Marke „Andechser Natur“ erhält Award beim Marken-Kolloquium

19. Internationales Marken-Kolloquium stand unter dem Motto "Marke – Haltung zeigen!"

v. li. n. re. : Prof. Dr. Guido Quelle; Barbara Scheitz; Linda Vollberg; Foto: © Mandat Managementberatung

Was wollen wir nicht machen? Wie gelingt es, das Team geschlossen und motiviert zu halten, wenn eine Krise auf die nächste folgt? Was bedeutet unternehmerische Verantwortung heute? Wie sehen Vorbilder im Mittelstand aus? In höchst unterschiedlich gestalteten Vorträgen und intensiven Diskussionsrunden beleuchteten Inhaber und Geschäftsführer sowie Vorstände mittelständischer Unternehmen an den zwei Tagen des von der Dortmunder Mandat Managementberatung ausgerichteten 19. Internationalen Marken-Kolloquiums vom 7. bis 9. September im Kloster Seeon aktuelle Mittelstandsthemen aus vielfältigen Blickwinkeln. Dabei gab das diesjährige Fokusthema „Marke – Haltung zeigen“, den rund 80 Teilnehmenden einen ersten Orientierungsimpuls.

Foto: © Mandat Managementberatung

„Beim Internationalen Marken-Kolloquium ist sehr deutlich geworden, dass der Mittelstand weder Veränderungen scheut noch die Augen vor Krisen und nötigem Neuaufbau verschließt. Haltung ist gerade in Krisenzeiten wichtig, nach innen wie nach außen. Haltung bedeutet strategisch, nicht alles für jeden zu tun, nur weil es opportun erscheint. Es bedeutet, eine klare Kontur zu zeigen und für die Kunden erkennbar zu bleiben. Genau darin liegt ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb“, so Prof. Dr. Guido Quelle, geschäftsführender Gesellschafter der Mandat Managementberatung GmbH.

„Wachstum kommt von innen“

Kein Unternehmen könne dem Wettbewerb die Schuld geben, Wachstum komme immer von innen. „Nur wer in Bewegung bleibt, kommt voran“, sagte Prof. Quelle in seiner Begrüßungsrede. Als Führungskraft sei es grundsätzlich wichtig, Mut und Haltung zu zeigen und zu dem zu stehen, was vereinbart worden sei, und nicht aus Unsicherheit einen Rückzieher zu machen. Es komme darauf an, das Heft des Handelns in der Hand zu behalten. Unternehmen müssten sich konsequent hinterfragen und sich die Fragen stellen, ob ihre Strategie noch aktuell und richtig sei und sicherstellen, dass die Mitarbeiter diese Strategie auch kennen.

Im Einzelnen beleuchteten fachkundige Referenten beim Marken-Kolloquium aus unterschiedlichen Perspektiven unternehmerische Fragestellungen, mit denen sich Entscheider in mittelständischen Unternehmen aktuell beschäftigen.

Foto: © Mandat Managementberatung

Annette Roeckl, Geschäftsführerin der Roeckl Handschuhe & Accessoires GmbH & Co. KG, gab sehr persönliche Einblicke zum Weg des Traditionsunternehmen aus München durch die Pandemie sowie zum Verständnis von Tradition als wegweisendes Element der Zukunftsstrategie. Das Familienunternehmen wurde vor über 180 Jahren gegründet und wird heute in sechster Generation geführt. Roeckl berichtete von der harten Zeit, die sie mit dem Unternehmen durchlebt hat. So stand das Unternehmen kurz vor der Insolvenz, welche jedoch durch ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung überwunden werden konnte. Sie selbst übernahm nach der Aufspaltung 2003 die Sparte „Handschuhe und Accessoires“, während ihr Bruder den Bereich „Sporthandschuhe“ übernahm. Die Jahre danach seien vom Wiederaufbau gekennzeichnet gewesen. Bei Roeckl sei jeder Unternehmer zu jeder Zeit gefordert gewesen, das Unternehmen durch Krisen und schwere Zeiten zu führen und Wandel hervorzubringen. Dazu gehöre auch, sich den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. „Heute sind wir auch stark im Onlineverkauf. Unsere DNA ist Veränderung“, schloss Roeckl ihren Vortrag.

