Die Orlando Management AG konzentriert sich seit 2001 im deutschsprachigen Markt auf Investments in besonderen Unternehmenssituationen. Im Interview spricht Dr. Henrik Fastrich, Managing Partner der Orlando Management AG, über Markttrends an der Schnittstelle zwischen Private Equity, Nachfolge im Mittelstand und Restrukturierung sowie über die eigene Investitionsstrategie.

Unternehmeredition: Herr Dr. Fastrich, welche Rolle spielt das Thema Private Equity (PE) heute bei Krisenfällen im Mittelstand? Welchen Mehrwert können PE-Investoren bei der Restrukturierung leisten?
Dr. Fastrich:
Ich schätze, dass etwa 20% aller Private-Equity-Investitionen in Deutschland Restrukturierungsfälle im Mittelstand sind. Ein großes Feld der Unternehmen ist derzeit sehr gut aufgestellt. Jedoch können Finanzinvestoren auch dort einen großen Beitrag leisten. Wir treffen auf sehr viele Mittelständler, die sich aufgrund einer fehlenden Nachfolgeoption im Familien- oder Gesellschafterkreis intensiv mit der Übergabe ihrer Unternehmen in neue Hände auseinandersetzen. Geschehen solche Überlegungen zu spät, werden nicht selten wichtige Entwicklungen verpasst, so dass man als Mittelständler ins Hintertreffen geraten kann. Notwendige, oft schmerzliche Anpassungen werden nicht vorgenommen, und dann kommen auch ehemals erfolgreiche Firmen in Schwierigkeiten. PE-Investoren können helfen, Unternehmen auf das Wettbewerbsumfeld neu auszurichten, Strukturen zu verschlanken, Prozesse und die Wertschöpfung zu verbessern. PE ist in der Lage, durch frisches Kapital notwendige Investitionen zu finanzieren und durch Bereitstellung von erfahrenen Managern dem Unternehmen zu helfen, nötige Veränderungen durchzusetzen.

Unternehmeredition: Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen mit Restrukturierungsbedarf erfüllen, um für darauf spezialisierte Private Equity-Unternehmen interessant zu sein?
Dr. Fastrich:
Ein Kandidat muss über einen gesunden Kern, eine gute Marktposition und Produkte verfügen, die auf dem neuesten Stand der Technik sind. In Frage kommen Unternehmen mit intaktem Geschäftsmodell, die aufgrund der Konjunktur oder der Finanzstruktur in schwieriges Fahrwasser geraten sind. Zudem sollten erfolgversprechende Turnaround-Maßnahmen definiert werden können – das wäre das perfekte Target.

Unternehmeredition: Welche Investitionsstrategie verfolgen Sie?
Dr. Fastrich:
In den letzten zwei Jahren haben wir verstärkt in „Perlen mit Schönheitsfehlern“ investiert, also in klassische profitable Mittelständler in Nachfolgesituationen, bei denen noch Verbesserungsbedarf und Wachstumspotenzial bestehen. Vor und in der Krise hatten wir Spin-offs deutscher Konzerne mit teilweise erheblichem Sanierungsbedarf übernommen. Insgesamt investieren wir eher in Restrukturierungsfälle, wenn die Unternehmen über mehr als 100 Mio. EUR Umsatz verfügen, um den hohen Aufwand einer Sanierung zur rechtfertigen. Bei kleinen Unternehmen sollten die Themen nicht so komplex sein und mit wenigen Stellschrauben wieder auf den richtigen Kurs gebracht werden können.

Unternehmeredition: Welche Investitionskriterien setzen Sie an?
Dr. Fastrich:
Wir investieren sehr opportunistisch, unabhängig von bestimmten Branchen aber ausschließlich in Geschäftsmodelle, die wir verstehen. Wir sind auch eher B2B als B2C orientiert. Wir lieben Produktionsunternehmen: Dort gibt es Prozesse und Strukturen, die man klar analysieren und verbessern kann. Wir haben aber auch schon Dienstleistungs- und Handelsunternehmen erworben. Außerdem ist es für uns wichtig, den Kundennutzen, den ein Unternehmen stiftet, zu verstehen. Daher würden wir z.B. keine Firmen im Fashion-Bereich kaufen, bei denen der Erfolg von einer Kollektion abhängen kann und ein Großteil der Wirksamkeit der Ausgaben für Marketing, Vertrieb und Events nur sehr schwer messbar ist. Unser Fokus liegt auf Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 500 Mio. EUR

