Weichen rechtzeitig stellen

Unter Umständen ist es dann auch nicht mehr möglich, (unternehmensintern) einen qualifizierten Kandidaten als Nachfolger aufzubauen. Problem verschärfend kommt hinzu, dass die bereits spürbare Verknappung von Fach- und Führungskräften sich auch auf die Anzahl potenzieller Nachfolger auswirkt. Vor allem in weniger attraktiven Regionen bzw. in Branchen, die bereits unter Nachwuchsmangel leiden, ist mit Problemen zu rechnen. Hier empfiehlt es sich, auch bisher wenig berücksichtigte Personengruppen wie Frauen oder Migranten als potenzielle Nachfolger in Betracht zu ziehen.

Die ökonomischen Voraussetzungen müssen stimmen

Eine erfolgreiche Übergabe hängt aber auch maßgeblich davon ab, dass ein realistischer Unternehmenswert ermittelt wird und man sich von falschen Illusionen über den Kaufpreis und die Übergabechancen verabschiedet. Häufig genug scheitern Nachfolgelösungen – insbesondere bei Kleinstunternehmen und Handwerksbetrieben – an den fehlenden ökonomischen Grundvoraussetzungen. Ein Übernehmer lässt sich jedoch nur dann gewinnen, wenn das Unternehmen auch gute Zukunftsaussichten besitzt und den Renditeerwartungen des Interessenten entspricht. Prinzipiell gilt: Unterlassen die Inhaber längere Zeit Investitionen, sinkt der Ertragswert des Unternehmens – und somit dessen Attraktivität. Tatsächlich weisen übergebene Unternehmen häufig ein Jahr vor der Übergabe im Durchschnitt eine um 28,8 Prozentpunkte niedrigere Investitionswahrscheinlichkeit auf als andere Unternehmen. Eines ist daher sicher: Die Übergabechancen sinken, wenn in das Unternehmen in Erwartung des eigenen Rückzugs peu à peu weniger investiert wird.

Konsequenter Rückzug nach der Übergabe

Wer sich schließlich zur Übergabe entschieden hat, sollte diesen Schritt auch konsequent vollziehen – und sich vollkommen zurückziehen. Tatsächlich stellt dieser Schritt für viele Übergeber eine hohe Hürde dar – ein weiterer Grund, an dem einige Nachfolgen scheitern. Dabei bietet jede Übergabe große Chancen für die Weiterentwicklung des Unternehmens – vorausgesetzt, der Alt-Inhaber vertraut den Fähigkeiten und Kompetenzen seines Nachfolgers. Unsere Untersuchungen zeigen, dass – unabhängig von der Größe des übernommenen Unternehmens – ein Großteil von ihnen nicht nur notwendige Investitionen realisiert, sondern auch neue Ideen, Produkte oder Verfahren einbringt. Diese Maßnahmen wirken sich in der Regel positiv auf die Rentabilität aus – was wiederum nachhaltig den Fortbestand des Unternehmens sichert.

Fazit

Die Zahl der zur Übergabe anstehenden Unternehmen wird weiterhin steigen, da die Alterung der Erwerbsbevölkerung auch vor den Selbstständigen nicht halt macht. Da zugleich das Übernahmepotenzial kontinuierlich sinkt, muss sich jeder Unternehmer frühzeitig mit der Frage beschäftigen, in welcher Weise das eigene Unternehmen nach dem eigenen Ausscheiden weiterbestehen soll.


Zur Person

Dr. Rosemary KayDr. Rosemarie Kay ist stellvertretende Geschäftsführerin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Sie forscht seit Jahren über das Thema „Unternehmensnachfolge“. www.ifm-bonn.org