Mitarbeiteraktien bei Siemens

Mehr als 100.000 Mitarbeiter investierten 2021 in ihr Unternehmen, das aktuell einen Börsenwert von mehr als 120 Mrd. EUR bringt.
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Mitarbeiter am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen und dadurch ihre Loyalität zu fördern ist Ziel der Mitarbeiterbeteiligung und zentraler Bestandteil der Unternehmenskultur von Siemens. Die Erfolgsformel dahinter ist ganz einfach: Mitarbeiter sind als Miteigentümer motivierter und engagierter, übernehmen Verantwortung und handeln im Sinne langfristigen Unternehmenserfolgs. Weltweit gibt es (Stand: September 2021) mehr als 188.000 Mitarbeiteraktionäre (Siemens AG und Siemens Healthineers AG zusammengenommen) – was etwa 62% der rund 303.000 Beschäftigten bedeutet. Die Geschichte der Teilhabe bei Siemens hat seine Ursprünge bereits im 19. Jahrhundert.

Schon Werner von Siemens hatte die Vision, Mitarbeiter zu Eigentümern des Unternehmens zu machen. Bereits 1858 wurden die Beschäftigten von Siemens & Halske erstmals am Gewinn der Firma beteiligt. Acht Jahre später führte Werner von Siemens eine Inventurprämie ein, mit der die „Siemensianer“ über den regulären Lohn hinaus am gemeinsam erwirtschafteten Gewinn partizipierten. 1927 belebte sein Sohn Carl Friedrich, der damalige „Chef des Hauses“, dieses Element der betrieblichen Sozialpolitik neu, indem er eine vom Geschäftserfolg abhängige jährliche „Abschlussprämie“ für Tarifangestellte und Arbeitende etablierte. Nach der Zäsur des Zweiten Weltkriegs und einer Übergangsphase des Wiederaufbaus beschloss die Firmenleitung 1951 angesichts der günstigen Geschäftsentwicklung die Wiedereinführung der Erfolgsbeteiligung; eine Entscheidung, mit der man die Tradition aus früheren Jahren fortschreiben wollte. Seit 1969 schließlich haben die Siemens-Mitarbeiter in Deutschland die Möglichkeit, Aktien der Siemens AG zu Vorzugskonditionen zu erwerben.

Steckbrief Mitarbeiterbeteiligungsprogramm

Siemens AG
Jahr der Einführung: in Deutschland 1969; Redesign und globale Einführung 2008
Programmtyp: Match
Diskont/Rabatt/Match/Zuschuss: Zuschuss (nur Deutschland) & Match
Programmmerkmale: 3:3:1 => Aktien drei Jahre halten, für je drei gekaufte Aktien eine Matchingaktie erhalten; drei unterschiedliche Programme:
• Basis-Aktien-Programm in Deutschland (Investment + Zuschuss)
• Monatlicher Investmentplan (global für Mitarbeitende)
• Share Matching Plan (global für leitende Angestellte)
Nutzung steuerlicher Freibeträge: Deutschland ja, weitere Länder nein
Haltefrist: keine (aber drei Jahre, um Match zu erhalten)
Angebotsfrequenz: jährlich
Zahl Teilnahmeberechtigte: > 230.000
Teilnahmequote: Durchschnitt aller teilnehmenden Länder: 44%
Länderabdeckung: 60 Länder
Besonderheiten: einheitliches, länderübergreifendes Mitarbeiteraktienprogramm; Dividenden werden reinvestiert in Aktien; zentrale Administration; Siemens Healthineers mit eigenem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm
Administration: Intern, Equatex
Verwahrart: Sammeldepot
Kontakt: Markus Stebe

Neue Wege der Erfolgsbeteiligung – Siemens führt Belegschaftsaktie ein

Als es in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre konjunkturbedingt zu einer Kürzung der Gewinnbeteiligung kam, verständigte man sich darauf, die Belegschaft ersatzweise am Produktivvermögen des Hauses zu beteiligen. Die ersten Belegschaftsaktien kamen 1969 zu einem Vorzugspreis von 156 DM; dieser Betrag entsprach dem halben Börsenkurs am Tag der Beschlussfassung (23. Januar 1969). Gemäß den Richtlinien des damaligen Belegschaftsaktiengesetzes mussten weder auf die Differenz zwischen Vorzugspreis und Börsenkurs noch auf den Kaufpreis selbst Sozialabgaben und Steuern gezahlt werden. Da der sogenannte geldwerte Vorteil 500 DM pro Person und Kalenderjahr nicht überschreiten durfte, konnte jeder teilnahmeberechtigte Beschäftigte maximal drei Siemens-Aktien erwerben, die dann einer gesetzlich vorgeschriebenen Sperrfrist von fünf Jahren unterlagen. Insgesamt wurden 1969 schließlich 135.725 Belegschaftsaktien im Nominalwert von 6,8 Mio. DM ausgegeben. Der Erfolg dieser ersten Aktion – 24% der Siemens- Mitarbeiter in Deutschland machten von dem „allgemeinen Angebot“ Gebrauch – ermutigte die Geschäftsleitung, auch in den kommenden Jahren Stammaktien zu Vorzugspreisen anzubieten.

