HAIR HAUS gelingt strategische Transformation und Neustart

Insolvenz, Wirtschaftskrise
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Die HAIR HAUS GmbH, bekannt als Deutschlands führender Großhändler für professionellen Friseurbedarf mit Sitz im nordrhein-westfälischen Viersen, hat einen entscheidenden Meilenstein in ihrer Unternehmensgeschichte erreicht. Unter der Aufsicht des erfahrenen Sanierungsexperten und White & Case Partners Dr. Biner Bähr, der als Sachwalter fungierte, ist es dem Unternehmen gelungen, den eigenen Geschäftsbetrieb im Zuge einer umfassenden Transformation des Geschäftsmodells tiefgreifend und nachhaltig zu sanieren. In einem Erörterungs- und Abstimmungstermin haben die beteiligten Gläubiger den von der HAIR HAUS vorgelegten Insolvenzplan einstimmig angenommen. Das zuständige Amtsgericht Mönchengladbach – als Insolvenzgericht – hat den Insolvenzplan daraufhin umgehend bestätigt. Mit einer offiziellen Aufhebung des im Herbst 2025 eingeleiteten Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung wird nun für Ende Oktober 2026 gerechnet.

Breites Angebotsportfolio

Ein Blick auf die Historie des Unternehmens zeigt die bisherige Ausrichtung und die Notwendigkeit der Veränderung. Die im Jahr 2005 gegründete HAIR HAUS agierte in der Vergangenheit primär als klassischer, deutschlandweiter Großhändler für den professionellen Friseurbedarf. Das breit gefächerte Portfolio umfasste dabei nicht nur bekannte Markenprodukte, sondern die HAIR HAUS vertrieb auch erfolgreich ihre in Italien produzierten Eigen- und Exklusivmarken. Zu den wesentlichen Vertriebskanälen zählten neben dem herkömmlichen Direktvertrieb über Außendienstmitarbeiter vor allem der Online-Handel über Plattformen wie „hairhaus.de“ und „frisoerzubehoer24.de“ sowie der direkte Verkauf an Endkunden und Profis in 20 eigenen Filialgeschäften. Darüber hinaus profilierte sich das Unternehmen, indem es Fachschulungen und spezialisierte Beratungsdienstleistungen für Friseure und Stylisten anbot.
Das im Zuge des Insolvenzverfahrens erarbeitete Restrukturierungskonzept markiert nun einen strategischen Wendepunkt. Es sieht vor, dass sich das Unternehmen in Zukunft weitaus stärker auf den Ausbau und die Weiterentwicklung seiner Eigen- und Exklusivmarken konzentriert. Das erklärte Ziel dieser Neuausrichtung ist die Etablierung eines sogenannten integrierten „360°-Cockpits“. Über diese Plattform sollen den Kunden künftig umfassende Vertriebs-, Marketing- und Servicedienstleistungen aus einer Hand erbracht werden. Die Einnahmequellen des Unternehmens sollen dabei künftig im Wesentlichen aus umsatzabhängigen Plattform- und Servicegebühren bestehen, wodurch ein hochgradig skalierbares Geschäftsmodell geschaffen wird.

Zahlreiche beteiligte Kanzleien

Gleichzeitig werden die essenziellen Bereiche Vertrieb, Kundenbetreuung und die allgemeine Warenversorgung durch eine neu geschlossene Vertriebspartnerschaft mit dem Unternehmen Gieseke cosmetic aus Wedemark/Hannover erheblich erweitert und gestärkt. Die Kunden der HAIR HAUS profitieren durch diese weitreichende Kooperation von einem leistungsfähigeren Vertriebsnetz, einer signifikant verbesserten Warenverfügbarkeit sowie einer weiterhin verlässlichen und persönlichen Beratung. Bei der Zusammenführung der komplexen Vertriebsstrukturen von HAIR HAUS und Gieseke cosmetic wurde die HAIR HAUS von der Kanzlei Heuking unter der Leitung der Partner Dr. Marc Scheunemann, Dr. Ulrich Jork und Tim Petermann juristisch beraten.

Rechtsanwalt Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze & Braun, der das Verfahren als Generalbevollmächtigter zusammen mit Michael Böhner begleitete, wertet das Abstimmungsergebnis positiv: „Die einstimmige Zustimmung aller Gläubigergruppen ist ein starkes Signal, dass die Gläubiger den eingeschlagenen Kurs und die Zukunftsstrategie des Unternehmens vollumfänglich mittragen“. Er betont zudem, dass es gemeinsam mit Geschäftsführer Paul Billen gelungen sei, ein Konzept zu entwickeln, welches die Stärken des Unternehmens in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig proaktiv auf die veränderten Rahmenbedingungen im umkämpften Friseurmarkt reagiert.

Zum erfolgreichen Schultze & Braun-Team gehörten auch Alexander von Saenger, Stefanie Beck und Seraphim Ung Kim für das Arbeitsrecht. Auch Dr. Biner Bähr, einer der erfahrensten Restrukturierungsanwälte in Deutschland, der zuletzt unter anderem Ahlers, The Body Shop, deinSchrank.de, Aquis Care und die Deutsche Steinzeug retten konnte, äußerte sich sehr zufrieden. Er erklärte, dass es derzeit deutlich schwerer sei, ein Unternehmen zu sanieren, als früher, da es oft einer grundlegenden Neuausrichtung bedürfe, wie ein Unternehmen Leistungen anbietet, Werte schöpft und Gewinne erzielt. Dies sei mit Mut und großem Engagement erfolgreich geschafft worden, wofür er insbesondere den Mitarbeitern der HAIR HAUS für ihren unermüdlichen Einsatz über viele Monate hinweg dankte. Zum unterstützenden White & Case Team bei dieser herausfordernden Sanierung gehörten neben ihm auch die Associate Dr. Svea Stratmann sowie Mirko Gerth und Paul Mallach.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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