Ob als Schauspielerin, Bestsellerautorin oder Tierschützerin: Andrea Sawatzki begeistert seit Jahrzehnten ein Millionenpublikum. Im Interview spricht sie über Familiengeschichten, prägende Erfahrungen und die Kunst, immer wieder neue Wege zu finden.
Unternehmeredition: Sie haben im Laufe Ihrer Karriere sehr unterschiedliche Rollen gespielt – vom „Tatort“ bis zur Komödie. Was interessiert Sie an einer Figur?
Andrea Sawatzki: Das hängt immer von der Gesamtkonstellation ab: von der Geschichte, der Regie und den Kollegen. Wenn das alles stimmt und die Geschichte für mich einen Sinn ergibt, kann ich mir fast jede Rolle spannend machen. Besonders interessieren mich Menschen, die gerade in einem Prozess stecken, die aus einer Situation herauswollen und versuchen, weiterzukommen. Solche Figuren haben für mich die größte Dynamik.
In der ARD-Komödienreihe „Für Zwei“ stehen Sie gemeinsam mit Ihrem Ehemann Christian Berkel vor der Kamera. Wie erleben Sie die Verbindung von Partnerschaft und professioneller Zusammenarbeit?
Das Spannende ist, dass man jemanden, den man zu kennen glaubt, plötzlich ganz neu erlebt. Beim Drehen begegnet man sich als Figuren. Eigentlich muss man vom Kennen ins Nicht-Kennen wechseln. Normalerweise lernt man beim Drehen Menschen kennen, hier ist es genau umgekehrt. Gerade das macht die Arbeit so aufregend. In „Für Zwei“ spielen wir außerdem in jeder Folge immer wieder völlig unterschiedliche Charaktere. Dadurch entstehen ständig neue Seiten.
Im neuen ZDF-Film „Plötzlich Schwester“ (ab 13. Juli im Streaming-Portal) steht ein lange gehütetes Familiengeheimnis im Mittelpunkt. Was hat Sie an diesem Stoff besonders angesprochen?
Mich haben vor allem die Geschichte und die Regie gereizt. Ich mag Komödien mit schwarzem Humor, Tempo und überraschenden Wendungen. „Plötzlich Schwester“ ist keine dieser vorhersehbaren Wohlfühlkomödien, sondern erzählt sehr pointiert und manchmal auch ziemlich böse von familiären Beziehungen, alten Verletzungen und den Geheimnissen, die Familien oft über Jahre mit sich herumtragen. Gerade dieser Mix aus Witz, Abgründigkeit und emotionaler Wahrheit hat mir gefallen. Solche Stoffe machen mir Spaß, weil sie das Publikum zum Lachen bringen, gleichzeitig aber auch etwas über menschliche Beziehungen erzählen.
Auch Ihr Roman „Biarritz“ kreist um Familie, Konflikte und unausgesprochene Wahrheiten. Warum beschäftigt Sie dieses Thema so sehr?
Familie ist für mich eines der spannendsten Themen überhaupt. Dort liegen Nähe und Konflikt manchmal sehr dicht beieinander. Mich reizt vor allem das Unausgesprochene. In Familien wird oft geschwiegen, obwohl alle spüren, dass etwas im Raum steht. Genau dort beginnen für mich die interessanten Geschichten. In meinen letzten Romanen geht es außerdem um Krankheit, Demenz und Pflege. Das sind Themen, über die in Deutschland meiner Meinung nach viel zu wenig öffentlich gesprochen wird, obwohl sie unglaublich viele Menschen betreffen.
Sie mussten bereits als Kind viel Verantwortung übernehmen und Ihren kranken Vater pflegen. Wie sehr haben diese Erfahrungen Sie geprägt?
