Die starke Erholung der deutschen Wirtschaft hat zu einem deutlichen Rückgang von Restrukturierungsfällen geführt. Nun liegt die zentrale Herausforderung für mittelständische Unternehmen darin, den Aufschwung und das eigene Wachstum effizient zu managen.Denn eines ist sicher: Der nächste Abschwung kommt bestimmt. Und hierfür gilt es, schon jetzt die Weichen zu stellen.

Stand in der Rezession die Liquidität und damit die Optimierung des Working Capital an erster Stelle, geht es nun darum, die strategische Ausrichtung der Unternehmen voranzutreiben. Zudem müssen die Finanzierungskraft gestärkt, Kapitalrücklagen gebildet und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. So verlagert sich auch die Arbeit von Restrukturierungsexperten bei der Unterstützung von Unternehmen aktuell immer mehr in Richtung Profitabilitäts-Steigerung.

Dennoch drohen auch im Konjunkturhoch Gefahren für Unternehmen, die es in den Griff zu bekommen gilt. Risiken bergen insbesondere die EU-Schuldenkrise, steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie der anziehende Fachkräftemangel. Abgesehen von den vielfältigen konjunkturunabhängigen Faktoren, die Firmen jederzeit an den Rand der Insolvenz treiben können, wie Managementfehler, mangelnde Kundenorientierung, zu wenig Innovation, Nachfolgestreitigkeiten oder schwaches Controlling.

Die größte Gefahr in guten Zeiten besteht jedoch darin, dass Unternehmen wieder in jene typischen Verhaltensmuster zurückfallen, die sie zuvor in die Krise gebracht haben. Häufig schaffen sie erneut zu große Strukturen, vernachlässigen die Kostendisziplin und bauen nicht genügend Kapitalreserven auf. Das rächt sich dann in späteren Abschwungphasen. „Ein Unternehmen sollte immer so flexibel aufgestellt sein, dass es bereits mit 70% Kapazitätsauslastung immer noch den Break-even erreicht“ lautet das Credo von Dr. Walter Bickel von Alvarez & Marsal. Wer das schafft, kann gut auf konjunkturelle Schwankungen reagieren.

Markus Hofelich war von 2006 bis 2013 Chefredakteur der Unternehmeredition.