Eigenverwaltung bei Strenesse

Strenesse-Firmengebäude in Nördlingen
Es geht heiß her in Nördlingen: Strenesse stellte einen Insolvenzantrag.

Strenesse findet keinen Weg aus der Krise: Gestern stellte das Modehaus einen Insolvenzantrag auf Eigenverwaltung beim Amtsgericht Nördlingen. Erst Ende Februar hatte Vorstandschef Luca Strehle bei den Anleihegläubigern für einen Zahlungsaufschub gekämpft.  

Vorläufig kein gutes Ende im Restrukturierungskrimi von Strenesse: Den Nördlingern ist nun endgültig das Geld ausgegangen. Drückende Altlasten behinderten die Sanierung des Unternehmens, wie es in einer Pressemitteilung hieß. Um dem Zugriff der Gläubiger zu entgehen, stellte Strenesse nun einen Antrag auf Eigenverwaltung.

Damit ist die Strenesse AG drei Monate vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt und kann die Sanierung vorantreiben. Ein Restrukturierungskonzept liegt angeblich schon vor. Die bisherige  Geschäftsführung bleibt dabei vollständig im Amt. Möglich macht dies das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen, kurz ESUG. Dadurch können sich Unternehmen selbstständig sanieren und müssen Forderungen vorerst nicht bezahlen – ohne einen Regelinsolvenzantrag zu stellen und einen Insolvenzverwalter im Haus zu haben.

Statt eines Insolvenzverwalters gibt es einen Sachwalter, der vom Gericht bestellt wird und die Sanierung überwacht. Operativ hat dieser jedoch keine Entscheidungsbefugnis. Als Unterstützung hat Strenesse Michael Pluta als Chief Restructuring Officer in den Vorstand bestellt. Der bekannte Sanierungsexperte führte schon den Eisenbahnbauer Märklin aus der Krise und sitzt nun im Vorstand der Strenesse AG. „Wir wollen, dass Strenesse schnellstmöglich wieder profitabel wird“, so Michael Pluta in der Pressemitteilung.

Mit der schwierigen Modebranche hat die Kanzlei Pluta bereits Erfahrung: von 2004 bis 2010 verwaltete sie die Insolvenz des Bekleidungsherstellers März. Michael Pluta selbst sorgte 2012 als Insolvenzverwalter für den erfolgreichen Verkauf des Modeunternehmens Wissmach an Gerry Weber.

Bereits 2012 stand Strenesse kurz vor der Insolvenz. Als Rettungsversuch begab das Unternehmen im März 2013 eine Anleihe über 12. Mio. EUR, die mit 9% verzinst wurde und eine Laufzeit von einem Jahr hatte. Doch rückzahlen konnte sie das Unternehmen nicht. Auf einer Gläubigerversammlung Ende Februar erreichte Vorstandschef Luca Strehle einen Zahlungsaufschub bis 2017.

Autorenprofil

Verena Wenzelis war bis Juli 2016 Redakteurin bei der Unternehmeredition.

Vorheriger ArtikelWie finanziert sich der Mittelstand?
Nächster ArtikelAlles nur Hype?