Wenn man im Kindesalter auf sich allein gestellt ist und funktionieren muss, damit die Familie überhaupt über die Runden kommt, lernt man, mit Unsicherheiten umzugehen. So schmerzhaft das rückblickend manchmal ist, glaube ich schon, dass man dadurch leichter Alternativen findet, wenn das Leben schwierig wird. Gerade in meinem Beruf ist das hilfreich. Es gibt Phasen, in denen ständig das Telefon klingelt, und andere, in denen niemand anruft. Bei Frauen ist das 50. Lebensjahr oft so eine fiese Hürde , die es zu überwinden gilt. Da habe ich angefangen zu schreiben. So sind die Bundschuhs entstanden und dadurch , dass die Romane mit mir in der Hauptrolle verfilmt wurden , fand ich glücklicherweise zurück zum Film. Geholfen hat mir da, glaube ich , unter anderem meine Geschichte . Wenn man als Kind immer wieder schauen musste, dass es irgendwie weitergeht, dann sucht man auch später eher nach neuen Wegen, statt aufzugeben.
Welche Wechselwirkung erleben Sie zwischen Ihrer Tätigkeit als Schauspielerin und Autorin?
Für mich gehört das eng zusammen. Es geht beides Mal um Menschen, Sprache und Geschichten. Beim Schreiben habe ich die Figuren oft wie in einem Film vor Augen. Sie treiben mich dann durch die Geschichte. Schreiben ist für mich allerdings schwieriger als Schauspielern. Es ist einsam , manchmal sitzt man ewig da und wartet auf den einen Satz , der alles sagen soll und sich nicht formen lässt . Das ist dann hart. Beim Spielen ist man in einer Familie auf Zeit . Man lernt sich kennen und lieben, kann ausprobieren und reagieren. Das liegt mir eigentlich näher. Trotzdem ergänzen sich beide Bereiche sehr gut und eröffnen immer wieder neue Perspektiven auf Figuren und Geschichten.
Neben Ihrer künstlerischen Arbeit engagieren Sie sich für den Verein NaTiNo e.V. und retten Hunde aus Rumänien. Wie kam es dazu?
Tiere haben in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Als Kind hatte ich oft einen leichteren Zugang zu Tieren als zu Menschen. Vielleicht kommt daher diese besondere Verbindung. Mein Engagement ist heute vielleicht auch Ausdruck von Dankbarkeit, denn Tiere haben mir im Leben sehr viel gegeben. Deshalb möchte ich etwas zurückgeben. Gemeinsam mit NaTiNo setze ich mich für Kastrationsprojekte der Straßenhunden in Rumänien ein. Wir engagieren uns gegen das Abschlachten der Hunde in den Tötungen . Es kann nicht die Lösung sein, Tiere auf diese Weise von der Straße verschwinden zu lassen. Nachhaltig helfen nur Kastrationen, Aufklärung und ein respektvoller Umgang mit diesen Lebewesen. Wir haben selbst Hunde aus Rumänien aufgenommen, und jedes Mal ist es ein großes Geschenk zu erleben, wie viel Vertrauen und Lebensfreude diese Tiere trotz allem bewahren.
Worauf dürfen sich Ihre Fans in den kommenden Monaten freuen? Welche Projekte stehen als Nächstes an?
Im Moment drehe ich tatsächlich mehrere Reihen gleichzeitig, sodass mein Kalender ziemlich voll ist. Das ist eine schöne Situation, weil ich nach wie vor das Glück habe, spannende Rollen und Geschichten spielen zu dürfen. Pläne über das Jahr 2027 hinaus mache ich momentan kaum, weil die aktuellen Projekte meine volle Aufmerksamkeit brauchen . Ich lebe sozusagen voll und ganz im Hier und Jetzt .
Wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!
👉 Dieser Beitrag ist auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 2/2026 erschienen.
KURZPROFIL

Andrea Sawatzki
Geboren: 1963 in Kochel am See
Beruf: Schauspielerin, Autorin
Bekannt durch: „Tatort“ (Charlotte Sänger), „Familie Bundschuh“, zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen
Aktuelle Projekte: ARD-Komödienreihe „Für Zwei“, ZDF-Komödie „Plötzlich Schwester““ Die Verteidigerin“
Bücher: „Brunnenstraße“, „Biarritz“ sowie fünf weitere Romane der Bundschuh-Reihe
Engagement: Tierschutz, insbesondere für Hunde in Rumänien (NaTiNo e.V.), „ Ein Platz für Kinder“
Familie: Verheiratet mit Christian Berkel, zwei Söhne, drei Hunde







