Fondsbranche wächst und Bauzinsen ziehen an

Rette sich wer kann: In Zeiten von Nullzinsen braucht es besondere Anlagestrategien (© fotolia/fotomek)
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Das von deutschen Fondsgesellschaften verwaltete Vermögen ist zur Jahresmitte auf knapp 5.200 Milliarden Euro gestiegen. Laut dem Branchenverband BVI entspricht das einem Anstieg um 348 Milliarden Euro oder 7 % seit Jahresanfang. Zu diesem Wachstum trugen Netto-Zuflüsse in Publikumsfonds und Spezialfonds von rund 80 Milliarden Euro bei. Von dem Gesamtkapital entfallen 2.409 Milliarden Euro auf offene Spezialfonds. Altersvorsorgeeinrichtungen halten hierbei 851 Milliarden Euro. Versicherer stellen mit 560 Milliarden Euro die zweite große Anlegergruppe dar. Spezialfonds sind seit Ende der 1990er Jahre die volumengrößte Fondsgruppe in Deutschland. Das Kapital in Publikumsfonds stieg um 695 Milliarden Euro oder 51 % auf 2.049 Milliarden Euro.

Vor fünf Jahren betrug der Abstand zwischen Spezialfonds und Publikumsfonds noch über 700 Milliarden Euro. Inzwischen ist diese Differenz auf nur noch 360 Milliarden Euro geschrumpft. Im ersten Halbjahr flossen Publikumsfonds netto 51,8 Milliarden Euro zu. Aktienfonds führen die Absatzliste mit 38,3 Milliarden Euro an. Davon entfallen 33,9 Milliarden Euro auf Aktien-ETFs. Rentenfonds verzeichneten Zuflüsse von 10,6 Milliarden Euro. Dabei dominierten Anleihen mit bis zu drei Jahren Laufzeit mit 5,1 Milliarden Euro. Fonds für Unternehmensanleihen erreichten Zuflüsse von 3,5 Milliarden Euro. Mischfonds verzeichneten Zugänge von 3,6 Milliarden Euro. Aus Immobilienfonds flossen hingegen netto 3,3 Milliarden Euro ab. Käufer seit Juli 2013 müssen dabei eine 12-monatige Kündigungsfrist einhalten. Das starke Neugeschäft verdeutlicht die weiterhin dominierende Position institutioneller Anleger.

Hohe Nachfrage nach Passiven Indexfonds

Nach Angaben der Verbandsstatistiker liegen Aktienfonds mit einem Vermögen von 1.092 Milliarden Euro an der Spitze. Auf Aktien-ETFs entfallen dabei 496 Milliarden Euro. Ihr Anteil am Vermögen der Aktienfonds beträgt somit 45 %. Über alle Anlageklassen hinweg weisen die Statistiken für ETFs ein Vermögen von 585 Milliarden Euro aus. Diese Zahl basiert auf einer Zusammenarbeit des Verbands mit dem Zentralverwahrer Clearstream. Hinzu kommen Bestände bei weiteren Zentralverwahrern wie Euroclear. Deutschland gilt mit geschätzt über 800 Milliarden Euro als größter ETF-Markt in ganz Europa. Der Trend zu Indexfonds setzt sich bei Privatanlegern und Profis weiter fort.

Europäische Zentralbank legt Zinspause ein

Parallel zu den Entwicklungen am Fondsmarkt hat die Europäische Zentralbank ihren Hauptrefinanzierungssatz bei 2,4 % belassen. Die Entscheidung fiel im Juli einstimmig unter EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Einzelne Ratsmitglieder hatten allerdings nach einer weiteren Erhöhung der Zinsen gefragt. Die Inflation im Euroraum zog im Juli jedoch vorläufig auf 2,9 % an. Im Juni lag die Teuerung noch bei 2,8 %. Auch die Kerninflation stieg von 2,4 % auf 2,5 %. Haupttreiber der Entwicklung waren steigende Energiepreise durch Konflikte im Nahen Osten. Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone lag im zweiten Quartal bei 1,0 %. Erwartet worden war lediglich ein Wachstum von 0,5 %. Starke Konjunkturdaten nehmen der Notenbank die Sorge vor einer Wachstumsbremse.

Nervöse Reaktionen an den Finanzmärkten

Marco Schöfl, Director Sales der Qualitypool GmbH, sieht verminderten Spielraum für weitere Zinspausen. Schöfl erklärt: „Sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation liegen wieder oberhalb der Werte vom Juni.“ Terminmärkte preisen für die Sitzung am 10. September eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte ein. In den USA belässt die Federal Reserve den Leitzinskorridor bei 3,50 bis 3,75 %. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh traf auf deutlichen Widerspruch im Ausschuss. Drei der zwölf Mitglieder forderten eine sofortige Anhebung der Zinsen. Das war der stärkste Widerspruch innerhalb des Gremiums seit zehn Jahren. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg daraufhin auf den höchsten Stand seit 2007. Der US-Dollar gab nach und die Aktienmärkte verloren spürbar an Wert. Schöfl erwartet vorerst mehr Volatilität am Anleihen- und Zinsmarkt. Märkte reagieren nervös auf die Strategie des Notenbankchefs.

Anstieg bei den Baufinanzierungszinsen

Die Baufinanzierungszinsen zeigen nach Veränderungen im Juli nun eine Seitwärtsbewegung auf leicht höherem Niveau. Die Bestzinsen für 10-jährige Zinsbindungen stiegen im Juli von rund 3,4 % auf etwa 3,7 %. Aktuell bewegen sich die Sätze für 10-jährige Bindungen zwischen 3,6 % und 3,8 %. Für 15-jährige Zinsbindungen liegen die Konditionen zwischen 3,8 % und 4,0 %. Schöfl sagt: „Die Bauzinsen haben im Juli einen kleinen Sprung gemacht.“ Er ergänzt: „Sollte die EZB im September tatsächlich nachlegen, könnte mit weiterem Aufwärtsdruck zu rechnen sein.“ Schöfl rät Kreditnehmern zu einer zeitnahen Sicherung aktuell verfügbarer Konditionen. Dafür bieten sich beispielsweise Forward-Darlehen für spätere Anschlussfinanzierungen an. Geopolitische Entwicklungen wie der Konflikt im Iran beeinflussen die Zinserwartungen dauerhaft. Kurzfristig bleibt die Tendenz leicht aufwärtsgerichtet bei erhöhter Schwankungsbreite.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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