„Ein starker Gesellschafter ist für das Gelingen eines Insolvenzplanverfahrens unerlässlich“ (Ausgabe 3/2010)

Interview mit Patrick Feller, geschäftsführender Gesellschafter, Deutsche Industrie Holding (DIH)

Ein Jahr nach Abschluss des Insolvenzverfahrens und harter Restrukturierung startet der Bekleidungshändler Sinn Leffers nun wieder durch und schreibt schwarze Zahlen. Aufgrund unrentabler Standorte, zu hoher Mieten und unattraktiver Sortimente hatte die Handelskette im Sommer 2008 Insolvenz angemeldet

Ein Jahr nach Abschluss des Insolvenzverfahrens und harter Restrukturierung startet der Bekleidungshändler Sinn Leffers nun wieder durch und schreibt schwarze Zahlen. Aufgrund unrentabler Standorte, zu hoher Mieten und unattraktiver Sortimente hatte die Handelskette im Sommer 2008 Insolvenz angemeldet. Ein entscheidender Erfolgsfaktor für den gelungenen Neustart war das Insolvenzplanverfahren, das im Gegensatz zum Regelverfahren viel zu selten angewandt wird. Im Interview spricht Patrick Feller, heute DIH- und zuvor Sinn Leffers-Geschäftsführer, über die Ursachen und den Weg aus der Krise sowie die Vorteile des Insolvenzplanverfahrens.

Unternehmeredition: Herr Feller, können Sie bitte kurz noch einmal die Ursachen der Krise Ihres Unternehmens skizzieren?
Feller: In den ersten zwei Jahren im Besitz der DIH Deutsche Industrie Holding GmbH konnte Sinn Leffers zunächst den Abstand zum Markt schließen, den es über mehrere Jahre gehabt hatte. Ab Weihnachten 2007 entwickelten sich jedoch der deutsche Textilmarkt und dadurch bedingt auch Sinn Leffers wieder negativ. Die profitablen Filialen konnten das negative Ergebnis der unprofitablen Häuser nicht mehr ausgleichen. Es zeigte sich, dass das strukturelle Problem des Sinn Leffers-Filialportfolios bis zu diesem Zeitpunkt nur zu einem kleinen Teil gelöst worden war. Durch die Ergebniskrise war die Liquiditätskrise bei Sinn Leffers absehbar.

Unternehmeredition: Was waren die entscheidenden Maßnahmen, um Sinn Leffers wieder nach vorne zu bringen?
Feller: Wir haben bereits vor der Insolvenz maßgebliche Schritte eingeleitet, Sinn Leffers neu im Textileinzelhandel zu positionieren. Dazu zählten die Aufwertung des Markenportfolios, die Neugestaltung unserer Außendarstellung und intensive Trainings von Mitarbeitern. In dem Insolvenzplanverfahren hingegen wurden die Sanierungsschritte mithilfe der Insolvenzordnung umgesetzt, die bereits im Vorfeld vorbereitet wurden. So hatte Sinn Leffers bereits im Oktober 2008 – also vor Eröffnung des Verfahrens – bekannt gegeben, dass sich das Unternehmen Ende Februar 2009 von 23 der vormals 47 Filialen trennen würde. Vorangegangene Verhandlungen mit Vermietern über Mietreduzierungen waren überwiegend gescheitert. Trotz Schließung der Häuser und weiterem Personalabbau konnten rund zwei Drittel der zuvor 3.700 Arbeitsplätze erhalten werden. So konnte Sinn Leffers in der Insolvenz die Flächenproduktivität durch den Fokus auf profitable Filialen und eine gezieltere Personalpräsenz deutlich erhöhen. Zudem konnten neue Dienstleister mit besseren Konditionen gewonnen und mit verbleibenden Dienstleistern wesentlich bessere Vereinbarungen getroffen werden.

