Der WHU Campus for Family Business 2019: Die Referenten betonten die kulturelle wie wirtschaftliche Prägung Deutschlands durch die Hidden Champions. Bilder © Kai Myller / WHU Otto Beisheim School of Management
Der WHU Campus for Family Business 2019: Die Referenten betonten die kulturelle wie wirtschaftliche Prägung Deutschlands durch die Hidden Champions. Bilder © Kai Myller / WHU Otto Beisheim School of Management

Das Institut für Familienunternehmen und Mittelstand an der WHU – Otto Beisheim School of Management richtete in der vergangenen Woche seinen Campus for Family Business in Koblenz-Vallendar aus. Die über 130 Teilnehmer – unter ihnen die meisten Familienunternehmer – diskutierten mit namhaften Referenten die Zukunft der mittelständischen Weltmarktführer.

Was sagt der Entdecker der Hidden Champions heute zu diesem Unternehmensmodell? Mit dieser Frage startete der WHU Campus for Family Business ins Programm. Der Unternehmensberater Prof. Hermann Simon unterzog im Eröffnungsvortrag die Hidden Champions einer kritischen Analyse. Dabei betonte er vor allem die globale Ausrichtung der Unternehmen: Um weiter zu wachsen, expandieren die unbekannten Weltmarktführer in ihrer Nische, statt das Portfolio zu diversifizieren. Simon nennt dies auch den „Aufbruch nach Globalia“. Diesem Expansionsdrang in der jeweiligen Nische bescheinigte Experte Simon eine gute Zukunftsperspektive. Er betonte aber auch, dass ein wichtiger Erfolgsfaktor dabei der chinesische Markt sei.


Onlineaffine Sarna Röser: Sie forderte mehr Investitionen in die digitale Infrastrktur wie auch die digitale Bildung.
Onlineaffine Sarna Röser: Sie forderte mehr Investitionen in die digitale Infrastrktur wie auch die digitale Bildung.

Der deutsche Standort musste hingegen einiges an Kritik einstecken, und dies gerade von der jungen Generation. In der Podiumsdiskussion zum Thema Digitalisierung bemängelte Michael Mack, Miteigentümer des Europa-Park Rust, eine fehlende Offenheit gegenüber immateriellen Gütern. Damit meinte er die traditionelle Fokussierung auf das produzierende Gewerbe, die den Blick für digitale Geschäftsmodelle verschließe. Ins gleiche Horn blies auch Sarna Röser, Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer. Sie mahnte, sowohl mehr in die digitale Infrastruktur als auch in die digitale Bildung zu investieren. Sie pointierte ihr Forderung mit dem Ausdruck „Geschwindigkeit ist Sicherheit“.

Daneben bedauerte Röser das aktuell negative Unternehmerimage in der Öffentlichkeit, was vor allem junge Menschen davon abhielte, sich selbst etwa aufzubauen. Einen Gegenentwurf zu den negativen Klischees lieferte der Verleger Dr. Florian Langenscheidt, der zusammen mit Susanne Szczesny-Oßing, ihrerseits Präsidentin der IHK Koblenz, die Schirmherrschaft übernommen hatte. Langenscheidt erzählte eine Anekdote, als er vor Botschaftern und dem damaligen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sein „Lexikon der deutschen Familienunternehmen“ vorgestellt hatte. Steinmeier versprach, das Buch auf seinen Auslandsreisen mitzuführen, weil er davon überzeugt war, dass die Unternehmer –  genauso wie die Dichter und Denker – Deutschland repräsentierten.

Schirmherr Dr. Florian Langenscheidt: Als Verleger des "Lexikon der deutschen Weltmarktführer" kennt er die ganzheitliche Bedeutung des deutscher Hidden Champions.
Schirmherr Dr. Florian Langenscheidt: Als Verleger des „Lexikon der deutschen Weltmarktführer“ kennt er die ganzheitliche Bedeutung des deutscher Hidden Champions.

Mit diesem Gedanken drückte der Schirmherr Langenscheidt die Quintessenz der Veranstaltung aus: Der Mittelstand beziehungsweise seine Hidden Champions prägen Deutschland wirtschaftlich wie kulturell. Es kann nicht schaden, dieses Modell stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.

Den offiziellen Rückblick zur Veranstaltung finden Sie hier: https://www.whu.edu/presse/news-archiv/aktuelles-einzelansicht/archive/2019/september/article/campus-for-family-business-2019/

Am 18. September 2020 findet der kommende WHU Campus for Family Business statt.