ZEW sieht im Juni leichten Konjunktur-Dämpfer

Wirtschaftsprognosen
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Die Konjunkturerwartungen des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung für Deutschland sinken in der aktuellen Umfrage vom Juni 2021 leicht und liegen nun bei 79,8 Punkten. Das ist immer noch ein Wert, der deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen beiden Jahre notiert. Dies ist eine erste positive Nachricht aus unserem regelmäßigen Überblick der Wirtschaftsprognosen.

Sehr gut ist die Einschätzung der aktuellen Lage in Deutschland – diese stieg im Juni stark um 31 Punkte. „Die wirtschaftliche Erholung schreitet voran. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sinken zwar im Juni, befinden sich aber auf einem sehr hohen Niveau. Der Rückgang der Erwartungen dürfte größtenteils auf die erheblich bessere Beurteilung der Wirtschaftslage zurückzuführen sein, die inzwischen auf Vorkrisenniveau gestiegen ist. Die Finanzmarktexpertinnen und –experten gehen für das nächste halbe Jahr daher weiterhin von einer kräftigen Konjunkturerholung aus“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach die aktuellen Erwartungen. Das ZEW schätzt, dass die wirtschaftliche Situation in Deutschland inzwischen so beurteilt wird wie vor der Corona-Pandemie im August 2019. Aufgrund der sehr hohen Konjunkturerwartungen sei der Ausblick jetzt wesentlich besser als im Sommer 2019.

Auftragseingang sinkt leicht

Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe war nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im April 2021 saison- und kalenderbereinigt 0,2 % niedriger als im März 2021. Dieser leichte Rückgang hat die Experten überrascht, da eher mit einem Anstieg gerechnet worden war. Auch der reale Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe lag nach vorläufigen Angaben von Destatis im April 2021 um 2,6 % niedriger als im März 2021. Eine Begründung dieses Rückgangs kann darin liegen, dass es inzwischen in vielen Industriebereichen Lieferengpässe bei Vorprodukten gibt. Im Vergleich zu Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, war der Auftragseingang im April 2021 saison- und kalenderbereinigt um 9,9 % höher.

Produktionserwartungen sinken – Preise steigen

Die Produktionserwartungen der deutschen Industrie haben sich auf hohem Niveau etwas verschlechtert. Der entsprechende Indikator, der vom ifo-Institut in der jüngsten Konjunkturumfrage ermittelt wurde, sank im Mai auf 27 Punkte, nach 32 im April. „Das Bild der Produktionserwartungen in den einzelnen Branchen ist dabei sehr differenziert. Die Autoindustrie und ihre Zulieferer fahren ihre Erwartungen deutlich zurück, rechnen aber weiter mit Produktionssteigerungen“, sagt ifo-Experte Dr. Klaus Wohlrabe.  Die Bekleidungshersteller dagegen berichten erstmals nach neun Monaten, ihre Produktion ausweiten zu wollen. In der Autobranche fiel der Indikator stark und dies ist auch auf die Probleme bei der Beschaffung von Chips zurückzuführen. Bekleidungsindustrie und Möbelhersteller rechnen mit einem weiteren Nachholbedarf. Die sehr gute Auftragslage im Maschinenbau wird sich nach ifo-Einschätzung auch in den Produktionszahlen widerspiegeln.

Immer mehr Unternehmen in Deutschland wollen ihre Preise erhöhen. Das geht aus der Konjunkturumfrage des ifo Instituts vom Mai hervor. „Viele Unternehmen geben Preiserhöhungen auf der Beschaffungsseite weiter“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Zudem gibt es teilweise Nachholeffekte aufgrund früherer Preissenkungen während der Coronakrise“, ergänzt er. Es gebe nur wenige Branchen, wo keine Preiserhöhungen vorgesehen sind. „Die starken Preissteigerungen bei vielen Rohstoffen ziehen sich letztendlich quer durch die gesamte Wirtschaft“, sagt Wohlrabe.

Viel mehr Optimismus im Mittelstand

Angesichts vieler guten Nachrichten über die Bewältigung der Corona-Pandemie hellt die Stimmung in den mittelständischen Unternehmen rasant auf: Ihr Geschäftsklima steigt nach einer aktuellen Befragung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Mai um 6,3 Zähler auf 5,7 Saldenpunkte und ist damit erstmals seit Pandemiebeginn wieder positiv. Getragen werde der jüngste Anstieg vor allem von einem viel optimistischeren Blick auf die kommenden sechs Monate. Die Mittelständler setzen zunehmend auf Erholung und korrigieren ihre Geschäftserwartungen deutlich nach oben. Mit 11,3 Saldenpunkten erreichen diese den höchsten Stand seit vier Jahren.  In den Großunternehmen zieht die Stimmung im Mai ebenfalls weiter an. „Die Konjunkturampel springt auf Grün, die Unternehmen sind startklar für die Erholung “ – heißt es dazu im aktuellen KfW-ifo-Mittelstandsbarometer.

Weltbank erhöht Prognose

Die Erholung der chinesischen Wirtschaft und das umfangreiche Konjunkturprogramm der US-Regierung sind die wesentliche Basis dafür, dass die Weltbank ihre Prognose für das globale Wachstum anhebt. Die Weltwirtschaft dürfte demnach in diesem Jahr um 5,6 Prozent zulegen. Das wäre die kräftigste Erholung von einer Rezession seit 80 Jahren. Allerdings hätten viele Schwellen- und Entwicklungsländer immer noch mit vielen Corona-Neuinfektionen zu kämpfen, was die wirtschaftliche Erholung behindert.