Friedrich Görtz, geschäftsführender Gesellschafter, Ludwig Görtz GmbH: Schutz vor künftigen Krisen (Ausgabe 5/2009)

Das Familienunternehmer-Prinzip

Derzeit erleidet unser Wirtschaftssystem der sozialen Marktwirtschaft einen großen Vertrauensverlust. Manager von DAX-Konzernen, aber auch Unternehmer im Allgemeinen stehen bei der Bevölkerung nicht sehr hoch im Kurs. Die öffentliche Wahrnehmung wäre um vieles besser,…

Derzeit erleidet unser Wirtschaftssystem der sozialen Marktwirtschaft einen großen Vertrauensverlust. Manager von DAX-Konzernen, aber auch Unternehmer im Allgemeinen stehen bei der Bevölkerung nicht sehr hoch im Kurs. Die öffentliche Wahrnehmung wäre um vieles besser, wären alle, die in der Wirtschaft tätig sind, dem „Familienunternehmer-Prinzip“ verpflichtet – der Einheit von Risiko und Haftung. Eine wesentliche Ursache der Finanzkrise lag doch darin, dass Investmentbanker immense finanzielle Risiken eingegangen sind, ohne für die möglichen und dann auch eingetretenen Folgen zu haften. Ähnliches konnten wir bei der Politik beobachten: Unsere Politiker haben Schuldenberge in Milliardenhöhe aufgetürmt. Für die Folgen, sprich die Zinslast für spätere Generationen, haften sie nicht mit einem einzigen Cent.

Familienunternehmer vereinen Handeln und Verantwortung

Bei uns Familienunternehmern sind Handeln und Verantwortung notgedrungen eins. Der Familienunternehmer haftet mit seinem privaten, mindestens aber mit seinem eingesetzten Vermögen für jegliches unternehmerische Risiko. Dies verbietet ihm geradezu, mit Millionen zu jonglieren: Gehen sie verloren, ist er persönlich bankrott. Die besondere Haftungskonstruktion der Familienunternehmen bewahrt ihn vor halsbrecherischen Entscheidungen – ein Prinzip, mit dem die ganz große Mehrheit unserer Unternehmen in den letzten Jahrzehnten gut gefahren ist. Familienunternehmer unterschreiben beispielsweise auch keine Bonus-Verträge, bei denen dieser unabhängig davon ausgezahlt wird, ob das Unternehmen auch Gewinne macht. Entweder verdient ein Familienunternehmer Geld mit seiner Firma – dann kann er auch eine Prämie in Anspruch nehmen. Oder er versenkt Geld – dann gibt es keinen Bonus, sondern möglicherweise sogar einen Malus, sprich einen Gehaltsabzug. Auch das unterscheidet uns von vielen Konzernen.

Wirtschaftskrise hätte verhindert werden können
Eine strenge Befolgung des Familienunternehmer-Prinzips hätte die Finanz- und Wirtschaftskrise verhindern können. So haben die meisten Banken in den USA Hypotheken an Leute verkauft, die – gemessen an ihrem Eigenkapital – überhaupt nicht kreditwürdig waren. Dann wurden diese Hypotheken gebündelt und als Subprime-Zertifikate verkauft, ohne dass die ausgebende Bank in der Haftung blieb. Die Ratingagenturen haben diese Produkte mit Gütestempeln versehen, ohne für die Risiken einzustehen. Und unsere deutschen Landesbanken haben diese Zertifikate mit Begeisterung gekauft, weil für das eingesetzte Geld die Landesregierungen und Sparkassen haften, nicht aber sie selbst. Um nicht missverstanden zu werden: Wir Familienunternehmer behaupten nicht, keine Fehler zu machen. Aber: Fehlerhaftes Handeln bei uns wird schonungslos bestraft. Das Familienunternehmer-Prinzip ist insoweit auch eine Geisteshaltung. Diese Einstellung, also das persönliche Einstehen für Risiken und deren Folgen, stünde auch anderen Akteuren gut zu Gesicht.

Fazit
Was auch immer die Bundesregierung in der neuen Legislaturperiode unternimmt, sie muss eine nachhaltige Politik verfolgen. Nachhaltig wirtschaften die Familienunternehmer schon seit Gründung ihrer Firmen. Der von der Politik häufig gebrauchte Begriff stammt übrigens aus der Forstwirtschaft. Er besagt, dass nicht mehr Bäume gefällt werden dürfen, als neue nachgepflanzt werden. Das, in der Tat, wäre in der Politik mal etwas Neues.

Autorenprofil

Friedrich Görtz ist Präsidiumsmitglied des Wirtschaftsverbands "Die Familienunternehmer - ASU", welcher die Interessen von rund 5.000 Mitgliedern in 46 Regionalkreisen vertritt und 2009 60-jähriges Bestehen feierte. Der Hamburger Unternehmer Görtz ist geschäftsführender Gesellschafter der Ludwig Görtz GmbH. Das Schuhhaus beschäftigt 3.400 Mitarbeiter in über 200 Filialen in Deutschland, Österreich und Polen.
www.familienunternehmer.eu, www.goertz-corporate.de

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