Patrick Wiedemann, CEO der Reverse Logistics Group, zeigte auf, worauf es ankommt, um Produkt- und Materialkreisläufe zu schließen, die Kreislaufwirtschaft gemeinsam voranzutreiben und die Vorteile regenerativer Systeme beim Kampf gegen den Klimawandel nutzbar zu machen. Sein eigenes Unternehmen beschrieb er als „Orchestrierer“. „Wir suchen nach Logistikern mit dem richtigen Equipment“, so Wiedemann. Seit zwei Jahren ist das Unternehmen Teil der britischen Reconomy Group und erwirtschaftet in über 80 Ländern mit 24 regionalen Niederlassungen Umsätze von über 1 Mrd. EUR. „70% der Verpackungsabfälle werden gesammelt, 20% davon werden recycelt, der Rest gelangt in die Verbrennung“, schilderte Wiedemann die aktuelle Situation in Deutschland. Große Hoffnung setzt er künftig auf die Möglichkeiten von Big Data und erläuterte diese am Beispiel einer Batterie: „Wenn ich weiß, wie sie genutzt wird, kann ich sie effizienter machen. Je mehr dynamische Daten wir sammeln, umso effizienter lassen sich die Prozesse gestalten.“

Vom „Return on Invest“ zum „Return on Impact“

Yannick Frank, Founding Partner bei Partners in Clime, und Jens Schmelzle, Mit-Gründer und Geschäftsführer der fryd GmbH, beschäftigten sich mit nachhaltigen Investments, dem Zusammenhang von Purpose und Wirksamkeit für nachhaltigen Konsum und mit der Frage, was Start-ups von mittelständischen Unternehmen lernen können. „Wir sollten ein bisschen wegkommen vom ‚Return on Invest‘ hin zum ‚Return on Impact‘, forderte Frank. Schmelzle äußerte die Hoffnung, dass sich künftig mehr Menschen zum Eigenanbau von Gemüse bewegen lassen. „30% der globalen CO2-Emissionen entfallen auf die Ernährung, und das Ernährungssystem befindet sich in den Händen der Ökonomie anstelle von Ökologie“, so Schmelzle. Der App-Gründer sprach sich zudem für die Einführung der vieldiskutierten neuen Unternehmensrechtsform Verantwortungseigentum aus. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird derzeit noch verhandelt.

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Andreas Arntzen, Vorsitzender der Geschäftsführung Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG, beleuchtete das neue Miteinander in den Unternehmen und die veränderte Anforderungen im Employer Branding und gab in einem spannenden Dialog mit Unternehmer Carl-Frank Westermann Einblicke in seine Zeit als Gründer und erklärte den Zusammenhang zwischen Profi-Sport und der Arbeit im Management. „Es ist wichtig, dass man etwas verbessern will“, erläuterte Arntzen den Unternehmerspirit. „Der Fokus muss zu 100% auf den Menschen liegen.“ Der Leistungssport habe ihm auf jeden Fall geholfen. „Dabei lernt man, was Erfolg ist. Erfolg ist, was du aus deinem Potenzial herausholst.“

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Die KATAG AG wurde vor 80 Jahren gegründet und ist heute Europas führender Fashiondienstleister für den mittelständischen Textileinzelhandel: Dr. Daniel Terberger, Vorsitzender des Vorstandes der KATAG AG stand in einer offenen Fragerunde Rede und Antwort zu operativen Fragen und zum Thema „Haltung in der Krise“. Er betonte dabei die wichtige Rolle einer offenen Kommunikation in Richtung der Mitarbeiter und Partner. Das bedeute auch, nicht Hoffnung zu verbreiten, wenn man gerade selbst keine sehe. Der Mittelstand insgesamt habe sich dabei in allerbester Verfassung gezeigt und mehr „gewuppt“ als man ihm vielleicht zugetraut habe.

