Plage oder Symbiose? Die Private Equity-Branche im Jahr 2018.
Plage oder Symbiose? Die Private Equity-Branche kämpft wieder mit Negativschlagzeilen.

Das Imageproblem ist wieder da. Seit einigen Monaten stehen Finanzinvestoren massiv in der Kritik. Der Geist von Thyssen-Krupp mit seinen aktivistischen Investoren Elliott und Cevian spukt durch die deutsche Wirtschaftspresse. Und damit ein lange vergessener Kampfbegriff. Die Heuschrecke ist zurück. Wer sich noch erinnert – in einer aktuellen Stunde des Bundestages verglich 2005 der damalige SPD-Chef Franz Müntefering das Vorgehen der US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) mit einer Heuschreckenplage.

Doch eine pauschale Betrachtung und Bewertung der Szene griff bereits damals zu kurz. Müntefering erntete zu Recht massive Kritik – auch aus den eigenen Reihen. Heute ist der Vergleich unzutreffender denn je. Vor allem, wenn man den deutschen Markt betrachtet. Denn: Private Equity ist nicht gleich Private Equity. Der Markt ist heterogen, das Finanzierungsangebot unterschiedlich. Genauso übrigens, wie es der Bedarf bei den mittelständischen Unternehmen ist. Die Bandbreite reicht von klassischen Fonds mit konkreter Laufzeit zu sogenannten Evergreens bis zu Stillen Beteiligungen. Selbstverständlich hat der aktivistische, meist angelsächsische Investor andere Interessen als eine mittelständische Beteiligungsgesellschaft wie die MBG Baden-Württemberg oder die BayBG aus München. Beides sind Finanzinvestoren – doch Mittel und Wege könnten unterschiedlicher nicht sein. Auch strategische Investoren wie etwa die Industrieholding Gesco positionieren sich klar und deutlich. Hier steht nicht der Exit im Vordergrund, sondern nachhaltiges Wachstum. Schließlich bietet Private Equity über sogenannte Management-Buy-ins (MBI) und Management-Buy-Outs (MBO) eine Möglichkeit für künftige Unternehmer.


All das sind nur Beispiele. Aber sie zeigen, welche Chancen sich für den Mittelstand mit Beteiligungskapital ergeben. Gerade in der DACH Region bemühen sich die Beteiligungsgesellschaften zudem seit Jahren, als glaubwürdiger Partner des Mittelstands aufzutreten. Viele Familienunternehmer sind beim Verkauf nicht primär preisgetrieben. Gerade dann empfinden viele eine besondere Verantwortung. Für die Mitarbeiter, die Familientradition, die Region. Diese Verantwortung will in verlässliche Hände gegeben werden. Bei einer Wachstumsfinanzierung sucht der Unternehmer einen Partner auf Augenhöhe. Jemanden, der das Geschäftsmodell versteht und dessen Netzwerk und Know-how zum Erfolg beiträgt. Gerade die deutschen Finanzinvestoren haben das verstanden und sich angepasst. Die Gesellschaften wissen zwischenzeitlich, dass sie den Unternehmer emotional abholen und sich der Vielschichtigkeit der Anforderungen bewusst sein müssen. Prominente Marktteilnehmer werben offensiv mit den von ihrem Engagement geschaffenen Arbeitsplätzen.

Das zeigt Wirkung. Laut einer Studie von PWC öffnen sich Familienunternehmer zunehmend für Beteiligungskapital. Von 300 im vergangenen Jahr befragten inhabergeführten Unternehmen können sich 83 Prozent eine Beteiligungsgesellschaft als Partner vorstellen. 2012 beantworteten nur 18 Prozent diese Frage positiv.

Was heißt das jetzt? Abseits von öffentlichkeitswirksamen Negativbeispielen ist Private Equity längst Teil der deutschen Unternehmenslandschaft geworden. Und abseits von aktivistischen Investoren, die die Instrumente des Kapitalmarkts missbrauchen um eigene Interessen durchzusetzen, ist die Bezeichnung Heuschrecke schlicht und ergreifend unzutreffend. Heute noch mehr denn 2005. Vor einer Pauschalisierung in der einen oder anderen Richtung sollten sich die Politik, Presse und Privatperson grundsätzlich in Acht nehmen.