Das Forschungsinstitut KfW Research hat gemeinsam mit dem ifo Institut eine Untersuchung zum Geschäftsklima im deutschen Mittelstand durchgeführt. Nach Angaben von KfW Research stagnierte die wirtschaftliche Stimmung der kleinen und mittleren Betriebe im Juni weiter. Der entsprechende Klima-Indikator sank marginal um 0,2 Zähler auf einen Stand von -21,7 Saldenpunkten. Die Lagebeurteilung stieg minimal um 0,2 Zähler auf -18,5 Punkte an. Dieser Wert befindet sich damit weiterhin auf einem historisch sehr niedrigen Niveau. Niedrigere Werte wurden bisher nur in tiefen Rezessionen oder der Standortkrise gemessen. Laut der Studie sanken die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate um 0,5 Zähler. Sie liegen nun bei einem wert von -24,8 Punkten.
Großunternehmen ziehen vorbei
Laut dem ifo Institut verbesserte sich das Geschäftsklima bei den Großunternehmen dagegen deutlich. Der Indikator stieg um 2,8 Zähler auf einen Wert von -17,6 Saldenpunkte. Damit liegt er erstmals seit dem Jahr 2021 über dem mittelständischen Niveau. Sowohl die Lagebeurteilungen als auch die Erwartungen legten bei den Großunternehmen spürbar zu. Die Lage kletterte um 2,8 Zähler, die Erwartungen stiegen um 2,9 Zähler. Großunternehmen vollziehen solche konjunkturellen Umschwünge erfahrungsgemäß etwas schneller und deutlicher als kleinere Firmen.
Für den minimalen Rückgang des mittelständischen Klimas waren primär die Industrie und der Bau verantwortlich. Im Verarbeitenden Gewerbe sank der Teilindikator um 0,9 Zähler auf -26,4 Punkte. Nach Angaben der Experten verschlechterte sich dort die aktuelle Lagebeurteilung im Monatsvergleich. Die Exporterwartungen und die allgemeinen Geschäftserwartungen zeigten in der Industrie hingegen leichte Verbesserungen. Im Bauhauptgewerbe ging der Klima-Indikator um 0,3 Zähler auf -16,6 Punkte zurück. Laut der Erhebung verzeichnete die Bauwirtschaft ausschließlich bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage Rückgänge.
Hoffnungsschimmer im Dienstleistungssektor
Eine positive Entwicklung meldeten dagegen die Dienstleister und der deutsche Einzelhandel. Im mittelständischen Dienstleistungssektor kletterte das Geschäftsklima zum zweiten Mal in Folge um 0,9 Zähler. Der Index erreichte damit einen Stand von -18,8 Punkten im Juni. Das ifo Institut berichtet von einer deutlichen Stimmungsaufhellung im Bereich Transport und Logistik. Der Einzelhandel verzeichnete ebenfalls eine Verbesserung um 1,3 Zähler auf -29,0 Punkte. Im Großhandel veränderten sich die Werte mit einem Plus von 0,4 Zählern kaum. Die politische Entspannung im Nahen Osten spiegelte sich in der Umfrage nur teilweise wider. Bis zur Ankündigung des Interims-Friedensvertrags am 14. Juni waren bereits 70% der Antworten eingegangen. Der Ausbruch des Iran-Kriegs im Februar hatte den vorherigen Stimmungsaufschwung komplett beendet. Nach Angaben von KfW Research sanken die Absatzpreiserwartungen der Unternehmen nun zum zweiten Mal. Die Preiserwartungen der kleinen und mittleren Betriebe gaben um 6,5 Zähler nach. Sie notieren aktuell bei einem Wert von 9,5 Punkten. Bei den Großunternehmen sanken die Absatzpreiserwartungen um 1,5 Zähler auf 16,0 Punkte. Ein niedrigerer Ölpreis entlastet die Unternehmen in Deutschland derzeit spürbar. Der Preis je Barrel lag in den vergangenen Tagen bei 70 bis 80 USD.
