Der Biertraditionalist

Prinz Luitpold von Bayern übernahm in jungen Jahren die kriselnde Schloßbrauerei in Kaltenberg – und setzte auf eine Sorte, die längst vergessen schien. Heute experimentiert er mit Lebensmitteln. Nur das Reinheitsgebot bleibt für ihn unantastbar.

Heute werden die Biere der König Ludwig Schloßbrauerei Kaltenberg an vier bayerischen Standorten gebraut. Das Dunkle und das Weißbier mit dem adeligen Attribut „von königlicher Hoheit“ stehen längst auch auf den Getränkekarten von Berliner Szene-Bars.

Prinz Luitpold von Bayern und das Oktoberfest

Nur an dem Ort, an dem man das Bier vielleicht am ehesten erwarten könnte, wird es nicht ausgeschenkt: auf dem Oktoberfest Es ist einer der kulturellen Widersprüche der Wiesn, schließlich waren auch hier die Wittelsbacher die Initiatoren. Das erste Oktoberfest diente als Rahmen für die Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese im Jahr 1810. Weil gute Stimmung auf der Wiesn herrschte, entschieden sich die damals herrschenden Wittelsbacher, das Fest in den Folgejahren fortzuschreiben.

Heute dürfen laut der Stadtverwaltung nur Brauereien ihr Bier auf der Wiesn verkaufen, die auch in München produzieren. Da die König Ludwig Brauerei im Umland sitzt, wird sie von den Festivitäten ausgeschlossen. Prinz Luitpold bemühte sich lange vergeblich um eine Lizenz.

Inzwischen hat er aufgegeben – und verbirgt nicht seinen Groll gegen die Stadt München: „Meiner Ansicht nach ist das kartellrechtlich hoch bedenklich, was die Stadt in ihren Betriebsvorschriften für die Wiesn festgelegt hat“, sagt Prinz Luitpold. Denn wegen zahlreicher Übernahmen und Fusionen schenken mit der niederländischen Brauerei Heineken und dem weltweit größten Brauerei-Konzern „Anheuser-Busch InBev“ heute auch zwei internationale Großbetriebe ihr Bier auf dem Oktoberfest aus. Juristisch ist der Fall erledigt, das Landgericht München hat schon in den 90er-Jahren im Sinne der Stadtverwaltung entschieden.

Bayerische Tradition: Die Marke mit den zwei Löwen setzt auf das Reinheitsgebot.
Bayerische Tradition: Die Marke mit den zwei Löwen setzt auf das Reinheitsgebot.

50 Prozent gehören Warsteiner

Die Schloßbrauerei Kaltenberg sitzt bis heute, wie der Name sagt, im Schloss Kaltenberg westlich von München. Mit seinen verzierten Giebeln, Türmchen und Erkern und den umgebenden Fachwerkhäusern dient es als historische Kulisse für das Kaltenberger Ritterturnier, das Prinz Luitpold hier seit 1979 jedes Jahr im Juli veranstaltet. Die herrschaftlich-adlige Atmosphäre passt zu einem Unternehmen, das stolz auf seine Herkunft ist und das königlich-bayerische Wappen auf dem Etikett trägt.

So ganz in bayerischer Hand ist die Marke König Ludwig allerdings nicht mehr. Bereits im Jahr 2001 ging Prinz Luitpold eine Partnerschaft mit dem Familienunternehmen Warsteiner aus Westfalen ein.

Fernsehbiere erhöhten Konkurrenzdruck

Damals, um die Jahrtausendwende, konzentrierte sich der Biermarkt zunehmend. Die ersten Großkonzerne aus dem Ausland stiegen bei deutschen Brauereien ein, gleichzeitig setzten viele aus der Fernsehwerbung bekannten Anbieter nicht mehr nur auf Pils, sondern legten sich ein Vollsortiment zu. Auf diese Weise wollten sie ihre Vertragsgaststätten komplett an sich binden. Da wäre es „für uns eng mit Distributionskanälen geworden“, weiß Prinz Luitpold. Also kooperierte man mit Warsteiner und baute zusammen ein Markenportfolio auf, mit dem die Zehntausenden an Warsteiner gebundenen Gaststätten bedient wurden. „Mit so einem Partner kann man eigentlich nichts falsch machen“, begründet Prinz Luitpold den Schritt.

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