„Eine Regelung finden, die alle Familienmitglieder mittragen“ (Ausgabe 1/2010)

Wenn Kinder in einem Familienunternehmen arbeiten und bereit sind, die Verantwortung für Firma und Mitarbeiter von ihren Eltern zu übernehmen, scheint die Übergabe der Geschäftsführung ein Leichtes zu sein.

Wenn Kinder in einem Familienunternehmen arbeiten und bereit sind, die Verantwortung für Firma und Mitarbeiter von ihren Eltern zu übernehmen, scheint die Übergabe der Geschäftsführung ein Leichtes zu sein. Doch der Schein trügt – auch eine familieninterne Nachfolge muss lange und gründlich vorbereitet werden. So auch bei der Beratungsgesellschaft von Rundstedt HR Partners, die nach vollzogener Übergabe von Sophia von Rundstedt und Heike Cohausz als geschäftsführenden Gesellschafterinnen geleitet wird. Im Interview sprechen Gründer Eberhard von Rundstedt und seine Tochter Sophia über ihre Vorgehensweise und die größten Herausforderungen bei der eigenen Nachfolge.
Unternehmeredition: Frau von Rundstedt, wie ging Ihre Familie mit dem Thema Unternehmensnachfolge um?
Sophia v. Rundstedt: Uns war lange Zeit nicht bewusst, dass eine Stabsübergabe an der Firmenspitze auch in Familienunternehmen nicht „einfach so“ geschieht. Erst der Besuch des Nachfolgeforums der Jungen Unternehmer im Herbst 2006 war für uns das entscheidende Aha-Erlebnis. Ich arbeite zwar schon seit 2003 in der Personalmanagement-Beratung, die mein Vater vor 25 Jahren gegründet hatte. Allerdings gab es bis dato keinen internen Zeitplan für die Nachfolge, keine Festlegung, welche Aufgaben wir beide künftig in der Firma übernehmen sollten und welche Rolle mein jüngster Bruder, von Beruf Arzt, spielen sollte. Auch die künftige Verteilung der Gesellschaftsanteile war noch nicht geklärt. Essentielle Themen also, für deren Besprechung eine Familienzusammenkunft an Weihnachten nicht den richtigen Rahmen bilden würde.

