Ins neue Jahr mit gemischten Wirtschaftsprognosen

Wirtschaftsprognosen 2021
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Das neue Jahr hat gerade begonnen. Angesichts der anstehenden Verlängerung des „harten Lockdowns“ in Deutschland haben sich bereits die Prognosen der Wirtschaftsexperten eingetrübt. Aktuell ist unsicher, wie stark die Auswirkungen der Coronakrise anhalten werden. Wir bieten Ihnen wieder einen Überblick über die aktuellen Wirtschaftsprognosen der Experten.

ifo: Mehrwertsteuer-Senkung hat wenig gebracht

Nach einer Befragung des Münchener ifo-Instituts hat die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer wenig gebracht und die Konsumausgaben nur wenig stimuliert. Die ifo-Autoren Clemens Fuest, Andreas Peichl und Florian Neumeier gehen von einem zusätzlichen Konsum von rund 6 Mrd. EUR aus – dem gegenüber stünden Kosten von 20 Mrd. EUR. Das Fazit: „Die Entscheidung, die Mehrwertsteuersenkung nicht über den Dezember 2020 hinaus zu verlängern, kann vor diesem Hintergrund trotz der noch immer unsicheren Lage der Konjunktur nur begrüßt werden.“ Nur zwei Prozent der Befragten, die im Zeitraum von Juli bis Oktober eine größere Anschaffung getätigt hatten, gaben dabei an, dass sie ohne die Mehrwertsteuersenkung auf diese Anschaffung verzichtet hätten. Von jenen, die bis Jahresende noch größere Anschaffungen planten, gaben nur zwölf Prozent im Oktober an, dass sie ohne Mehrwertsteuersenkung darauf verzichten würden. Im November waren es dann auch nur 29%. Die Befragten der Studie erklärten zudem, dass sie trotz Senkung der Mehrwertsteuer auf Konsum verzichtet hätten, weil sie höhere Ausgaben in der Zukunft erwarteten und der Einkauf durch Corona eingeschränkt sei.

KfW-Mittelstandsbarometer erholt sich

Der KfW-Geschäftsklimaindex für den deutschen Mittelstand hat sich etwas erholt. Der Wert steigt leicht um 1,4 auf -10,6 Saldenpunkte.  Die Beurteilung der Lage verbessert sich nach den Zahlen der Befragung merklich, während die Erwartungen des Mittelstands nur geringfügig zunehmen. Nach Meinung der KfW-Experten dürften sich positive Aussichten auf eine mittelfristige Entspannung durch den Einsatz von effektiven Impfstoffen und eine trübere Sicht auf die nächsten Monate gegenseitig neutralisieren.  Die Stimmung unter den Großunternehmen setzt sich immer weiter vom Mittelstand ab. Mit einem deutlichen Plus von 4,7 auf -2,4 Saldenpunkte bewegt sich das Geschäftsklima in Richtung Nulllinie, die den langfristigen Mittelwert markiert.

KfW-Mittelstandsbarometer

Kurzarbeit sinkt nur geringfügig

Die Kurzarbeit in Deutschland ist im Dezember nur geringfügig gesunken. Nach ifo-Schätzungen waren zum Jahresende 1,95 Millionen Menschen betroffen – rund 30.000 weniger als im Vormonat. „Hinter der Fassade der Stabilität verbergen sich jedoch größere Verschiebungen: In der Industrie ist die Kurzarbeit über alle Branchen gesunken. Gestiegen ist sie jedoch im Einzelhandel und im Gastgewerbe, die besonders vom aktuellen Lockdown betroffen sind“, sagt ifo-Arbeitsmarktexperte Sebastian Link.  Im Einzelhandel nahm die Kurzarbeit sprunghaft zu auf 150.000 Menschen, nach 97.000 im November. In der Industrie sank die Zahl der Kurzarbeiter auf 583.000 (680.000 im November).

Handel sieht schlechte Stimmung bei Verbrauchern

Das Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE) zeigt für die kommenden Monate eine Verschlechterung der Verbraucherstimmung an. Der Index fällt damit bereits den dritten Monat in Folge und liegt deutlich unter seinem Wert vom Beginn des Vorjahres. Die Verbraucher wollen nach einer aktuellen Befragung in den ersten Monaten nach dem Jahreswechsel mehr sparen, ihre Anschaffungsneigung geht weiter zurück. Die Konsumzurückhaltung hängt aber auch mit pessimistischen Einkommenserwartungen zusammen. Von leichtem Optimismus ist nach Angaben des HDE hingegen die Konjunkturerwartung der Verbraucher geprägt. Sie zeigten sich zuversichtlich, dass der Impfstart und die Aussicht auf ein Ende des Lockdowns die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands fördern könnten.

Pessimistisch blicken nach einer Befragung des HDE die Einzelhändler in Innenstädten in die Zukunft. Drei Viertel der Händler geben an, dass die staatlichen Hilfen nicht ausreichen, um eine Insolvenz abzuwenden. „Für viele Händler ist es schon kurz nach zwölf. Allein in der vergangenen Woche verlor der vom Lockdown betroffene Einzelhandel rund fünf Milliarden Euro Umsatz. Im gesamten Jahr 2020 waren es rund 36 Milliarden Euro“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.