In deutschen Familienunternehmen herrscht weitgehend Konsens über die Notwendigkeit der ökologischen Transformation. Die zentrale Herausforderung für den Mittelstand bleibt jedoch die Frage, wie der klimafreundliche Umbau gelingen kann, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn warnt in einer aktuellen Studie vor einer Überregulierung und fordert eine ganzheitliche Klimapolitik.
Bürokratie als Innovationsbremse
Laut Projektleiter Hans-Jürgen Wolter setze der Mittelstand die Transformation umso erfolgreicher um, je besser die Politik diese durchdenke. Aktuell behindere ein „Sammelsurium“ aus nicht abgestimmten Maßnahmen – von CO2-Zertifikaten bis hin zu komplexen Berichtspflichten – die Betriebe. Die Studie „Ordnungspolitische Rahmenbedingungen für eine zukunftsorientierte Mittelstandspolitik“ verdeutlicht, dass starre Ge- und Verbote sowie umfassende Informationspflichten zu massiven bürokratischen Belastungen führen. Diese verhinderten oft kreative, unternehmensindividuelle Lösungen, die eigentlich eine Stärke des Mittelstands seien.
Gefahr der De-Industrialisierung
Wolter appelliert an die Politik, Planungssicherheit zu schaffen und auf die Verhältnismäßigkeit der Vorgaben zu achten. Eine Klimapolitik, die Wohlstands- und Arbeitsplatzverluste oder die Verlagerung von Produktion in Staaten mit geringeren Standards riskiere, verliere an Akzeptanz. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Güter nach einer De-Industrialisierung in Deutschland unter schlechteren Bedingungen im Ausland produziert und anschließend reimportiert würden.
Wissenschaftler empfehlen konkrete Entlastungen
Um Wettbewerbsnachteile durch das EU-Emissionshandelssystem abzufedern, schlägt das IfM konkrete Entlastungen vor. So sollten die Erlöse aus der CO2-Bepreisung pauschal an die teilnehmenden Unternehmen zurückfließen oder CO2-Zertifikate alternativ kostenfrei zugeteilt werden, um die Liquidität der Betriebe zu schonen. Zudem befürworten die Forscher eine zeitliche Streckung der Umsetzungsfristen für die Transformation. Dies solle den Unternehmen ermöglichen, notwendige Investitionen sowie den Umbau ihrer über Jahrzehnte entwickelten Geschäftsmodelle ohne existenzbedrohende Risiken zu bewältigen. Den geplanten EU-Grenzausgleichsmechanismus kritisieren die Wissenschaftler als zu kompliziert und bürokratisch für mittelständische Strukturen.