Ausblick auf die Gesamtkonjunktur
Die Konjunkturumfragen liefern insgesamt ein sehr durchmischtes Bild für die deutsche Wirtschaft. Ein sinkender Einkaufsmanagerindex deutet auf einen beschleunigten Rückgang der privaten Wirtschaftsaktivitäten hin. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt dürfte im zweiten Quartal nach aktuellem Datenstand leicht negativ ausfallen. Für das gesamte Jahr 2026 prognostiziert die Bank ein Wirtschaftswachstum von derzeit +0,7%. Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran bergen jedoch leichte Aufwärtsrisiken. Ein zunehmendes Reform-Momentum könnte dem Mittelstand in den kommenden Monaten zusätzliche Zuversicht geben. Die Beschäftigungserwartungen im Mittelstand gingen um 1,8 Zähler auf -11,6 Punkte zurück. Bei den Großunternehmen sank dieser Indikator geringfügig um 0,9 Zähler auf -14,6 Punkte. Die Exporterwartungen der mittelständischen Industrie stiegen um 2,0 Zähler. Diese kletterten somit auf einen Wert von genau -11,3 Punkten. Bei den Großunternehmen betrug das Plus laut dem Bericht 1,5 Zähler. Dies teilten die Institute mit.
Abwärtstrend in der Privatwirtschaft
Das Marktforschungsunternehmen S&P Global hat eine Untersuchung zum Thema Einkaufsmanagerindex in der Bundesrepublik durchgeführt. Nach Angaben von S&P Global ist die wirtschaftliche Aktivität der deutschen Privatwirtschaft im Juni den dritten Monat in Folge geschrumpft. Der Rückgang beschleunigte sich dabei leicht und markierte den stärksten Einbruch seit eineinhalb Jahren. Der entsprechende S&P Flash Deutschland Composite PMI rutschte von 48,8 Punkten im Vormonat auf einen Wert von 48,0 Zählern ab. Laut der Studie stieg damit die Wahrscheinlichkeit, dass die gesamte deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 wieder in eine Rezession gerutscht ist.
Laut dem Bericht konzentrierte sich die wirtschaftliche Kontraktion erneut massiv auf den heimischen Servicesektor. Der Index für die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungsbereich sank spürbar von 48,1 Punkten im Mai auf 46,8 Zähler im Juni. Das stellt den tiefsten Stand seit über dreieinhalb Jahren dar. Zudem mussten die Dienstleister den stärksten Rückgang bei den Auftragseingängen seit knapp zweieinhalb Jahren hinnehmen. Als Gründe für dieses Minus nannten die Befragten vor allem die allgemeine Konjunkturschwäche und eine ausgeprägte Verunsicherung unter den Verbrauchern.
Lichtblick im Verarbeitenden Gewerbe
Nach Angaben des Ökonomen Phil Smith von S&P Global Market Intelligence zeigte sich die Industrieproduktion im Juni hingegen etwas stabiler und wurde im Vergleich zum Mai ausgeweitet. Der entsprechende Produktionsindex kletterte auf ein Zwei-Monatshoch von 50,8 Punkten. Das Verarbeitende Gewerbe verbuchte laut der Erhebung sogar einen geringfügigen Zuwachs bei den Auftragseingängen sowie im Exportneugeschäft. Dennoch blieb der eigentliche Industrie PMI mit 50,0 Zählern unverändert auf einem Fünf-Monatstief.
Die gute Nachricht der jüngsten Datenerhebung ist laut S&P Global ein spürbares Nachlassen des allgemeinen Inflationsdrucks. Sowohl die Einkaufs- als auch die Verkaufspreise stiegen im Juni mit den niedrigsten Raten seit vier beziehungsweise drei Monaten. Die Einkaufspreise verlangsamten ihren Auftrieb im Verarbeitenden Gewerbe und im Servicesektor deutlich. Der Personalabbau setzte sich wegen der Unterauslastung der Kapazitäten dennoch unvermindert stark fort.







