Der Hygienepapierhersteller Jung Papier GmbH beantragt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das zuständige Amtsgericht in Düsseldorf hat diesen formellen Schritt bestätigt. Laut mehreren Medienberichten informierte das Unternehmen seine Geschäftspartner. Die Produktion in der Fabrik in Düsseldorf-Reisholz läuft uneingeschränkt weiter. Der Geschäftsbetrieb ist nach Angaben des Unternehmens auf absehbare Zeit durchfinanziert. Die Löhne der aktuellen 155 Beschäftigten sind bis einschließlich Januar 2027 gesichert. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt in dieser Zeit das vorgesehene Insolvenzgeld. Die Geschäftsführung bleibt während des gesamten Verfahrens unverändert im Amt. Sie behält die volle rechtliche Kontrolle über den laufenden Betrieb. Gestiegene Ausgaben für Energie, Rohstoffe und Personal verursachten die finanzielle Schieflage. Zudem belastet die Insolvenz eines Papiermaschinenherstellers den Betrieb in Düsseldorf. Ein gestiegener Kostendruck und vorhandene Überkapazitäten erschweren die Situation im Markt.
Gespräche mit Investoren laufen nun weiter
Geschäftsführer Volker Jung erklärte das Ziel der Maßnahmen in einer offiziellen Mitteilung. „Die Eigenverwaltung gibt uns die Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Gespräche mit Investoren gezielt fortzuführen“, sagte Volker Jung. Das Unternehmen will die laufende Sanierung in den nächsten Monaten abschließen. Es strebt eine nachhaltige Fortführung des Standorts in der Zukunft an. Die Führung öffnet den Verkaufsprozess nun gezielt für weitere externe Interessenten. Das Ziel ist eine langfristige Perspektive für den Standort in Nordrhein-Westfalen. Die Arbeitsplätze und die bestehenden Kundenbeziehungen sollen bei dem Prozess erhalten bleiben. Produktion, Beschaffung und der Vertrieb laufen während des Verfahrens regulär weiter. Ein Team aus Sachverständigen begleitet die Geschäftsführung bei der anstehenden Sanierung. Der Restrukturierungsfachmann Dr. Marc Oberhardt von der Beratungsgesellschaft RSM Ebner Stolz unterstützt den Prozess. Das Amtsgericht bestellte Rechtsanwalt Dr. Christian Holzmann von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Sachwalter. Er überwacht das Verfahren im Rahmen der Vorgaben für die Gläubiger.
Zweite Insolvenz der Unternehmensgeschichte
Für den Düsseldorfer Betrieb ist es bereits das zweite Insolvenzverfahren innerhalb weniger Jahre. Das Unternehmen ging aus der früheren Hakle GmbH hervor. Dieser Betrieb hatte im September 2022 ebenfalls ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Damals beriet Dr. Marc Oberhardt die Geschäftsführung bereits in einer vergleichbaren Situation. Im Juli 2023 erfolgte der Neustart durch einen teilweisen Verkauf von Unternehmenswerten. Das Unternehmen verkaufte die Markenrechte an den italienischen Konzern Sofidel. Zu den veräußerten Rechten gehörten Marken wie Hakle und Dick & Durstig. Sofidel übernahm die Produktion dieser Produkte ab dem Jahr 2024 an anderen Standorten komplett. Die deutsche Gesellschaft firmierte nach dem Verkauf in Jung Papier GmbH um. Der Standort in Reisholz blieb mit der gleichen operativen Führung dauerhaft erhalten. Bis Ende 2024 lasteten Aufträge von Sofidel das Düsseldorfer Werk aus. Damals arbeiteten dort in der Produktion noch rund 200 Menschen. Die Marke Hakle brachte 1928 das erste Toilettenpapier auf Rollen in Deutschland heraus.
Fokus liegt auf Produktion von Handelsmarken
Seit der Trennung von Hakle produziert der Betrieb vor allem Handelsmarken. Supermärkte und Drogerien verkaufen diese Artikel in Filialen unter ihrem eigenen Namen. Das Sortiment umfasst Toilettenpapier, Küchenrollen, Gesichtstücher und feuchte Hygienepapiere für den europäischen Markt. Das Unternehmen stellt in der Fabrik auch Mutterrollen her. Andere Firmen verarbeiten diese großen Papierrollen in ihren Werken weiter. Daneben existiert die unternehmenseigene Marke „The Papermakers“ im Sortiment des Herstellers. Diese Marke taucht jedoch nur bei Aktionsangeboten im Handel auf. Sie hat sich auf dem Absatzmarkt nicht in der Breite durchgesetzt. Das Unternehmen verfehlte seine Umsatzziele in der jüngeren Vergangenheit sehr deutlich. Die Investorengespräche sollen in den nächsten Wochen weitere Fortschritte bringen. Eine zügige Lösung im laufenden Verfahren könnte die Zukunft der Fabrik in der Stadt Düsseldorf sichern.








