Automobilzulieferer GMW kämpft um Sanierung

Insolvenz, Wirtschaftskrise
INSOLVENZVERWALTER

Die Gersfelder Metallwaren GmbH hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Fulda eingereicht. Das traditionsreiche Unternehmen aus der präzisionskritischen Metallverarbeitung beschäftigt am Standort in Gersfeld in der Rhön insgesamt 145 Arbeitnehmer sowie vier Auszubildende. Laut Angaben des Amtsgerichts Fulda wurde Rechtsanwalt Silvio Höfer von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Auf einer Mitarbeiterversammlung wurden die Beschäftigten über die aktuelle Situation informiert. Der Geschäftsbetrieb des mittelständischen Zulieferers wird uneingeschränkt fortgeführt. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Silvio Höfer ist das oberste Ziel, den laufenden Geschäftsbetrieb nahtlos zu stabilisieren. Er erklärt zudem, dass die Mitarbeiter in der Versammlung signalisiert haben, diesen Weg tatkräftig zu unterstützen. Diese Unterstützung gilt als wesentliche Voraussetzung für die anstehende Sanierung des traditionsreichen Betriebs aus Hessen.

Ursachen für die Schieflage

Silvio Höfer, Foto Anchor
Silvio Höfer, Foto Anchor

Die wirtschaftliche Situation der Gersfelder Metallwaren GmbH hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Hauptursachen sind eine rückläufige Nachfrage im Automotive-Sektor sowie geopolitische Unsicherheiten. Zudem belastete eine sinkende Investitionsbereitschaft den Markt für das Unternehmen. Da die Kundenbasis stark auf den Automobilbereich ausgerichtet ist, traf der rückläufige Markt für Abgasklappen den Betrieb empfindlich. Nach Angaben des Unternehmens belastete im Geschäftsjahr 2024 zudem eine außerordentliche Abschreibung auf die Beteiligung an der rumänischen Tochtergesellschaft GMW Romania S.R.L. das Jahresergebnis. Diese Abschreibung betrug rund 5,2 Mio. EUR. Zur Gegensteuerung hatte die Geschäftsführung im Jahr 2026 ein Sanierungsgutachten beauftragt und externe Restrukturierungsberater hinzugezogen. Seit Mitte 2026 wurden zudem intensive Gespräche mit den finanzierenden Banken geführt. Der Umsatz des Unternehmens sank von über 42 Mio. EUR im Jahr 2017 auf 32,2 Mio. EUR im Jahr 2024. Im Jahr 2025 sank der vorläufige Umsatz auf 26,73 Mio. EUR. Die Produktion der rumänischen Tochtergesellschaft in Arad wird derzeit eingestellt und bis Ende 2026 nach Gersfeld rückverlagert.

Perspektiven und Zukunftsaussichten

Trotz der angespannten Lage sieht der vorläufige Insolvenzverwalter gute Perspektiven für den Erhalt des Unternehmens. Rechtsanwalt Silvio Höfer verschafft sich mit seinem Team vor Ort einen genauen Überblick über die wirtschaftliche Lage und prüft die Sanierungsoptionen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Silvio Höfer ist er optimistisch, dass eine tragfähige Sanierungslösung erreicht werden kann. Rechtsanwalt Silvio Höfer betont, dass das Unternehmen über eine hohe Fertigungskompetenz verfügt. Zudem zeichnet sich der Betrieb durch hervorragende Produkte im Bereich der Robotik und bei Automotive aus. Diese Produkte bieten ein großes Potenzial für eine zukunftsfähige Ausrichtung des mittelständischen Zulieferers. Da das Unternehmen sämtliche gesetzlichen Größenkriterien erfüllt, wurde zur Begleitung des Verfahrens die Einsetzung eines vorläufigen Gläubigerausschusses beantragt. Das im Jahr 1970 gegründete Unternehmen fertigt nach Kundenzeichnung Serienteile und Kleinserien. Zum Produktspektrum gehören Schalthebel für Pkw und Nutzfahrzeuge, Abgashalterungen, Abgasklappen, Gasgestänge für Landmaschinen sowie Zahnräder und Antriebselemente für die Robotik und den Maschinenbau. Zu den wesentlichen Kunden zählen Automobilhersteller, Systemlieferanten sowie Unternehmen aus dem Maschinenbau wie Boysen, Faurecia beziehungsweise Purem, John Deere, KUKA und Willi Elbe. Teile gehen auch in den Export nach China.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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