Alibaba und die 62 Euro

Die Macht der Großen: Die Börsengänge zeigen, dass die Stimmung gut ist.
Die Macht der Großen: Die Börsengänge zeigen, dass die Stimmung gut ist.

Der Börsengang von Alibaba hat Wellen geschlagen und Fragen aufgeworfen. Einmal wollen Investoren wissen, ob Unternehmen heute umso wertvoller sind, je stärker sie in der virtuellen Welt verortet sind. Andere wiederum haben fast schon Angst, dass eine neue IPO-Blase vor der Tür steht. Die Wahrheit liegt genau in der Mitte. 

Das Schwierige an der aktuellen Börsenphase ist die fehlende Vergleichbarkeit mit früheren Perioden. In Gesprächen mit Vermögensverwaltern werden derzeit immer wieder amerikanische Hedgefonds genannt, die ein Zinsniveau in den USA von mehr als vier Prozent für wahrscheinlich halten – binnen 18 Monaten! Wenn das passiert, ist Alibaba, mit einer Erstnotiz von 62 Euro und einem Börsenwert von 168 Mrd. US-Dollar, keineswegs zu teuer bepreist, denn dann steht ein regelrechter Wirtschaftsboom in den USA auf der Agenda. Dadurch würden Aktien im Allgemeinen und Titel von Unternehmen mit einer monopolähnlichen Marktstellung nachhaltig im Kurs getrieben. Aufgrund ihres Wachstums würde ihnen ein Bewertungsaufschlag zugestanden – im Falle von Internetkonzernen auch wegen der Fähigkeit, konjunkturunabhängig Margen zu erzielen und zu halten. Ein Leitzins von vier Prozent  wäre gut für die Aktienmärkte, weil dies eine Rückkehr zur alten Normalität bedeuten würde.

Kaufen, wenn die Kanonen donnern?

Sofern die Prognose mit vier Prozent Zins stimmen sollte, sind zudem Börsengänge wie jener von Rocket Internet vielleicht nur der Anfang eines neuen IPO-Booms. Unabhängig von diesen Vermutungen gibt es daneben auch einige harte Fakten, die erklären, warum die Börsen trotz aller Krisen nicht so recht korrigieren wollen. Was wir aktuell sehen, ist allenfalls eine Konsolidierung, auf hohem Niveau und scheinbar ohne irgendwelchen Abgabedruck. Wenn der Markt bei all den schwelenden Konflikten und der Renaissance der Kriege auf dieser Welt nicht fallen will, dann deshalb, weil er eigentlich nach oben möchte. Das klingt banal, aber Märkte im Haussemodus sind nicht einfach auszuschalten oder durch einen US-Angriff auf IS-Stellungen aus den Angeln zu heben. Für die Wall Street gibt es einen Spruch, der da lautet, Anleger sollten kaufen, wenn die Kanonen donnern. Aktuell tun sie das, denn Obamas USA spielen wieder einmal Weltpolizei. Dies gepaart mit einer Aussicht auf eine wirtschaftliche Schönwetterperiode samt einem Polster von mehr als 3 Bio. US-Dollar, die amerikanische Unternehmen in Cash akkumuliert haben. Allesamt triftige Gründe, nicht allzu pessimistisch zu sein. Alibaba hat gezeigt, dass ambitioniert bewertete Unternehmen Anlegervertrauen auf sich ziehen können, dass Kapital für solche Investments vorhanden ist.

Blick weg vom Scheinwerferlicht

Doch sollten Investoren den Blick nicht allein auf solche Branchen und Unternehmen richten. Alibaba ist nicht der Markt, sondern ein Indiz dafür, dass die Sorglosigkeit bei den Investoren größer geworden ist. Es „geht“ wieder vieles im aktuellen Umfeld. Das spricht eher für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends an den Börsen. Denn nach einer Krise folgt immer eine Phase der Entspannung, und das antizipiert die Börse. Alibaba wird rückblickend betrachtet vielleicht eine Initialzündung für den nächsten Hausseschub gewesen sein, nicht jedoch der Treibstoff. Ob das Unternehmen dann noch in aller Munde ist, wird sich zeigen. Gut möglich, dass andere Titel dann besser als die chinesische Konsummaschine performt haben werden.