Unternehmeredition: Was ist Ihr USP, wie unterscheiden Sie sich von anderen PE-Gesellschaften bzw. Restrukturierungsspezialisten?
Dr. Fastrich:
Wir sind ein sehr erfahrenes Team, jeder unserer fünf Partner ist mindestens seit 15 Jahren im Geschäft. Wir verstehen uns selbst nicht als Investoren, sondern als Unternehmer. Wir investieren vor allem unser eigenes Geld und nicht nur das Geld anderer Leute – das schärft den Blick. Außerdem gehen wir mit großer Kreativität vor und erkennen attraktive Situationen, die andere nicht so wahrnehmen. In der Execution sind wir sehr stark und halten diese für noch wichtiger als die beste Strategie. Wir legen einen starken Fokus darauf, nah am Unternehmen und am Management zu sein.

Unternehmeredition: Orlando wurde 2001 gegründet. Wie viele Investments haben Sie bereits getätigt?
Dr. Fastrich:
Seit 2001 haben wir in 23 Unternehmensplattformen investiert. Darüber hinaus suchen wir stets nach möglichen Add-on-Akquisitionen für unsere Portfoliounternehmen. Wenn man diese dazuzählt, kommt man auf ca. 45 Transaktionen. Dabei entfällt etwa die Hälfte auf klassische Restrukturierungsfälle und die andere Hälfte auf Nachfolgefälle und Wachstumssituationen. Darunter waren einerseits schwierige, komplexe Fälle, wie etwa die Flensburger Schiffswerft mit ca. 250 Mio. EUR Umsatz, die mitten in der Wirtschaftskrise Ende 2008 übernommen wurde. Andererseits haben die von uns beratenen Fonds in den letzten drei Jahren ebenso kleinere, profitable Unternehmen erworben, darunter drei Möbelhersteller, wie etwa Staud, den deutschen Marktführer für Schlafraummöbel mit einem Umsatz von fast 50 Mio. EUR: eine klassische Nachfolge nach 360 Jahren Familienbesitz.

Unternehmeredition: Welche Ziele stehen dieses Jahr auf Ihrer Agenda?
Dr. Fastrich:
Dieses Jahr wurde bereits in die Pflegeheimkette Helvita mit zehn Häusern und 1.200 Betten investiert. Bis Jahresende sollen noch mindestens drei Unternehmen erworben werden. Durchschnittlich werden in einem Jahr zwei bis drei Neuinvestitionen getätigt. Exits sind immer ein Thema: Wenn wir zu dem Schluss kommen, bei der Wertsteigerung keinen Beitrag mehr leisten zu können, werden wir Unternehmen verkaufen. Da unsere Investoren und wir aber langfristig denken und die meisten Unternehmen erst seit 2007, 2008 im Portfolio sind, werden die Exits wohl erst ab 2012, 2013 stattfinden. Außerdem werden wir in den nächsten zwölf Monaten einen neuen Fonds auflegen.

Unternehmeredition: Was ist Ihr wichtigster Rat an mittelständische Unternehmen im Umgang mit Private Equity?
Dr. Fastrich:
Unternehmer sollten offener mit dem Thema Private Equity umgehen. Bei der Auswahl des richtigen Partners gilt es zu unterscheiden, ob dieser eher unternehmerisch, langfristig orientiert oder nur auf einen kurzfristigen Cash-Erlös ausgerichtet ist. Schließlich ist es wichtig, einen Verkauf frühzeitig vorzubereiten und sich dabei gut beraten zu lassen.

Unternehmeredition: Herr Dr. Fastrich, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Dr. Henrik Fastrich
Dr. Henrik Fastrich ist Managing Partner bei Orlando Management AG. Die Münchener Private-Equity-Gesellschaft konzentriert sich im deutschsprachigen Markt auf Investments in besondere Unternehmenssituationen, wie z.B. komplexe Ausgründungen aus Konzernen, Nachfolgesituationen, Restrukturierungen und Neuausrichtungen. www.orlandofund.com