Mit formicon startet Triton über den Mittelstandsfonds II eine neue Plattform für integrale Architektur- und Ingenieurplanung. Die deutschlandweit aktive Gruppe bündelt blfp, IBJ, enertec und SGP3 und will einen Marktführer über alle Leistungsphasen aufbauen. Wir sprachen mit Andi Klein, Managing Partner und Head of Triton Smaller Mid-Cap, über die Strategie hinter der Gründung.
Unternehmeredition: Was war der konkrete Auslöser, formicon jetzt als neue Plattform zu gründen? Warum dieses Timing?
Andi Klein: Hier kommen mehrere Aspekte zum Tragen. Zum einen ist der Planungsmarkt in Deutschland hochfragmentiert und außerdem von Nachfolgesituation geprägt. Für unsere Strategie also genau der „Sweet Spot“. Zum anderen besteht in Europa und speziell in Deutschland ein umfassender Investitionsbedarf unter anderem in die Infrastruktur, von dem die Architektur- und Baubranche direkt profitiert. Es ist somit ein stark wachsender Markt für die Branche.
Welche zentrale Investment-These steckt dahinter: Was macht „integrale Planung“ heute besonders attraktiv?
Der Vorteil einer integralen Planung sind weit effizientere und bessere Projektergebnisse, die ein Bauvorhaben deutlich erleichtern, denn der Auftraggeber erhält „alles aus einer Hand“. Konkret heißt das, dass alle relevanten Planungsspezialisten vom Architekten über Tragwerksplaner bis Bauüberwacher gemeinsam zum Anfang eines Projekts die Planung aufnehmen und das Bauvorhaben durch alle Phasen unterstützen, um die Projekte reibungslos und erfolgreich zu begleiten und abzuschließen.
Warum genau diese Start-Gruppe (blfp, IBJ, enertec, SGP3)? Welche Fähigkeiten mussten sofort an Bord sein?
Die vier Unternehmen haben einige Gemeinsamkeiten und bilden ein solides Fundament für weiteres Wachstum: Alle verfügen über eine exzellente Reputation am Markt, ein hervorragendes Management und eine erfolgreiche Historie. Gleichzeitig sind ihre Profile auch vor dem Hintergrund der integralen Planung und einer deutschlandweiten Präsenz sehr komplementär.
Was ist der wichtigste Differenzierer von formicon: Talent, Referenzen, Prozesse/BIM, TGA-Kompetenz, Kundenmix oder etwas anderes?
All diese Punkte sind wichtig. Formicon hat jetzt schon eine Vorreiterrolle mit einem etablierten BIM Kompetenzzentrum und verfügt über ein ansehnliches Referenzportfolio über unterschiedliche Gebäudetypologien und Servicebereiche. Dies gepaart mit einem hohen Anteil an wiederkehrenden Kunden. Hinzukommen kommen umfassende Leistungen wie zum Beispiel die Fachplanung der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) entlang der Planungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI).
Wie machen Sie aus mehreren Büros eine Gruppe: Was wird zentralisiert, was bleibt bewusst dezentral?
Wir handhaben dies analog zur Struktur bei ähnlichen Gruppen aus unserem Portfolio. Die einzelnen Unternehmen im Verbund bleiben operativ verantwortlich für ihre regionalen Projekte, Kunden und Mitarbeitenden, allerdings werden sie unterstützt durch zentrale Funktionen wir HR-Management, Digitale / BIM-Kompetenz, M&A oder Weiterbildungsprogramme wie die Academy.
Wie ist die Add-on-Strategie: Welche Disziplinen bzw. Kompetenzen fehlen noch, um die Plattform „voll“ zu machen?
Wir wollen deutschlandweit in den wichtigsten Ballungszentren vertreten sein, vor allem im Bereich regionaler Serviceleistungen wie zum Beispiel der Bauüberwachung. Daneben werden wir sukzessive das Angebotsspektrum durch weitere spezialisierte Gewerke erweitern.
Wie günstig ist das Umfeld 2026 für Plattformgründungen: eher Rückenwind durch Nachfolge/Fragmentierung oder Gegenwind durch Finanzierung, Preise, Wettbewerb?
Die Resonanz auf unsere Strategie im Markt ist bislang überaus positiv: das Feedback ist ehrlicherweise besser, als wir erwartet haben. Für Unternehmer und Unternehmen stellen Themen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung / KI und immer stärker auch Nachfolgefragen nach wie vor große Herausforderungen dar. Viele Reformen, die von der Bundesregierung angekündigt wurden, wirken sich aktuell noch nicht aus. Auch das geopolitsche Umfeld sorgt weiter für Verunsicherungen. Diese Gemengelage bietet einem operativen Finanzinvestor wie Triton attraktive Investmentmöglichkeiten, insbesondere bei der Konsolidierung fragmentierter Märkte, auch wenn der Wettbewerbsdruck sowohl durch Investoren als auch Strategen zunimmt.