Unternehmeredition: Bei Sinn Leffers wurde die Insolvenz im Planverfahren abgewickelt. Welche Vorteile ergaben sich daraus im Vergleich zum weitaus häufiger angewandten Regelverfahren?
Feller: Das Insolvenzplanverfahren entspricht in unserer Wahrnehmung eher einem Vertrag zwischen Schuldner und Gläubigern, wie ein Teil der Forderungen beglichen werden kann. Es ist daher nicht direkt mit der Regelabwicklung gleichzusetzen, da dort ganz andere Mechanismen wirken. Da im Insolvenzplanverfahren nicht hauptsächlich Aktiva verkauft werden, muss die Quote durch den Gesellschafter oder den Cashflow erbracht werden. Da die DIH sich zu Sinn Leffers bekannt hat, war dieses Zugeständnis möglich. Die Vorteile liegen vornehmlich in den beim Unternehmen verbleibenden Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere durch die Eigenverwaltung. Zudem konnte durch eine detaillierte Vorbereitung der „Fahrplan“ für den Ablauf des Verfahrens exakt vordefiniert werden.

Unternehmeredition: Wozu müssen die Gesellschafter im Insolvenzplanverfahren bereit sein?
Feller: Bei Sinn Leffers war es die DIH als Gesellschafter, die der Geschäftsführung das Insolvenzplanverfahren als Sanierungsoption vorgeschlagen hat. Die DIH war in die Vorbereitung des Verfahrens involviert und hat die dabei entstandenen Kosten vollständig getragen. Auch während des Verfahrens hat der Gesellschafter wesentliche Kosten übernommen, z.B. sämtliche Beraterkosten oder Provisionsansprüche an Verkaufsmitarbeiter, die Sinn Leffers in der Insolvenz nicht ausschütten konnte. Zudem stellte die DIH wesentliche Sicherheiten für die Gewährleistung des operativen Geschäfts zur Verfügung. Zusätzlich hat der Gesellschafter es durch einen wesentlichen Beitrag ermöglicht, dass den ungesicherten Gläubigern eine Quote auf ihre Forderungen ausgeschüttet werden konnte. Dies wäre andernfalls aufgrund der hohen vorrangigen Zahlungsverpflichtungen nicht möglich gewesen.

Unternehmeredition: Was sind die wichtigsten Lessons learned für das Management?
Feller: Der Erfolg des Verfahrens liegt unter anderem darin, dass neben einer intensiven Vorbereitung und der proaktiven Kommunikation ein starker Gesellschafter unerlässlich für das Gelingen eines Insolvenzplanverfahrens ist. Wir haben jedoch nicht erwartet, dass der Turnaround im Anschluss an die Sanierung eine solche Dynamik annehmen kann, wie das bei Sinn Leffers der Fall war.

Unternehmeredition: Wie schätzen Sie die weiteren Zukunftsaussichten Ihres Unternehmens ein?
Feller: Nach Abschluss der Radikalsanierung konnten wir auf einen gesunden Kern von 24 Filialen aufsetzen und wieder durchstarten. Wir werden 2010 unsere Umsatzziele übertreffen und bereinigt um die geschlossenen Filialen zwischen 7 und 8% zulegen. Ab 2011 werden wir wieder über Expansion nachdenken.

Unternehmeredition: Herr Fellers, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de

Zum Interviewpartner: Patrick Feller
Patrick Feller (patrick.feller@dih-gruppe.de) ist seit 2009 geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Industrie Holding (DIH). Zuvor war er von 2006 bis 2009 Sprecher der Geschäftsführung des Textilunternehmens Sinn Leffers GmbH. Das auf den Mittelstand spezialisierte Beteiligungsunternehmen DIH mit Sitz in Frankfurt investiert ausschließlich eigenes Geld in den Firmenkauf. Mehrheitsgesellschafter ist der ehemalige Wella-Chef Peter Zühlsdorff. www.dih-gruppe.de, www.sinnleffers.de

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