Wirtschaftsprognosen bessern sich

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Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen in der aktuellen Februarumfrage 2021 erneut deutlich an und liegen mit 71,2 Punkten um 9,4 Punkte höher als im Januar. Mit diesen guten Nachrichten beginnen wir unseren Überblick über die aktuellen Wirtschaftsprognosen.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen in der aktuellen Februarumfrage 2021 erneut deutlich an und liegen mit 71,2 Punkten um 9,4 Punkte höher als im Januar. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland verschlechtert sich geringfügig im Vergleich zum Vormonat. „Die Finanzmarktexpertinnen und -experten schauen optimistisch in die Zukunft. Sie sind zuversichtlich, dass die deutsche Wirtschaft auf Sicht von sechs Monaten wieder auf Wachstumskurs sein wird. Vor allem bei Konsum und Handel wird ein deutlicher Aufholprozess erwartet. Damit einher geht auch eine höhere Inflationserwartung“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, die aktuellen Erwartungen.

Quelle: ZEW

Kreditnachfrage sinkt deutlich

Stark steigende Corona-Infektionszahlen und neue Beschränkungen des wirtschaftlichen Lebens zum Jahresende 2020 brachten vor allem dem Gastgewerbe oder den persönlichen Dienstleistungen massive Umsatzeinbußen. Erstaunlicherweise brach aber das Interesse der Unternehmen an Bankfinanzierungen geradezu ein. Das ist das Ergebnis der aktuellen KfW-ifo-Kredithürde. Der Anteil der Mittelständler, die im vierten Quartal 2020 Kreditverhandlungen mit Banken führten, reduzierte sich um rund 8% auf 22,1 %. Bei den Großunternehmen war der Rückgang mit fast 11% noch ausgeprägter, denn nur noch 28,7 % dieser Unternehmen suchten den Weg zu ihrer Bank. Das seien die jeweils niedrigsten beobachteten Werte seit Beginn der Befragungen im Jahr 2017. Als Hauptgrund für die schwache Kreditnachfrage nennt die KfW die Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf sein, der sich in einer ausgeprägten Investitionszurückhaltung der Unternehmen äußert. 2020 gaben die Unternehmen nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes 6,6 % weniger für Investitionen aus als im Vorjahr.

Hürden für Kredite wachsen weiter

Für die Unternehmen, die zurzeit dennoch Kreditfinanzierungen anstreben, nehmen die Schwierigkeiten nach einer Analyse der KfW jedoch zu. Die KfW-ifo-Kredithürde für den Mittelstand stieg zwar nur geringfügig um 0,4 PP, aber immerhin zum sechsten Mal in Folge auf jetzt 22,1 %. Besonders restriktiv verhielten sich die Banken bei Kreditanfragen mittelständischer Dienstleister (29,5 %), während die KMU des Verarbeitenden Gewerbes Entspannung (16 %) vermeldeten. Auch große Unternehmen kommen nach der Atempause im Vorquartal schwerer an Bankdarlehen. Fast ein Fünftel der Großunternehmen traf auf skeptische Finanzinstitute.

Corona kostet 1,5 Mrd. EUR pro Woche

Die zweite Coronawelle wird die deutsche Konjunktur im Winterhalbjahr 2020/21 dämpfen, denn pro Woche entgeht Deutschland Wertschöpfung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis einer Analyse der aktuellen ifo Unternehmensbefragungen. „Damit sind die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen deutlich geringer als während der ersten Welle im Frühjahr 2020“, sagt Timo Wollmershäuser, Leiter der ifo Konjunkturprognosen. „Die Wirtschaftsleistung dürfte nur in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen ins Minus rutschen, in denen soziale Kontakte ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells sind.  Insgesamt dürfte die reale Wirtschaftsleistung in den betroffenen Zweigen im ersten Quartal 2021 um etwa 20 Milliarden Euro niedriger liegen als im vierten Quartal 2019, also dem letzten Vorkrisenquartal. „Da die Industrie- und Baukonjunktur jedoch weiterhin gut laufen, dürfte das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn nicht zurückgehen, sondern stagnieren“, ergänzt Wollmershäuser.