Triton hat im Dezember die UK-Plattform Tendra gestartet: Welche Learnings aus diesem Plattform-Setup sind direkt auf formicon übertragbar?
Beide Unternehmen sind in ähnlichen Endmärkten aktiv und in etwa zur gleichen Zeit durch Zukäufe entstanden, so dass die Investment Teams parallel an den Transaktionen gearbeitet haben. Schlussendlich sind es unsere langjährigen Erfahrungen aus dem Aufbau anderer Gruppen, die bei Tendra und formicon positiv zum Tragen kommen.
bluu unit gilt als erfolgreiches deutsches Beispiel: Was waren dort die entscheidenden Erfolgsfaktoren, die Sie bei formicon bewusst replizieren wollen?
Grundsätzlich ist es unser bewährter Buy-and-Build Ansatz, den wir sowohl bei der bluu unit als auch bei formicon anwenden. Erfolgsentscheidend ist sicher ein starkes Management Team, das den erfolgreichen Aufbau der Marke und die konsequente Umsetzung der M&A- und Integrationsstrategie vorantreibt. Mit Ulf Bambach haben wir einen sehr erfahrenen und dynamischen Unternehmer als CEO für formicon gewinnen können, der die Aktivitäten der Gruppe orchestriert. Die CFO-Position hat Anfang des Jahres Oliver Hilgier übernommen, der bereits in anderen dezentralen Buy-and-Build Geschäftsmodellen erfolgreich Finanzprozesse aufgebaut und etabliert hat.
Blick auf den Mittelstandsfonds II: Planen Sie im Portfolio eher mehr Add-ons oder auch neue Plattformen – und wovon hängt die Entscheidung ab?
Wir haben vier Plattforminvestments seit Sommer letzten Jahres getätigt, Prenax in Schweden, Lohkare in Finnland und Tendra in England und jetzt die Gründung von formicon in Deutschland. Daneben haben wir im vergangenen Jahr 33 Zukäufe fürs Mittelstandsportfolio unterstützt. Hierzulande war der Dealflow eher schwach. Die Zahl der Zukäufe fürs Portfolio wird sicher ähnlich sein wie 2025. Bei den Plattforminvestments sehen wir eine gute Pipeline. Was sich daraus materialisiert, hängt sicher ein Stück weit vom Markt ab.
Wie beurteilen Sie den aktuellen Private-Equity-Markt: Werden Exits 2026/27 wahrscheinlicher und über welche Routen (Strategen versus Finanzinvestoren)?
Ich erwarte insgesamt im M&A-Markt Deutschland noch keine große Welle an Transaktionen, weder auf der Kauf- noch auf der Verkaufsseite, gegebenenfalls eine Erholung. Bei Exits bleibt der Markt vorerst auch selektiv, wobei ich sowohl Strategen als auch Investoren auf der Käuferseite sehe.
Welche Branchen haben aus Ihrer Sicht in den nächsten zwölf bis 24 Monaten die besten Chancen für eine Expansion und wo würden Sie eher zurückhaltender investieren oder ganz aussetzen?
Triton investiert in Unternehmen aus der Industrie (Industrial Tech), Business Services und Gesundeitswesen. Für unsere Smaller-Mid-Cap-Strategie sehen wir großes Potenzial im Dienstleistungssektor, insbesondere bei der Konsolidierung von fragmentierten Märkten, siehe die Gründung von formicon.
Lieber Herr Klein, wir danken Ihnen für diese interessanten Einblicke!
Das Interview führte Eva Rathgeber.
ZUM INTERVIEWPARTNER

Andi Klein ist Managing Partner und Leiter der Triton Smaller Mid-Cap Fonds bei der deutsch-schwedischen Private-Equity-Gesellschaft Triton Partners. Bevor er 2009 zu Triton Partners wechselte, war der studierte Betriebswirt elf Jahre lang in führender Position bei Procter & Gamble beschäftigt. Seit der Gründung im Jahr 1997 hat Triton Partners zehn Fonds aufgelegt, darunter zwei Mittelstandsfonds, und sich auf Unternehmen in den Sektoren Industrietechnologie, Dienstleistungen und Gesundheitswesen fokussiert.









