Cyberrisiken für Europas Energieinfrastruktur nehmen zu

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Eine neue Untersuchung warnt vor einer wachsenden digitalen Angriffsfläche durch die zunehmende Dezentralisierung der europäischen Energieversorgung. Laut einer Studie des Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. wurden im Umfeld europäischer Wind- und Solarparks 8.547 aus dem öffentlichen Internet erreichbare Systeme identifiziert. Deutschland weist dabei besonders viele exponierte Systeme auf.

Deutschland bei exponierten Wind-Systemen an der Spitze

Die Untersuchung „To see the wind and the sun“ von Modat und dem niederländischen National Cyber Security Centre wurde auf der ONE Conference in Den Haag vorgestellt. Demnach wurden im Umfeld europäischer Wind- und Solarparks insgesamt 8.547 öffentlich erreichbare Systeme erfasst.

Deutschland liegt mit 212 exponierten Systemen im Umfeld von Windparks an der Spitze der untersuchten Länder. Hinzu kommen 672 Systeme im Bereich der Solarenergie. Nach Einschätzung der Forscher stellen die erfassten Zahlen zudem eine Untergrenze dar, da nur Systeme berücksichtigt wurden, die konkreten Anlagen zugeordnet werden konnten.

Fernsteuerung von Anlagen birgt zusätzliche Risiken

Bei rund 181 Standorten identifizierten die Forscher Möglichkeiten für eine weitreichende Fernsteuerung. Eine untersuchte Oberfläche einer Windturbine bot beispielsweise Funktionen zum Starten, Stoppen und Zurücksetzen der Anlage.

Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland sieht darin eine wachsende Herausforderung für die Versorgungssicherheit. Präsident Hans-Wilhelm Dünn warnt davor, die zunehmende Zahl dezentraler Energieanlagen isoliert zu betrachten. Entscheidend sei vielmehr, ob sich aus vielen einzelnen Schwachstellen ein übergreifendes Risiko für die Energieversorgung entwickeln könne.

Dass entsprechende Risiken nicht nur theoretischer Natur sind, zeigte laut Mitteilung ein Cyberangriff in Polen im Dezember 2025. Dabei wurden Kommunikationsverbindungen zu rund 30 Wind- und Solaranlagen beeinträchtigt.

Studie trifft auf europäische Sicherheitsdebatte

Die Ergebnisse fallen in eine Phase, in der die Cyberresilienz der europäischen Energieinfrastruktur stärker in den Fokus rückt. Beim Cybersecurity Energy Forum in Brüssel beraten am 8. Oktober ENISA, europäische Netzbetreiber und Sicherheitsexperten unter anderem über die Widerstandsfähigkeit der Stromnetze, geopolitische Risiken und die Folgen der zunehmenden Dezentralisierung.

Dünn verweist in diesem Zusammenhang auch auf den geplanten Cyberdome. Sensorik, Analyse und Früherkennung könnten grundsätzlich dazu beitragen, Risiken früher zu erkennen. Entscheidend sei jedoch, dass die gewonnenen Erkenntnisse auch in einen wirksamen Schutz der Infrastruktur übersetzt würden.

Die Untersuchung weist ausdrücklich keinen erfolgreichen Angriff auf die identifizierten deutschen Systeme nach. Sie zeigt vielmehr, dass mit der zunehmenden Digitalisierung und Dezentralisierung der Energieversorgung auch die Zahl potenzieller digitaler Angriffsflächen wächst.

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Eva Rathgeber ist Chefredakteurin der Unternehmeredition und verfügt über langjährige Erfahrung in Journalismus, PR und Unternehmenskommunikation. Inhaltlich liegt ihr Fokus auf Mittelstand, Familienunternehmen, Finanzierung, Investitionen, Private Equity, M&A, Nachfolge, Digitalisierung und Innovation.

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