Überraschung bei der DBAG

Firmensitz der DBAG in Frankfurt am Main
Bild: DBAG

Überraschende Nachricht heute von der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG): Finanzvorständin Susanne Zeidler verlässt das Unternehmen − und zwar sehr kurzfristig bereits zum Ende des Monats. Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang – zumal Frau Zeidler noch einen Vertrag bis Ende 2025 hatte. Die heutige Pressemitteilung der DBAG verrät keine weiteren Details über die Hintergründe, es gibt nur die Standardformulierung „Im Zuge von Gesprächen über die langfristige strategische Ausrichtung des Geschäftsmodells der DBAG sind der Aufsichtsrat und Frau Zeidler übereingekommen, dass Frau Zeidler […..] ihre Tätigkeit für die Gesellschaft beendet.“ Dieser Satz und die Kurzfristigkeit der Entscheidung lassen den Schluss zu, dass es in der Führungsetage ordentlich gekracht hat.

Geschäftsjahr mit Rekordzahlen

Susanne Zeidler, DABG
Susanne Zeidler, Foto:DBAG

Susanne Zeidler – Jahrgang 1961 – war seit Ende 2012 im Vorstand der DBAG. Noch vor wenigen Wochen präsentierte Sie einen Ausnahme-Abschluss mit Rekordzahlen. Die börsennotierte Private-Equity-Gesellschaft steigerte im vergangenen Geschäftsjahr den Nettovermögenswert ihrer Investments um satte 40% und kündigte an, die Dividende gegenüber dem Vorjahr zu verdoppeln. Also eigentlich sollte es keinen Grund für größere Personalrochaden geben.

Die DBAG hatte aber auch bei der Bekanntgabe des Jahresabschlusses auf unerledigte Baustellen: Die früheren Investments im klassischen Industriesektor werfen aktuell nicht mehr große Gewinne ab – teilweise pandemiebedingt. Im vergangenen Geschäftsjahr sank der Wert des Portfolios in diesem Sektor sogar. Dieses „Problem“ hat das Management schon vor Jahren erkannt und mit Investments in anderen Sektoren gegengesteuert – wie zuletzt beispielweise auch mit der Übernahme des Tech-Service-Unternehmens in-tech GmbH oder der Software-Firma freiheit.com.

Generationswechsel eingeleitet

Torsten Grede, DBAG
Torsten Grede, Foto: DBAG

In knapp drei Wochen wird das Unternehmen seine Zahlen des ersten Quartals präsentieren. Das wird voraussichtlich der Vorstandsvorsitzende Torsten Grede erledigen, der vorübergehend die Verantwortung für den Finanzbereich übernimmt. Laut Pressemitteilung will der Aufsichtsrat der DBAG „die Neubesetzung der Position des Finanzvorstands […..] nach sorgfältiger Abwägung vornehmen“. Der Vertrag von Vorstandssprecher Grede läuft bis Ende 2023 und er hat in der jüngsten Hauptversammlung selbst einen „Generationenwechsel in der Führung“ der DBAG angekündigt. Zum Beginn 2021 sind mit Tom Alzin und Jannick Hunecke zwei Eigengewächse in den Vorstand aufgerückt.

Aktie gibt leicht nach

Der Kurs der DBAG-Aktie an der Frankfurter Börse (WKN: A1TNUT/ ISIN: DE000A1TNUT7) bewegte sich nach der Bekanntgabe der Personalnachricht leicht nach unten und lag bei einem Wert um 37,75 EUR. Die Marktkapitalisierung beträgt 708,95 Mio. EUR. Die DBAG initiiert geschlossene Private-Equity-Fonds und investiert – überwiegend an der Seite der DBAG-Fonds – in mittelständische Unternehmen. Ein Schwerpunkt ist seit vielen Jahren die Industrie. Ein zunehmender Anteil der Eigenkapitalbeteiligungen entfällt auf Unternehmen in den Wachstumssektoren Breitband-Telekommunikation, IT-Services/Software und Healthcare. Das vom Konzern verwaltete oder beratene Vermögen beträgt 2,5 Mrd. EUR.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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