Die Stimmung im deutschen Handwerk hat sich nach dem historischen Tiefstand des Vorjahres nur geringfügig stabilisiert. Laut der aktuellen Studie Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2025/26 der Creditreform Wirtschaftsforschung stieg der Geschäftslageindex lediglich von 45,8 auf 47,0 Punkte. Von einer flächendeckenden Erholung kann nach Einschätzung der Experten angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise keine Rede sein. Viele Betriebe kämpfen weiterhin mit einer schwachen Nachfrage und steigenden Betriebskosten. Rund 25,5 % der Unternehmen verzeichneten zuletzt Umsatzrückgänge, während nur 22,2 % ein Plus meldeten. Besonders die schwache Industriekonjunktur belaste laut Creditreform die handwerklichen Zulieferbetriebe massiv.
Heterogene Entwicklung in den Gewerken
Die wirtschaftliche Dynamik unterscheidet sich laut der Untersuchung stark zwischen den einzelnen Branchen des Handwerks. Während das Nahrungsmittelhandwerk und die Betriebe für den gewerblichen Bedarf mit rückläufiger Wertschöpfung kämpften, zeigten sich das Kfz-Gewerbe und das Dienstleistungshandwerk per Saldo noch positiv. Im Bauhauptgewerbe hielten sich Umsatzsteigerungen und Rückgänge in etwa die Waage. Das Ausbauhandwerk meldete hingegen sinkende Erlöse. Besorgniserregend ist laut der Studie die Entwicklung der Insolvenzen. Die Zahl der handwerklichen Insolvenzfälle stieg im Jahr 2025 um 13,3% auf insgesamt annähernd 5.000 Fälle an. Dies ist der höchste Stand seit über zehn Jahren. Steigende Kosten für Energie, Material und Löhne bringen viele Betriebe ohne ausreichende Reserven in eine existenzielle Schieflage.
Auswirkungen auf Personalbestand
Die schwierige wirtschaftliche Situation hinterlässt deutliche Spuren am Arbeitsmarkt. Erstmals seit drei Jahren überwiegt der Anteil der Betriebe, die Personal abbauen. Rund 22,1% der Handwerksunternehmen reduzierten ihren Bestand, während nur 20,6 % neue Mitarbeiter einstellten. Auch die Investitionsbereitschaft ist rückläufig. Aktuell planen nur noch 47,0 der Betriebe Investitionen, nachdem dieser Wert im Vorjahr noch bei 49,2 % gelegen hatte. Trotz dieser Zahlen blicken viele Unternehmer vorsichtig optimistisch auf das Jahr 2026. Etwa 27,0% der Betriebe erwarten für das laufende Jahr steigende Umsätze. Impulse erhofft sich die Branche vor allem durch staatliche Infrastrukturprogramme.
Ein positiver Aspekt der Untersuchung ist die gestiegene Eigenkapitalquote in vielen Betrieben. Mit 26,8 % meldete ein beachtlicher Teil der Unternehmen eine hohe Eigenkapitalbasis. Dies ist laut Creditreform der beste Wert seit dem Jahr 1998. Ein starkes Eigenkapital gilt im Handwerk als entscheidendes Sicherheitsnetz, um die Abhängigkeit von Banken zu reduzieren. Dennoch weist weiterhin jeder dritte Betrieb eine zu niedrige Quote von unter 10 % auf. Besonders gefährdet sind hier laut den Analysten das Baugewerbe und das Nahrungsmittelhandwerk.
Strukturwandel bei Unternehmensnachfolge
Ein zentrales Problem der Branche bleibt die Sicherung der Nachfolge. Die klassische Übergabe innerhalb der Familie verliert laut Creditreform zunehmend an Bedeutung. Nur noch für 50,5 % der Betriebe kommt eine familieninterne Lösung infrage, was einem Rückgang von fast fünf Prozentpunkten gegenüber 2018 entspricht. Stattdessen gewinnen Übergaben an Mitarbeiter oder Verkäufe an externe Dritte an Gewicht. Besonders kritisch bewerten die Forscher den Anstieg der geplanten Stilllegungen. Jeder sechste Betrieb erwägt mittlerweile die komplette Einstellung des Geschäftsbetriebs, da kein Nachfolger gefunden werden kann. Dies dokumentiert den tiefgreifenden Strukturwandel im deutschen Handwerk.









