Die finanzielle Restrukturierung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Sanierung von Unternehmen. Die Möglichkeiten an Maßnahmen sind vielfältig und für den Laien nicht immer zu durchschauen. Ein frühzeitiges Krisenmanagement kann helfen. 

Maßnahmen verknüpfen

Warnt davor, im Restrukturierungsfall vorschnell Kapital aufzunehmen: Thomas Sittel von goetzpartners (© privat)
Warnt davor, im Restrukturierungsfall vorschnell Kapital aufzunehmen: Thomas Sittel von goetzpartners. (© privat)
Handelsparkett der Börse Stuttgart: Sie gilt als Vorreiter für Mittelstandsanleihen in Deutschland (© Börse Stuttgart GmbH)
Handelsparkett der Börse Stuttgart: Sie gilt als Vorreiter für Mittelstandsanleihen in Deutschland. (© Börse Stuttgart GmbH)

Die Schwierigkeiten einer finanziellen Restrukturierung entstehen häufig durch eine oftmals heterogene und komplexe Finanzierungsstruktur von Sanierungsfällen. Auch die strengere Regulierung der Banken macht das Finanzierungsumfeld für Banken nicht einfacher. Zu diesem Ergebnis kommt die „Restrukturierungsstudie 2015″ der Wirtschaftsprüfer von Roland Berger. Die Verfasser sind der Auffassung, dass eine Neuaufstellung der Unternehmensfinanzierung entscheidend ist, um eine erfolgreiche Restrukturierung und den Fortbestand eines Unternehmens zu garantieren. Allerdings führt die oft hohe Anzahl an Stakeholdern, neben klassischen Banken häufig auch Anleiheinvestoren, Hedgefonds oder Mezzanine-Fonds mit ihren unterschiedlichen Interessen und Besicherungsstrukturen zu erhöhten Anforderungen an ein umfassendes Stakeholder-Management. Trotz des günstigen Finanzierungsumfeldes berge billiges Geld auch neues Gefahrenpotenzial und lege damit die Basis für zukünftige Restrukturierungsfälle, so die Wirtschaftprüfer von Roland Berger in ihrer Studie. Die Verknüpfung mehrerer Finanzierungsmaßnahmen unter Berücksichtigung der heterogenen Gläubigerstruktur, vor allem die Verbindung einer Barkapitalerhöhung mit einem Debt Equity Swap und einem Schuldenschnitt, garantiere dabei weitaus höhere Erfolgschancen als die Konzentration auf eine einzige Maßnahme. Vor allem da es die eine Lösung nach allgemeingültiger Expertenmeinung gar nicht gibt. Mit neuen finanziellen Zuwendungen oder Zinsmaßnahmen allein ist es aber nicht getan. „Was leider häufig zu kurz kommt, sind notwendige betriebswirtschaftliche Restrukturierungen“, warnt Thomas Hoffmann, Co-Leiter Restrukturierung und Insolvenz bei der Wirtschaftskanzlei Noerr. „Verlustbringer werden oft nicht beseitigt, sondern weiter durchgefüttert. Das kann sich in Zeiten knapperen Geldes schnell rächen.“ Denn auch wenn viele Banken absagen, derzeit findet sich im aktuellen Finanzierungsumfeld immer jemand, der finanziert, ergänzt Thomas Sittel, Partner beim Beratungshaus goetzpartners. Die Gefahr einer Blase sieht er allerdings noch nicht. „Wir haben immer noch einen Leverage von knapp unter fünf. Zu den Hochzeiten der Finanzkrise lag dieser bei über sechs.“

 Wo sind die Anleihen hin?

Wolf Waschkuhn/One Square Advisors (© privat)
Sieht High Yield Bonds als Alternative zu Mittelstandsanleihen: Wolf Waschkuhn von One Square Advisors. (© privat)

Noch vor wenigen Jahren entbrannte ein regelrechter Hype um die Anleihen mittelständischer Unternehmen – inzwischen gilt der Markt als tot. „Natürlich gibt es weiterhin einen Bedarf an öffentlich notierten Schuldtiteln“, moniert Wolf Waschkuhn von One Square Advisors. „Allerdings verlangen Gläubiger heute nach einergrößeren Transparenz und weiter gehenden Eingriffsrechten.“ Über derartige Eigenschaften verfügen viele der traditionellen Mittelstandsanleihen nicht, folglich seien entsprechende Anleihen am aktuellen Markt kaum mehr gefragt. Einen Ausweg sieht Waschkuhn in der Aufnahme von High Yield Bonds. „Dabei können Schuldner daran gehindert werden, weitere Schulden aufzunehmen, welche zulasten bestehender Gläubiger ausfallen. Zudem enthalten High Yield Bonds jene Transparenz und Mitspracherechte, die man in klassischen Mittelstandanleihen zuweilen noch vergeblich suchte. Andererseits: Neben den höheren Anforderungen an Transparenz und Mitsprache erweisen sich High Yield Bonds, typischer unter New Yorker Recht herausgegeben, zuweilen als rechtlich sehr komplexe Konstrukte. „Nach deutschem Recht müssten diese deutlich verschlankt werden, um sie für ein mittelständisches Unternehmen besser anwendbar zu machen“, so Waschkuhn. Die Deutsche Privat Placement Plattform (DPPP) nimmt den Gedanken eines verbesserten Investorenschutzes auf und hat bereits eine Reihe von namhaften und willigen Investoren hinter sich gebracht, die durchaus unter einer angepassten Dokumentation weiterhin investieren würden. Ein mithin probates Mittel bleibt, die Fälligkeit bestehender Anleihen zu verlängern und die Zinsen des Anleihe-Coupons gegen Angebot eines Wertaufholungsinstrumentes anzugleichen. „Denn häufig bleibt als Alternative nur die Insolvenz“, warnt One Square-Experte Waschkuhn.