Indus Holding: mittelständische Industrie weiter im Fokus

Indus Holding setzt bei Zukäufen weiterhin auf die mittelständische Industrie
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Die Indus Holding, Spezialist für langfristige Unternehmens­beteiligung und -entwicklung im deutschsprachigen Mittelstand, setzt bei Zukäufen nach wie vor auf ertragsstarke Produktionsbetriebe, die sie mit Expertise und finanziellen Mitteln in ihrer Entwicklung unterstützt. INTERVIEW BÄRBEL BROCKMANN

Unternehmeredition: Indus ist dabei, ihr Portfolio zu optimieren. Was haben Sie zu diesem Zweck getan und warum?
Dr. Johannes Schmidt: Ein Kernelement unserer Strategie ist „Kaufen, Halten und Entwickeln“. Verkäufe im Zuge einer Portfoliooptimierung scheinen dazu im Widerspruch zu stehen. Das denken wir aber nicht. Wir haben mit der Optimierung offenkundige Probleme gelöst, die wir im Bereich Fahrzeugtechnik und in der Metalltechnik hatten. Ursachen waren die Coronapandemie und die strukturellen Veränderungen in der Fahrzeugindustrie. Es geht da eindeutig nicht um Exits im Private Equity-Sinn. Die Exits waren eine Notwendigkeit und nicht Teil der Wertgenerierung. Wir sind auch überzeugt, dass die Unternehmen, die wir jetzt abgegeben haben, in ein Umfeld kommen, wo man ihnen auch adäquater gerecht werden kann. An unserer Strategie „Kaufen, Halten und Entwickeln“ halten wir fest.

Welche Bereiche stehen denn heute bei Indus im Fokus?
Im Bereich Fahrzeugtechnik werden wir sicher nicht mehr wachsen. Schon vor Corona war sie nur noch das drittgrößte Segment bei Indus. Sie ist aus unserer Sicht keine Zukunftsbranche mehr. Als Zukunftsfelder haben wir zum Beispiel die Automatisierungs-, Mess- und Regeltechnik ausgemacht. Auch Bauzulieferung, Sicherheitstechnik, Logistik und Infrastruktur finden wir interessant – und natürlich die Medizin- und Gesundheitstechnik.

Das Indus-Portfolio ist erklärtermaßen produktionslastig. Wird sich daran etwas ändern?
Der Schwerpunkt im Indus-Portfolio wird mittelfristig weiterhin die produzierende mittelständische Industrie sein. Aber vieles rund um die Produktion, beispielsweise Software, wird wichtiger. Daher gewinnen Dinge, die man nicht anfassen und wegtragen kann, auch an Bedeutung in unserem Portfolio. Der Kern bleibt sicher die produzierende Industrie. Dort kennen wir uns besonders gut aus.

Es wird oft argumentiert, Dienstleistungsunternehmen hätten es in einer Krise leichter.
Im Zuge der Pandemie sind Digitalisierungsthemen sehr aktuell geworden. Die beziehen sich aber immer auf die begleitenden Bereiche, Verwaltung, Entwicklung, manchmal auch Vertrieb. Es geht darum – und das kann die mittelständische Industrie besonders gut –, gerade in schwierigen Zeiten Lösungen zu finden. Beispielsweise, wie man den Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter mit einer Aufrechterhaltung der Produktion verbinden kann. Mit Ausnahme der Fahrzeugtechnik ist bei unseren Unternehmen die Produktion während der Krise gelaufen.

Welche Unterstützung erhalten die Beteiligungen von der Holding?
Da haben wir derzeit drei Schwerpunkte. Erstens unterstützen wir unsere Beteiligungen bei Innovationen. Zum Beispiel bieten wir als Holding eine Projektfinanzierung über Zuschüsse an, wenn jemand ein gutes Innovationsprojekt hat. Zweitens helfen unsere Holdingexperten den Unternehmen dabei, ihre Produktion durch moderne Produktions- und Organisationsmethoden zu optimieren. Und schließlich unterstützen wir als Holding bei der Optimierung der Marktentwicklung und des Vertriebs. Darüber hinaus steht Indus als finanzstarker Investor auch bereit, finanzielle Unterstützung bei Zukäufen zu geben.

Suchen Sie auch in der Coronakrise nach Beteiligungen, vielleicht sogar nach Schnäppchen?
Wir suchen generell sehr gut aufgestellte Unternehmen zwischen 20 Mio. und 100 Mio. EUR Umsatz und mit zweistelligen EBIT-Margen, die in einer eindeutig definierten Nische agieren. Solche Unternehmen sind auch in einer Krise nicht als Schnäppchen zu haben, denn sie haben auch in schwierigen Zeiten keine Not, zu verkaufen. Wir stellen fest, dass der Markt für solche Qualitätstargets seit März sehr ruhig geworden ist. Ich rechne damit, dass in der zweiten Jahreshälfte etwas mehr Leben in den Markt kommt, weil in einigen Branchen dann das Schlimmste schon überstanden sein könnte.


ZUR PERSON

Dr. Johannes Schmidt, Vorstandsvorsitzender Indus Holding
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Dr. Johannes Schmidt ist Vorstandsvorsitzender der INDUS Holding AG. Zuvor war er Geschäftsführer bei der Richard Bergner GmbH. 2000 wechselte er als Alleingeschäftsführer zur ebm-papst Landshut GmbH.