Nachfolge für königliches Porzellan gesucht

Eigentümer Jörg Woltmann stellt die Weichen für die Zukunft der KPM Berlin

Majestätisches Ambiente: In der einst von Friedrich dem Großen gegründeten Manufaktur wird bis heute Porzellan gefertigt. Foto: © KPM Berlin

Vor 20 Jahren übernahm der Berliner Bankier Jörg Woltmann die traditionsreiche KPM Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin und rettete das einst traditionsreiche Staatsunternehmen vor der Insolvenz. Jetzt arbeitet er an einer zukunftsfähigen Nachfolgeregelung für die Manufaktur.

Unternehmertum liegt in der Familie. Die Mutter betrieb eine Schneiderei und einen Handel für Damenoberbekleidung in Berlin-Lichterfelde. 1947 wurde Jörg Woltmann in Berlin geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre zum Bankkaufmann beim renommierten Bankhaus Hermann Lampe und studierte anschließend drei Jahre Betriebswirtschaft an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin. Doch bereits während des Studiums reizte ihn das Unternehmertum; er machte sich 1970 als Gebrauchtwagenhändler selbstständig und betrieb schon bald vier Autohäuser in Westberlin. 1975, mit 28 Jahren, verkaufte er diese Autohäuser. Vom Gewinn gönnte er sich einen kleinen Luxus für damalige Zeiten: ein „Kurland-Service“ von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). „Das habe ich heute noch“, erzählt Woltmann.

Erfolgreich eine Bank für Beamte gegründet

Prinzessinnengruppe aus Porzellan: begehrte Sammlerstücke. Foto: © KPM Berlin/ Michael Kuschinek-Hofer

Mit 32 trieb den Bankkaufmann die nächste Idee aus seinem gelernten Metier um. Er wollte eine Bank gründen – mit speziellem Fokus auf Beamte und den öffentlichen Dienst. „Damals war es so, dass jeder, der in Westberlin arbeitslos war, in den öffentlichen Dienst geschickt wurde“, erinnert sich Woltmann mit einem Schmunzeln zurück. Freilich war es nicht so, dass es nicht schon eine solche Bank von staatlicher Seite gab. „Meine Bank hatte sehr schlanke Strukturen. Unsere Vorstände hatten keine Dienstwagen und teilten sich ein Sekretariat. Außerdem hatten wir nur vier Kredit- und vier Bankprodukte im Angebot.“ Die Allgemeine Beamten Bank entwickelte sich unter Woltmann als Eigentümer über viereinhalb Jahrzehnte zu einem Kreditinstitut mit 40.000 Kunden und 630 Mio. EUR Bilanzsumme. 2004 bat ihn ein Hamburger Konsortium um seine Expertise bei einem höchst spannenden Mandat. Die traditionsreiche KPM Berlin, vom preußischen König Friedrich dem Großen gegründet und dann im Besitz von weiteren sechs Königen und Kaisern, war als Betrieb des Landes Berlin in die finanzielle Schieflage geraten. „Ich sollte die Privatisierung begleiten“, erinnert sich Woltmann. „Das wollte ich zunächst nicht, habe die Privatisierung dann aber doch begleitet, als ich erfahren hatte, dass KPM höchstwahrscheinlich nach Asien verkauft werden würde, falls dieses Konsortium den Zuschlag nicht bekäme. Die Privatisierung ging aber schief – daher habe ich mich Ende 2025 entschlossen, das Unternehmen selbst zu kaufen. Ich wollte dieses Kulturgut für Berlin und für Deutschland erhalten. Ausreichende Sicherheiten hatte ich.“

Positionierung als Luxusgut mit Tradition und Zeitgeist

Friedrich der Große als Porzellanfigur: handwerkliche Manufakturarbeit, bevor es ab in den Brennofen geht. Foto: © KPM Berlin/ Michael Kuschinek-Hofer

