Die Entwicklung auf dem deutschen Private-Equity-Markt für etablierte Unternehmen zeichnet im Frühlingsquartal ein von ausgeprägter Unsicherheit geprägtes Bild. Nach einer phasenweisen Erholung in den vorangegangenen Zeiträumen hat sich laut dem aktuellen German Private Equity Barometer die allgemeine Investorenstimmung wieder spürbar eingetrübt. Das Geschäftsklima, das sich als Synthese aus der Beurteilung der aktuellen Lage und den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate zusammensetzt, hat einen deutlichen Rückschlag erlitten. Dabei zeigt sich, dass die Erwartungen an die künftige Entwicklung noch weitaus verhaltener und skeptischer ausfallen als die Bewertung der gegenwärtigen Situation. Das Marktumfeld verbleibt somit tief in einem abgekühlten Bereich, womit sich ein Trend fortsetzt, der das Beteiligungsgeschäft nun schon seit mehreren Jahren begleitet. Abgesehen von vereinzelten, vorübergehenden Ausschlägen gen Durchschnittslinie dominiert eine anhaltende Zurückhaltung. German Private Equity Barometer wird vierteljährlich von KfW Research in Kooperation mit dem Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) erstellt.
Geopolitische Belastungsfaktoren
Haupttreiber dieser trüben Grundstimmung sind vor allem makroökonomische und geopolitische Belastungsfaktoren. Die Turbulenzen und kriegerischen Ereignisse im Nahen Osten hielten die Energiepreise auf einem schwankungsanfälligen Niveau, was den gesamtwirtschaftlichen Druck verstärkte. Der daraus resultierende Inflationsdruck veranlasste die Europäische Zentralbank zu einer erneuten Anpassung der Leitzinsen, woraufhin die Erwartungen an weitere geldpolitische Straffungen stiegen. Diese Entwicklung schlägt sich unmittelbar auf die Wahrnehmung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nieder. Das Zinsklima sowie die Konditionen für Akquisitionsfinanzierungen werden von den Marktakteuren als äußerst belastend wahrgenommen, und auch die allgemeine Konjunkturentwicklung wird massiv negativ bewertet.
Einstiegsbewertungen tendenziell attraktiv
Besonders gravierend schlagen die Marktbedingungen bei den internen Prozessen der Beteiligungsgesellschaften zu Buche. Das Fundraising-Klima sowie das Umfeld für Exits, die im Vorquartal noch Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung gemacht hatten, haben sich wieder drastisch verschlechtert. Sowohl die Einwerbung frischen Kapitals als auch die Veräußerung von Portfolio-Unternehmungen gestalten sich im aktuellen Umfeld überaus schwierig. Dies gilt für klassische Unternehmensverkäufe ebenso wie für Erstbörsengänge, während Secondary-Transaktionen vergleichsweise noch am wenigsten stark unter Druck stehen. Einziger Lichtblick auf der Bewertungsseite ist der Bereich der Wertberichtigungen, bei dem sich über die vergangenen Quartale hinweg eine schrittweise Entlastung abzeichnet. Auch die Einstiegsbewertungen werden weiterhin als tendenziell attraktiv wahrgenommen, wenngleich auch hier jüngst ein gewisser Dämpfer zu verzeichnen war.
Trotz des schwierigen makroökonomischen Rahmens und der Hemmnisse bei Exits und Fundraising zeigt der Markt jedoch eine erstaunliche Widerstandskraft an der Investitionsfront. Die grundsätzliche Investitionsbereitschaft der Beteiligungsgesellschaften hat entgegen dem allgemeinen Stimmungsabfall sogar zugelegt und bewegt sich weiterhin auf einem außerordentlich hohen Niveau nahe historischer Spitzenwerte. Kapital für vielversprechende Unternehmen steht somit weiterhin bereit. Dennoch blicken die Spätphaseninvestoren verhalten auf ihren Dealflow: Zwar nimmt die Quantität der angebotenen Beteiligungsmöglichkeiten leicht zu, die wahrgenommene Qualität und Innovativität der Deals lässt laut der Untersuchung jedoch nach und dämpft den Gesamteindruck.
Expertenmeinungen
Die Einschätzungen der Branchenexperten verdeutlichen die vielschichtige Lage des Marktes und unterstreichen die vorherrschenden Trends. Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW erklärt: „Das Geschäftsklima auf dem deutschen Private-Equity-Markt hat im zweiten Quartal 2026 nachgegeben, vermutlich aufgrund der hohen makroökonomischen Unsicherheit. Die Investorenstimmung ist nun bereits seit viereinhalb Jahren deutlich unterkühlt. Erfreulich ist aber die hohe Investitionsbereitschaft der Investoren, die Finanzierungsoptionen für etablierte Unternehmen offenhält.“ Ulrike Hinrichs, Vorstandssprecherin des BVK fügt an: „Die Stimmung im deutschen Private Equity-Markt hat nach der Erholung in den beiden Vorquartalen wieder einen Dämpfer erhalten. Makroökonomisch bremsen Konjunktur und Zinsentwicklung, marktintern sind es vor allem Fundraising und Exits. Umso wichtiger ist, dass die Investitionsbereitschaft der Beteiligungsgesellschaften hoch bleibt und attraktive Unternehmen weiterhin auf Investoreninteresse stoßen. Entscheidend für eine nachhaltige Belebung des Private Equity-Geschäftsklimas ist, dass geopolitisch Ruhe einkehrt, die Konjunktur anspringt und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen verlässlich bleiben. Die jüngsten politischen Weichenstellungen der Bundesregierung sind ein Schritt in die richtige Richtung, dürften aber erst verzögert wirken.“
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der deutsche Private-Equity-Markt zwischen ökonomischen Belastungsfaktoren und einer hohen operativen Handlungsbereitschaft gespalten bleibt. Während steigende Zinsen, zähe Exits und ein erschwertes Fundraising das Gesamtklima dämpfen, sorgen attraktive Einstiegsbewertungen und der Wille zu Neuinvestitionen dafür, dass der Markt handlungsfähig bleibt. Für eine nachhaltige Stimmungswende bedarf es jedoch einer Beruhigung des geopolitischen Umfelds und klarer wirtschaftspolitischer Impulse.







