Das zweite Halbjahr 2025 ist weiterhin durch makroökonomische Schwankungen, geldpolitische Veränderungen, Inflation und Zölle gekennzeichnet. Obwohl erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Verlangsamung und steigender Inflation sichtbar werden, erscheint eine breite Rezession eher unwahrscheinlich. Unterstützende Faktoren wie der „One Big Beautiful Bill Act“ in den USA, die globale Dynamik durch künstliche Intelligenz und niedrigere Zinsen dürften dazu beitragen, dass die wirtschaftliche Entwicklung bis hinein in das Jahr 2026 stabil bleibt. Daher ist weiterhin mit stabilen Erträgen bei den Zielunternehmen zu rechnen.
Im zweiten Halbjahr 2025 ist bereits eine deutlich höhere Aktivität an M&A-Transaktionen zu beobachten. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung im Jahr 2026 weiter fortsetzen wird. Positiv zu erwarten sind demnach höhere Rückflüsse aus bestehenden Fonds an die Investoren. Aufgrund der in den letzten Jahren gesunkene EBITDA-Multiplies ist von weiterhin guten Einstiegsmöglichkeiten für Primaries und Secondaries auszugehen.
Während Large-Cap-Manager angesichts des Wachstums ihrer Produktpalette und ihres größeren Anteils am Anlegerbudget Marktanteile gewonnen haben, bieten Mid-Cap-Manager nach wie vor das Potenzial, die Large-Cap-Unternehmen zu übertreffen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, darunter geringere Verschuldung und Einstiegsmultiplikatoren, höheres Wachstum und ein höherer Anteil strategischer Exits. Außerdem gibt es im mittleren Segment weniger „Dry Powder“. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Renditestreuung im Mittelstand größer ist, sodass man eine sorgfältige Managerauswahl treffen muss.
Wir sehen Chancen in der gesamten Private-Equity-Landschaft und konzentrieren uns weiterhin auf Unternehmen mit starken Fundamentaldaten. Wir bevorzugen Unternehmen mit geringerer Kapitalintensität im weiteren Sinne, obwohl es in dieser Gesamtkategorie eine Reihe von Branchen gibt. Beispielsweise werden ausgelagerte Dienstleistungen immer attraktiver, da Unternehmen ihre Abläufe durch die Auslagerung von Nicht-Kernfunktionen rationalisieren möchten. Im Bereich der professionellen Dienstleistungen gibt es bemerkenswerte Roll-up-Chancen, zum Beispiel bei Wirtschaftsprüfungs- und Anwaltskanzleien. Auch industrielle Dienstleistungen sind ein vielversprechender Bereich für Investitionen. Da die Branchen expandieren, sich modernisieren und zunehmend ins Inland verlagern, wird die Nachfrage nach Wartungs-, Reparatur- und Betriebsdienstleistungen steigen und damit erhebliche Chancen bieten. Wir schätzen auch weiterhin Versicherungsdienstleistungen und die dortigen Roll-up-Chancen.
Was die Herausforderungen angeht, könnten Unternehmen, die Zöllen ausgesetzt sind, aufgrund sich ändernder Handelspolitik erheblichen Risiken gegenüberstehen, die zu höheren Kosten und Störungen der Lieferketten führen können. Regionale Konflikte können Transportwege blockieren oder die Versorgung mit kritischen Rohstoffen einschränken. Die Diversifizierung von Lieferketten wird zu einem Werttreiber, gekoppelt mit einem höheren Bedarf an Risikomanagement. Auch arbeitsintensive Branchen könnten vor einigen Herausforderungen stehen, insbesondere aufgrund des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften und der daraus resultierenden Lohninflation, die durch Änderungen in der Einwanderungspolitik noch verschärft werden könnte.
Private Debt
Der Markt für Private-Credit-Secondaries wächst weiter und reift, was zum Teil auf die Nachfrage nach verbesserten Liquiditätsoptionen für Anleger zurückzuführen ist. Die Pipeline für 2026 sieht weiter robust aus, da voraussichtlich mehrere große LP- und GP-Portfolios im Wert von mehreren Mrd. USD auf den Markt kommen.