Woltmann positioniert die Porzellanmanufaktur stringent als Luxusgut mit Tradition und Zeitgeist. Er kooperiert mit anderen Marken in diesem Segment. Es gibt Porzellanlinsen für Birkenstock-Sandalen. Für die Nobelmarke Bugatti liefert er Porzellanteile für die Radnaben, den Tankdeckel oder eine Reliefplatte im Cockpit des Sondermodells L’Or Blanc. Das erfordert einiges an handwerklichem Können: Porzellan schrumpft während des Herstellungsprozesses um 16 %, und in der Automobilindustrie wird auf den Tausendstelmillimeter gearbeitet. Die Fertigungstiefe in der Manufaktur liegt bei 90 %. Da Woltmann beim Kauf das gesamte Areal erworben hat, kann die Manufaktur an ihrer historischen Stätte im Berliner Ortsteil Tiergarten verbleiben, einer Gegend, in der zwischenzeitlich aufgrund der Nähe zum Regierungsviertel fast ausschließlich Luxuswohnungen entstanden sind. 2017 gründete er die gemeinnützige „Stiftung Königliche Porzellan-Manufaktur in Berlin“, in die alle Assets eingebracht wurden, die nicht unmittelbar mit dem operativen Geschäft zu tun haben. Die ehemalige Ringkammerofenhalle hat er zur KPM-Erlebniswelt umgebaut. 2019 eröffnete er direkt daneben mit dem KPM-Hotel „das erste Hotel Deutschlands, das den Namen einer Luxusmarke trägt“, so Woltmann. Die Suiten sind den verschiedenen KPM-Kollektionen gewidmet. In zehn eigenen Stores, die über die gesamte Republik angesiedelt sind, und über den KPM-Onlineshop, der 15 % zum Umsatz beiträgt, wird das Porzellan verkauft. Nur die Internationalisierung läuft noch nicht so, wie Woltmann es sich vorstellt: „Hier ist uns das Meißner Porzellan um etliche Jahrzehnte voraus, weil es als Devisenbringer der früheren DDR im Ausland sehr präsent ist.“ Während die Sachsen ihr weißes Gold jährlich mit Millionenbeträgen subventionieren, gelingt es Woltmann, mit diesem ganzheitlichen Konzept die KPM Berlin durch alle Krisen zu manövrieren. Seine aktuelle Herausforderung ist die Planung und Umsetzung seines komplexen Lebenswerks.


„Die Politik muss intelligent mit der Erbschaftsteuer umgehen“

Interview Jörg Woltmann, Inhaber, KPM Berlin

Unternehmeredition: Herr Woltmann, sie sind aktuell dabei, Ihre Nachfolge bei der KPM zu regeln. Wer soll Ihnen nachfolgen?

Inhaber Jörg Woltmann; Foto: © KPM Berlin

Jörg Woltmann: Dafür gibt es drei Szenarien. Favorisierend würde ich mir wünschen, dass meine Tochter, die bereits seit Jahren in der Marketingabteilung der KPM arbeitet, die Manufaktur übernimmt, sodass das Unternehmen im Familienbesitz bleibt. Daneben gibt es aber noch zwei weitere Optionen. Die eine könnte sein, dass ein Konsortium von Berliner Unternehmern KPM übernimmt. Die dritte Möglichkeit wäre, dass die KPM in die bereits bestehende Stiftung integriert wird.

Weshalb diese verschiedenen Szenarien?

Vor allem ist im Moment nicht abzusehen, wohin sich die Rahmenbedingungen für die Erbschaftssteuer entwickeln. Eine Erbschaftsteuer auf Privatvermögen halte ich für durchaus legitim, aber sobald Firmenvermögen in die Berechnung einfließt, dann wird es kritisch für alle Firmen, die in Deutschland einen Nachfolger suchen. Es kommt jetzt darauf an, wie intelligent die Politik mit diesem Thema umgeht.

Dennoch müssen Sie ja zeitnah eine Entscheidung treffen …

Das stimmt: Ich werde ja auch nicht jünger. Die Zukunftserklärung muss in den nächsten Jahren erfolgen. Allerdings bin ich ja schon mitten in diesem Prozess. Bereits im letzten Jahr habe ich alle meine Anteile an der Allgemeinen Beamten Bank an die Berliner Volksbank verkauft, sodass hier schon mal alles geregelt ist.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

👉 Diese Fallstudie erscheint auch in der nächsten Magazinausgabe der Unternehmeredition 1-2026.


KURZPROFIL

Königliche Porzellanmanufaktur (KPM) Berlin

Branche: Porzellan- und Luxusgüterindustrie

Gründungsjahr: 1763

Firmensitz: Berlin

Mitarbeiter: 240

Umsatz 2024: 12 Mio. EUR

www.kpm-berlin.de

Autorenprofil
Torsten Holler

Der Wirtschaftsjournalist Torsten Holler schreibt seit 1987 regelmäßig für renommierte Wirtschaftsmedien über verschiedenste Themen.

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