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Barbara Scheitz, geschäftsführende Gesellschafterin der Andechser Molkerei Scheitz GmbH, ließ die Teilnehmer hinter die Kulissen Europas größter, rein ökologisch wirtschaftender Biomolkerei blicken und beschrieb eindrucksvoll, wie sich mit Einsicht und
Respekt für ökologische Grenzen Ökologie und Ökonomie bestens miteinander vereinen lassen. „Nachhaltigkeit ist für uns nicht abstrakt, sondern zeigt sich in unserem Tun. Als Unternehmer tragen wir Verantwortung und müssen durch klare Statements und klare Positionen Haltung zeigen“, sagte Scheitz.

Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler Deutschland e.V., thematisierte in seinem Vortrag die übergeordneten Herausforderungen in der aktuellen Finanz- und Steuerpolitik und sprach dabei offen Fehlentwicklungen und Missstände, aber auch relativierende Elemente bei Pauschalkritik politischer Entscheidungen an.

Im Rahmen einer moderierten Scale-up-Session stellten zudem drei junge Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen ihren Blickwinkel auf unternehmerische Verantwortung vor:
• Lena Weirauch & Felix Kraft, Gründer & Geschäftsführer ai-omatic solutions
• Julian Hallet, Mitgründer und Geschäftsführer der Happy Ocean Foods GmbH
• Anne Baltes-Schlüter, Mit-Gründerin & Geschäftsführerin der The Plant Box GmbH.

Award 2022 ging an „Andechser Molkerei“

Den diesjährigen Award des Internationalen Marken-Kolloquiums verlieh die Jury, bestehend aus den Referenten des Vorjahres sowie langjährigen Medienpartnern, an Barbara Scheitz, die als geschäftsführende Gesellschafterin der Andechser Molkerei Scheitz und als Ökopionierin das Fokusthema „Haltung zeigen“ auf besondere Weise verkörpert. Seit fast 20 Jahren führt sie die Geschicke Europas größter rein ökologisch wirtschaftender Biomolkerei, die Vorreiterin für Bioprodukte und eine klimaneutrale Produktion ist. Der Juryvorsitzende Guido Quelle überreichte ihr den Award im Rahmen eines festlichen Dinners am 8. September in Anwesenheit weiterer Nominierter.

„Barbara Scheitz engagiert sich enorm und mit besonderer Glaubwürdigkeit für ihr Unternehmen. Sie stellt sich täglich erfolgreich der Herausforderung, Ökologie und Ökonomie miteinander zu verbinden – in einem äußerst schwierigen und hart umkämpften Markt. Dies war eines der Argumente für die Jury in diesem Jahr, diese bemerkenswerte Unternehmenspersönlichkeit zur Preisträgerin zu ernennen“, fasste Quelle die Jury-Begründung zusammen. Frühere Preisträgerinnen und Preisträger sind unter anderem Marketing-Koryphäe Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heribert Meffert, dm-Gründer Prof. Götz. W. Werner, Süßwarenproduzent Dr. Carl Manner, Victorinox-CEO Carl Elsener, Vaude-Geschäftsführerin Dr. Antje von Dewitz sowie Your Family Entertainment Vorstand Dr. Stefan Piëch.

Als führende Veranstaltung dieser Art im deutschsprachigen Raum steht das Internationale Marken-Kolloquium unter Leitung der Mandat Managementberatung GmbH aus Dortmund für Strategie, Marke und Wachstum. Stets ist es ein ausgewählte, limitierter Teilnehmerkreis aus maximal 80 Unternehmern, Geschäftsführung und Vorständen, überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, der im Kloster Seeon im Chiemgau zusammenkommt. Als Forum für Vordenker im Bereich Markenführung stehen die Kommunikation und das Lernen voneinander, der enge Kontakt zwischen Teilnehmenden und Referenten sowie der nachhaltige Ausbau eines starken Netzwerks im Mittelpunkt. Die Beiträge und Diskussionen vermitteln Impulse, Inspiration und neue Zündfunken für unternehmerisches Wachstum.

Lesen Sie hier unseren Bericht vom letzten Marken-Kolloquium.

Autorenprofil

Als Redaktionsleitung der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung im Wirtschaftsjournalismus und in der PR.

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