Die Transaktionsvolumina steigen, wobei einzelne Transaktionen mittlerweile regelmäßig über 1 Mrd. USD erreichen, und es ist zu beobachten, dass immer mehr GP-Liquiditätslösungen auf den Markt kommen. Es ist damit zu rechnen, dass der Dealflow im Jahresvergleich um 5 % bis 10 % steigen wird, obwohl er in den letzten fünf Jahren um 40 % bis 50 % CAGR gewachsen ist.
Historische Treiber wie Rebalancing, Risikomanagement und Portfoliomanagement werden bestehen bleiben. Die erhöhte Marktunsicherheit und Volatilität werden die Liquiditätsnachfrage ankurbeln. Wir erwarten für die nächsten drei Jahre einen Dealflow von 150 Mrd. USD, von denen etwa ein Drittel in Deals umgewandelt werden. Insgesamt ist dies ein guter Zeitpunkt für Private-Credit-Secondaries.
Wir bevorzugen defensive Sektoren wie Technologie, Gesundheitswesen und Unternehmensdienstleistungen. Diese Sektoren zeichnen sich in der Regel durch einen hohen freien Cashflow, wiederkehrende Einnahmen, eine geringe Kapitalintensität und eine geringe Zyklizität aus.
Potenzieller Gegenwind könnte von einer Verlangsamung der KI-Ausgaben, auf exportabhängige Branchen einwirkenden Zöllen und Verwerfungen in verbraucherorientierten Branchen wie dem Einzelhandel ausgehen.
Infrastruktur
In der digitalen Infrastruktur führt die steigende Nachfrage nach KI zu einem erheblichen Bedarf an mehr Rechenzentren. Daher beobachten wir die KI-Revolution und die Energiewende genau, während sich auch die mögliche Rückkehr der Inflation positiv auf die Infrastruktur auswirken könnte.
Welche neue Infrastruktur benötigt KI? Der Strombedarf von KI ist enorm. Es gibt einen echten Engpass hinsichtlich des Strombedarfs von Rechenzentren, und dieser Bedarf wird weiter steigen. Diese Situation bietet enorme Chancen für den konventionellen Sektor für effiziente Kraftwerke und erneuerbare Energien auf globaler Ebene – wir beobachten dies in ganz Europa, Australien und den USA. Wir erwarten, dass die Auswirkungen auf unabhängige Stromerzeuger und erneuerbare Energien äußerst positiv sein werden. Angesichts der steigenden Nachfrage nach Daten und der zunehmenden Investitionen in erneuerbare Energien müssen die Stromnetze in den USA und Europa saniert und modernisiert werden.
Es gibt weiterhin einige attraktive Faktoren, die die Dekarbonisierung vorantreiben, beispielsweise in Bereichen wie Batterien und Speicherung sowie Kohlenstoffbindung. Aber auch die Flüssigerdgas-(LNG-)Industrie ist aufgrund ihrer Rolle in der globalen Energiewende weiterhin attraktiv. Diese Sektoren dürften von der steigenden Nachfrage nach sauberer Energie und dem Bedarf an zuverlässigen Energiequellen profitieren.
Wir sehen auch zunehmende Chancen im Logistiksektor, der durch die anhaltende Expansion des E-Commerce und des globalen Handels unterstützt wird. Infrastrukturinvestitionen können eine Absicherung gegen Inflation darstellen, da Vermögenswerte und Modelle direkt an die Inflation gekoppelt sind und langfristige, stabile Renditen sowie eine relativ geringe Volatilität in Zeiten von Marktverwerfungen bieten.
FAZIT
Das aktuelle Marktumfeld erfordert eine sorgfältige Prüfung des Chancen-Risiko-Profils und der Managerselektion, bietet jedoch vielversprechende Investitionsmöglichkeiten durch den Zugang zu langfristigen Wachstumsthemen (zum Beispiel Energiewende, Digitalisierung). Über verschiedene Private-Market-Strategien hinweg sehen wir attraktive Einstiegspreise und Renditen, während die Verschuldungsniveaus weiterhin konservativ bleiben. Investoren, die in diesem Umfeld Kapital einsetzen, sollten aus heutiger Sicht eine langfristige Rendite erzielen können, welche über der von öffentlichen Märkten liegt.
👉 Dieser Beitrag erscheint auch in der neuen Magazinausgabe der Unternehmeredition 04/2025 (Erscheinungsdatum: 12.12.2025).