Unternehmeredition:
Herr von Rundstedt, die Nachfolge ist ein konfliktgeladenes Thema in fast jeder Unternehmerfamilie. Holten Sie sich Unterstützung von einem externen Berater?
Eberhard v. Rundstedt: Ja, im Anschluss an die BJU-Veranstaltung konnten meine Kinder mich davon überzeugen, mir mit Kirsten Baus eine erfahrene Beraterin und Moderatorin im Rahmen von Nachfolgeprozessen und Expertin für Familienstrategie an die Seite zu holen. Damit wurde der erste wichtige Schritt eingeleitet: Die Nachfolge als Prozess zu betrachten, der über einen längeren Zeitraum hinweg verschiedene Phasen durchläuft und dann zu einem bestimmten Zeitpunkt mit der Vollendung der Firmenübergabe an die nächste Generation abgeschlossen wird. Nicht nur meine Kinder, sondern auch ich selbst entschied mich bewusst dafür und signalisierte damit gleichzeitig Bereitschaft, auch tatsächlich Verantwortung abzugeben.
Unternehmeredition: Welche Besonderheiten ergaben sich beim Stabwechsel innerhalb Ihres Unternehmens?
Sophia v. Rundstedt: Als besondere Herausforderungen stellte sich die Übertragung der Geschäftsanteile von einem Mehrheitsgesellschafter auf eine Geschwistergesellschaft dar. Um eine Regelung zu finden, die alle Familienmitglieder mittragen, wurden auch meine Mutter und mein nicht im Unternehmen tätiger jüngster Bruder in den Prozess mit einbezogen. Die offenen Fragen diskutierten wir dann in ganztägigen Familientreffen. Diese fanden über den Zeitraum eines Jahres statt und wurden von Kirsten Baus moderiert, so dass uns genug Zeit und Raum zur Verfügung stand, um Zweifel und Kritik offen auszusprechen und konsensfähige Lösungen zu finden.
Unternehmeredition: Zu welchen Ergebnissen kamen Sie in den Arbeitstreffen der Familie?
Eberhard v. Rundstedt: In den Zusammenkünften erarbeiteten wir gemeinsam Familien- und Unternehmenswerte und formulierten Ziele für das Unternehmen. Dazu gehört z.B. ein geschlossenes Auftreten der Familie in der Firma. Oder das Bestreben, die Loyalität der Mitarbeiter gegenüber mir als Gründer auch für die nächste Generation im Unternehmen zu gewinnen. Als zweites Thema wurde die Übertragung der GmbH-Anteile geregelt. Die Hauptfrage lautete hier: Sollte die Übertragung von Anteilen auch an Ehe- bzw. Lebenspartner oder minderjährige Erben möglich sein? Gemeinsam definierten wir Regeln für den Scheidungs- und Erbfall, die anschließend von den Familiengesellschaftern in entsprechenden Testamenten, Ehe- und Erbverträgen umgesetzt wurden. Auch der Fall des Ausscheidens eines Gesellschafters wurde geregelt.
Unternehmeredition: Welche Hürden mussten Sie dabei überwinden?
Sophia v. Rundstedt: Besonders kontrovers diskutierten wir das Thema „Verteilung der Anteile von den Eltern auf die drei Kinder“ und die Frage, ob nichttätige Gesellschafter im gleichen Umfang am Kapital beteiligt werden und gleiche Gewinnbezugsrechte erhalten sollten wie tätige Gesellschafter. Zum anderen musste die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit des oder der geschäftsführenden Gesellschafter auch für den Fall gewährleistet werden, dass sich die Geschwister-Gesellschafter nicht einigen können. In diesem Zusammenhang wurde eine von der Verteilung der Kapitalanteile abweichende Verteilung der Stimmrechte beschlossen.
Unternehmeredition: Wie gestaltet sich die Übergabe konkret, und welche Meilensteine haben Sie dafür festgelegt?
Eberhard v. Rundstedt: Entscheidend war die gemeinsame Festlegung eines Zeitplans für die Übergabe und meinen Ausstieg aus dem operativen Geschäft. Wir legten als Familie fest, dass ich mit Vollendung meines 70. Lebensjahres bzw. zum 31. Dezember 2010 aus der Geschäftsführung ausscheide. Zur Gestaltung eines fließenden Übergangs rückte Sophia bereits Anfang 2008 in die Geschäftsführung auf. Mein ältester Sohn Constantin übernahm Anfang 2009 seine erste Führungsaufgabe in einer der Tochtergesellschaften. Die Übergabe des Vorsitzes der Geschäftsführung von mir auf Sophia wird offiziell im Rahmen der Feier zum 25-jährigen Bestehen des Unternehmens im November erfolgen. Mit dem 1. Januar 2011 werde ich anschließend den Vorsitz des dann zu gründenden Beirats übernehmen.
Unternehmeredition: Frau von Rundstedt, Herr von Rundstedt, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Gerhard Bönsch.
redaktion@unternehmeredition.de


Zu den Interviewpartnern:
Sophia und Eberhard von Rundstedt
Eberhard von Rundstedt ist Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung, seine Tochter Sophia von Rundstedt, geschäftsführende Gesellschafterin (service@rundstedt.de) von Rundstedt HR Partners. Die Beratungsgesellschaft mit dem Schwerpunkt auf integriertes Personalmanagement wurde 1985 gegründet und ist in Deutschland und Österreich mit 320 Mitarbeitern in neun Niederlassungen präsent. Im Jahr 2009 erwirtschaftete sie 28 Mio. EUR Umsatz. www.rundstedt.de

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