Wichtig für Innovationsprozesse: akademische und berufliche Qualifikation

Die unterschätzte Rolle beruflicher Qualifikationen

Eine neue Studie zeigt auf, dass Innovationen besonders dort entstehen, wo akademische und berufliche Qualifikationen in Unternehmen zusammenwirken.
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Innovationen gelten als zentraler Treiber wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit. Eine neue Studie von Dr. Jörg Thomä von der ifh Göttingen, zeigt auf, dass Innovationen besonders dort entstehen, wo akademische und berufliche Qualifikationen in Unternehmen zusammenwirken. Es wurde untersucht, welchen Beitrag beruflich qualifizierte Beschäftigte – etwa dual ausgebildete Fachkräfte, Meister oder Techniker – im Vergleich zu akademisch Qualifizierten zu Innovationsprozessen im Verarbeitenden Gewerbe leisten und welche Rolle dabei die Unternehmensgröße spielt.  Der Beitrag wurde in einem Policy Brief, der vom Forschungsnetzwerks Entrepreneurship, Innovation und Mittelstand e.V. und IfM Bonn herausgegeben werden, veröffentlicht.

Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis

Während Akademiker primär die forschungsintensive Phase der Ideenfindung dominierten, seien dual ausgebildete Fachkräfte vor allem in der Umsetzungsphase aktiv. Meister und Techniker fungierten dabei als entscheidende Schnittstelle: Sie seien ähnlich stark an der Konzepterstellung beteiligt wie Akademiker und sicherten den Transfer in die betriebliche Praxis. Laut der Studie wirke gerade die Interaktion verschiedener Wissensarten – analytisches Wissen gepaart mit erfahrungsbasiertem, synthetischen Wissen – innovationsförderlich.

Wer vom dualen System profitiert

Die Verteilung von Innovationsaufgaben hänge dabei stark von der Unternehmensgröße ab. In Großunternehmen sei die innovationsbezogene Arbeitsteilung zwischen akademisch und beruflich Qualifizierten am stärksten ausgeprägt.  In kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hingegen greife das Innovationspotenzial beruflich Qualifizierter Fachkräfte besonders stark, da Beschäftigte dort oft mehrere Innovationsaufgaben gleichzeitig übernähmen.

In kleineren Betrieben hänge die Innovationskraft weniger von formalisierter F&E ab als vielmehr von praxisnahen Lernprozessen und kontinuierlichen Verbesserungen. Hier leisteten Fachkräfte durch ihr Wissen über Produktionsabläufe und Kundenanforderungen wertvolle Beiträge, um innovative Problemlösungen direkt am Arbeitsplatz zu entwickeln.

Berufliche Bildung als Teil der Innovationspolitik

Die Ergebnisse zeigen auf, dass die Förderung der beruflichen Bildung somit nicht nur arbeitsmarktpolitisch, sondern auch als integraler Bestandteil einer modernen Innovationspolitik zu verstehen sei. Um das Potenzial einer vielfältig qualifizierten Belegschaft voll auszuschöpfen, müssten Unternehmen Arbeitsstrukturen schaffen, die das interaktive Lernen zwischen den Gruppen ermöglichten.

In der Praxis bedeute dies, Abschlüsse wie Meister oder Techniker als Brücken zwischen beruflichen und akademischen Qualifikationsgruppen zu stärken und den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und mittelständischen Betrieben zu intensivieren. Das Fazit der Untersuchung: Berufliche und akademische Bildung seien als komplementäre Säulen eines leistungsfähigen Innovationssystems zu begreifen, die gezielt miteinander verknüpft werden müssten.

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Moritz Voss
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