Stolzer Gewinn vom Eintritt bis zum Rentenalter

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ermittelte 2017, dass eine bei Siemens beschäftigte Person, die beginnend 1969 und in einem Alter von 18 Jahren alle steuerfreien Aktienangebote angenommen und zwischenzeitlich keine Aktien verkauft hat, zum Renteneintritt mit 65 Jahren in ihrem Depot 2.176 Aktien im Wert von 217.600 EUR hält. Dem gegenüber steht eine eigene Investition von 18.319 EUR: Es bleibt ein Gewinn von stolzen 199.281 EUR. Hinzu kommen Einnahmen aus Dividenden, Bezugsrechten und Steuerguthaben.

Von der Belegschaftsaktie zur global aktienorientierten Unternehmenskultur

Mit dem stetig steigenden Umsatzvolumen und der sich verbessernden Ertragslage stieg der Unternehmenswert immerzu. Wie es schon in den „Siemens-Mitteilungen“ im Februar 1969 berichtet wurde, sollten „an diesem Wertzuwachs nach dem Willen der Firmenleitung künftig auch breitere Kreise der Belegschaft teilnehmen können“. Und es wuchs die Überzeugung, dass das Angebot, Belegschaftsaktien zu erwerben, dazu ein „kräftiger Anreiz“ war. Schon früh gab es Überlegungen, auch den Mitarbeitern außerhalb Deutschlands Siemens-Aktien zum Kauf anzubieten.

Mitarbeiter am Erfolg zu beteiligen hat bei Siemens eine lange Tradition. Foto: Siemens

Entsprechend war es grundsätzlich allen Landesgesellschaften freigestellt, sich an den „Aktienaktionen“ zu beteiligten; die Differenz zwischen Börsenkurs und Vorzugs-preis sollte von den Landesgesellschaften getragen werden. Doch ob-wohl mehrere Gesellschaften Interesse an dieser Form der Mitarbeiterbeteiligung zeigten, scheiterte eine Annahme des Angebots an zahlreichen lokalen Besonderheiten. Einzig Siemens Niederlande bot seinen Beschäftigten ab 1975 Aktien zum Vorzugspreis an. In Deutschland entwickelte sich das Siemens-Aktienprogramm im Verlauf der vergangenen 50 Jahre zu einem integralen Bestandteil der Mitarbeiterorientierung.

„Wenn das Ergebnis eines Geschäftsjahres es uns möglich macht, eine Dividende zu zahlen, dann wollen wir auch die Belegschaft, die zu diesem günstigen Ergebnis beigetragen hat, an diesem Erfolg teilhaben lassen.“

HERMANN VON SIEMENS
12. Oktober 1951

Angesichts der hohen Nachfrage beschloss die Unternehmensleitung im Jahr 2008, die Beteiligung der Mitarbeiter und Führungskräfte am wirtschaftlichen Erfolg im Sinne einer „aktienorientierten Unternehmenskultur“ auszuweiten. Alle Beschäftigten weltweit und über sämtliche Hierarchieebenen hinweg erhalten seitdem die Möglichkeit, sich am Erfolg von Siemens zu beteiligen. Unter Beachtung der jeweils landesspezifischen Gegebenheiten werden nun Mitarbeiteraktienprogramme aufgelegt. Besonders erfolgreich ist bis heute das im Jahr 2008 eingeführte „Share Matching Program“. Mitarbeiter, die ihre Aktien drei Jahre lang auf dem Depot des von Siemens benannten Dienstleisters halten, bekommen für je drei dieser Aktien eine zusätzliche Siemens-Aktie („Matchingaktie“). Ergänzend hat die Siemens AG im Rahmen des globalen Aktienprogramms im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 490.000 kostenlose Bonusaktien an Mitarbeiter ausgekehrt.

Siemens AG (ISIN: DE0007236101) – Kursentwicklung seit 1991
Quelle: onvista

FAZIT

Heute ist das jährlich angebotene globale Siemens-Aktienprogramm eines der weltweit größten Mitarbeiteraktienprogramme: Mehr als 100.000 Mitarbeiter und damit nahezu 44% aller Berechtigten investierten 2021 in ihr Unternehmen, das aktuell einen Börsenwert von mehr als 120 Mrd. EUR auf die Waage bringt. Zusammen halten die Siemens-Belegschaftsaktionäre einen Anteil von circa 3% aller Siemens-Aktien (Wert: etwa 3,6 Mrd. EUR) – und gehören damit zu den größten Siemens-Investoren. Eine Erfolgsgeschichte in Sachen Aktienkultur, an der sich durchaus noch mehr deutsche Unternehmen orientieren könnten.


KURZPROFIL SIEMENS AG

Gründungsjahr: 1847
Branche: Mischkonzern mit den Schwerpunkten Automatisierung und Digitalisierung in der Industrie, Infrastruktur für Gebäude, dezentrale Energiesysteme, Mobilitätslösungen für den Schienen und Straßenverkehr sowie Medizintechnik
Unternehmenssitz: Berlin und München
Umsatz: 62,3 Mrd. EUR; Geschäftsjahr endet am 30.09.
Mitarbeiterzahl: 303.000
ISIN: DE0007236101
Marktkapitalisierung: 123,7 Mrd. EUR (Stand: 19.11.2021)
www.siemens.com


Der Beitrag ist Teil des Spezials „Mitarbeiterbeteiligung 2021“.

Autorenprofil
Maximilian Wolfersdorfer
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