Joachim Hunold, Air Berlin: Bayern statt Bahamas? (Ausgabe 1/2007)

Zum geforderten Verbot von Billigflügen„Wegen der Klimakatastrophe: Dürfen wir bald nicht mehr in den Urlaub fliegen?“ Zugegeben, ich war schon etwas erschrocken, als ich diese Schlagzeile auf der ersten Seite einer großen deutschen Sonntagszeitung las, dachte gleich an eine neue Gesetzesinitiative im Bundestag. Im Innenteil des Blattes fand ich eine „große Umfrage“: Neun (!) zufällig ausgewählte Deutsche, von der Kellnerin bis zur Gesangstudentin, antworteten recht unterschiedlich auf die Frage, ob sie unter Klima-Aspekten bereit seien, ihre Reisegewohnheiten zu ändern.
„Wegen der Klimakatastrophe: Dürfen wir bald nicht mehr in den Urlaub fliegen?“ Zugegeben, ich war schon etwas erschrocken, als ich diese Schlagzeile auf der ersten Seite einer großen deutschen Sonntagszeitung las, dachte gleich an eine neue Gesetzesinitiative im Bundestag. Im Innenteil des Blattes fand ich eine „große Umfrage“: Neun (!) zufällig ausgewählte Deutsche, von der Kellnerin bis zur Gesangstudentin, antworteten recht unterschiedlich auf die Frage, ob sie unter Klima-Aspekten bereit seien, ihre Reisegewohnheiten zu ändern. In einem begleitenden Artikel wurden „Bayern statt Bahamas“, „Harz statt Hawaii“ und „Sylt statt Seychellen“ propagiert. Und ein mir als reiselustig bekannter Redakteur versicherte in seinem Kommentar treuherzig, dass er seinen nächsten Italienflug nur deshalb mit gutem Gewissen genießen könne, weil er 18 Euro an eine Umweltorganisation zahlen werde. Im Reiseteil des Blattes wurden schließlich Flugreisen nach Südaustralien und Madeira empfohlen.

Politiker überbieten sich gegenseitig mit Horrorszenarien
Die Momentaufnahme zeigt, wie konfus die Lage ist. Seit Wissenschaftler in einem Bericht für die Vereinten Nationen vor einem weltweiten dramatischen Klimawandel gewarnt haben, überschlagen sich vor allem in Deutschland die Ereignisse. Wir sind wieder einmal das Land mit der intensivsten „Befindlichkeit“. Unsere auf Kosten des Steuerzahlers viel fliegenden Politiker kennen seit Wochen kaum ein anderes Thema. Sie überbieten sich gegenseitig mit Horrorszenarien und Verbotsforderungen. Wer zur Besonnenheit aufruft, gilt sofort als notorischer Umweltschädling. Der Luftverkehr hat es den Protagonisten besonders angetan. Das hat Tradition. Immer dann, wenn in der Kasse eines Finanzministers ein Loch klafft, wird eine zusätzliche Steuer oder Abgabe fürs Fliegen verlangt. Erst recht jetzt, beim Thema Klimaschutz.

Flugzeuge verursachen nur 3% der CO2-Emissionen
Flugzeuge gelten als die Umweltverschmutzer schlechthin, obwohl sie nur zu 3% an den CO2-Emissionen beteiligt sind – übrigens genauso stark wie die Seefahrt. Der Straßenverkehr schlägt immerhin mit 18% zu Buche, die privaten Haushalte verursachen 13% und die fossil befeuerten Kraftwerke 44%. Letztere könnte man durch abgasfreie Kernkraftwerke ersetzen. Doch dieses Thema ist aus ideologischen Gründen tabu. Stattdessen wird ein Verbot von Billigflügen gefordert. Wenn das rechtlich möglich wäre, müsste man die Frage stellen, ob demnächst nur noch Reiche fliegen dürfen. Ehe es jedoch zum Volksaufstand käme, würden unsere cleveren Politiker wohl eine Lösung finden. Dann gäbe es eben den Flugbezugsschein vom Sozialamt.

Fazit:
Man könnte sich das alles auch ersparen, wenn man sich vorher informieren würde. Denn die Luftfahrt gehört noch zu den ganz wenigen Wachstumsindustrien, die stetig Arbeitsplätze schaffen. Die von ihr verursachten Emissionen stagnieren jedoch. Auf die einzelne Maschine umgerechnet haben sie sich in den letzten 20 Jahren sogar um 60% verringert. Unsere Jets verbrauchen pro Passagier und 100 Kilometer nur noch 3 Liter Kerosin. Weil das teuer ist, werden immer sparsamere und sauberere Triebwerke entwickelt. Und zwar ohne jeden gesetzlichen Zwang. Es gibt also keinen Grund, die Luftfahrt zum Sündenbock zu stempeln. Und schon gar nicht eine Fluggesellschaft wie Air Berlin, die ihre Flotte alle sechs bis acht Jahre erneuert. Wenn man mit Umweltschutz auch den Schutz des Menschen meint, darf man dessen Lebensqualität nicht vergessen. Dazu gehört auch ein Urlaub unter südlicher Sonne.

Vorheriger Artikel„Wir sehen uns als Partner, der das unternehmerische Risiko mitträgt“ (Ausgabe 1/2007)
Nächster ArtikelDr. Ralph Mühleck, WeberHaus GmbH & Co. KG: Unternehmenserfolg geht vor Familienbande (Ausgabe 1/2007)