Unternehmeredition: Die Haspa BGM trägt den Namen einer Sparkasse in ihrer Firmierung. Ist das ein Vorteil?
Stephan Hannebauer: Der Name ist definitiv ein Vorteil und schafft eine positive Erwartungshaltung. Das „Label Sparkasse“ vermittelt unseren Partnern ein seriöses Verhalten und eine nicht von spekulativen Zielen geleitete Vorgehensweise. Wir legen Wert auf eine nachhaltige Partnerschaft, die weit über kurzfristige Renditeziele hinausgeht. Wir arbeiten mit einem moderaten Fremdkapitaleinsatz in unseren Investments. Ebenso wichtig ist unser Beteiligungshorizont, der über übliche Fondslaufzeiten hinausgeht. Und wir haben mit der Haspa Finanzholding einen langfristig denkenden Ankergesellschafter im Rücken.
Wir bieten ein breites Portfolio an Kapitalmaßnahmen für mittelständische Unternehmen, das historisch stärker auf Mezzanine-Finanzierung ausgerichtet war. In den vergangenen 15 Jahren haben die flexiblen Lösungen mit Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen an Bedeutung gewonnen, so dass wir den Unternehmen die jeweils passende Lösung bieten können. Aktuell besteht unser Beteiligungsportfolio zu ca. 80 % aus offenen Beteiligungen mit einer Tendenz zu Mehrheitsbeteiligungen. Mezzanine-Finanzierungen haben einen entsprechend kleineren Anteil, stehen aber weiterhin ebenso im Fokus unseres Beteiligungsansatzes. Hinsichtlich unseres Beteilgungsportfolios konzentrieren wir uns auf mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 10 Mio. EUR und 100 Mio. EUR.
Sie investieren über Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen. Regieren Sie dabei vom Rücksitz aus oder sitzen Sie operativ mit am Steuer?
Bei uns gilt der Grundsatz: Das Investment muss grundsätzlich passen – im Sinne von „ganz oder gar nicht“ in Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem Management und die strategische Ausrichtung. Die Frage, ob eine Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung die passende Lösung ist, stellt sich erst im zweiten Schritt. Und das hängt immer von der individuellen Situation, dem Finanzierungsanlass und den Bedürfnissen des Unternehmers ab. Die Führung des operativen Geschäfts bleibt immer in der Hand des Managements.
Wir sind überzeugt von der Marktkenntnis und den Kompetenzen der bestehenden Geschäftsführungen in unserem Portfolio. Dabei agieren wir definitiv als aktiver Gesellschafter. Im Rahmen der Gesellschafter- und Beiratsgremien bringen wir unser Know-how, unser umfangreiches Netzwerk und unsere langjährige Erfahrung aus anderen Beteiligungen ein. Es geht darum, die Geschäftsführung als Sparringspartner aktiv zu unterstützen, damit das Unternehmen sein volles Potenzial entfalten kann.
Sie setzen stark auf Management-Buy-outs (MBOs). Wie erleben Sie den Markt aktuell?
Das Thema Nachfolge ist und bleibt ein Treiber in unserem Markt. Es gibt weiterhin ein großes Interesse und es ist auch ausreichend Kapital auf Investorenseite für diese Art von Transaktionen vorhanden. Allerdings stellen wir aktuell auch eine deutliche Zurückhaltung der Investoren in bestimmten Branchen fest. Ein Beispiel ist der von Umbrüchen gekennzeichnete Automotive-Sektor. Hier sind sowohl Käufer als auch Verkäufer vorsichtiger geworden. Gleichzeitig erleben wir eine wachsende Attraktivität etwa von Handwerksunternehmen. Diese Betriebe weisen oft eine hohe Resilienz, eine starke regionale Verankerung und eine stabile Auftragslage auf.
Herrscht aktuell Zurückhaltung?
Aktuell ist der Verkauf von Unternehmen schwieriger. Nach einer Phase von rund zehn Jahren ohne größere Krise haben wir nun einen deutlichen Einschnitt. In solchen Phasen zeigt sich der Mehrwert eines kapitalstarken, verlässlichen und langfristig orientierten Partners, wie wir es sind.
Das Interview führte Alexander Görbing.
👉 Dieser Beitrag ist unserer Spezialausgabe „Investoren im Mittelstand 2026“ erschienen.
ZUM INTERVIEWPARTNER

Investment Director
Haspa Beteiligungsgesellschaft für den Mittelstand mbH
s.hannebauer@haspa-bgm.de





