für kleine und mittelständische Unternehmen eine Möglichkeit der Unternehmensfinanzierung, die eine Chance für den langfristigen Erfolg des Unternehmens sein kann.

Autorenprofil

Wolfgang Topf (praesident@leipzig.ihk.de) ist seit Mai 2000 Präsident der IHK zu Leipzig und geschäftsführender Gesellschafter der IMO Leipzig GmbH. www.leipzig.ihk.de

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