Wer kann investieren?

Von Götz A. Hoyer, Managing Partner, FHP Private Equity Consultants

Die scheinbar zurückliegende Wirtschaftskrise hat tiefe Spuren in den Bilanzen vieler mittelständischer Unternehmen hinterlassen. Gleiches gilt für die Mehrzahl der Banken, die in Zukunft wohl immer weniger für risikobehaftete Unternehmensfinanzierungen zur Verfügung stehen werden. Eigenkapitalinvestoren sind somit mehr denn je gefragt. Neben der Bereitstellung von Kapital ist jetzt vor allem die operative und strategische Unterstützung der Portfolio-Unternehmen besonders wichtig. Vorbei sind die Zeiten, in denen der Verkauf von Beteiligungen an den nächsten Fonds nahezu automatisch erfolgte und durch den überbordenden Einsatz von Fremdkapital die Rendite der Private Equity-Fonds ausgereizt werden konnte. Die Wertschöpfung von Private Equity-Investoren wird künftig (wieder) durch Umsatz- und Gewinnwachstum bei den Unternehmen erfolgen müssen.

Betreuung des Portfolios steht im VordergrundHeute wird von Investoren „Hands-on-Management“ erwartet. Sei es um ein Unternehmen zu restrukturieren, Wachstumschancen zu ergreifen oder aber Veränderungen im Gesellschafterkreis zu ermöglichen. Diese Aufgaben werden seit jeher von Small- und Mid-Market Buy-out-Fonds übernommen. Zielgruppe dieser Fonds sind mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 10 bis 500 Mio. EUR – in Ausnahmefällen auch noch größere. Die Betreuung der Portfolio-Unternehmen erfolgt neben der engen Begleitung durch den Investment-Manager in der Regel über Beiratsmandate; in Einzelfällen sogar durch die Übernahme der Geschäftsführung. Oft verfügen die Investoren selbst über unternehmerische Erfahrung und können Industrieexpertise mit Finanz-Know-how verbinden. Um sich ein Höchstmaß an Einflussnahme zu sichern, werden im Rahmen von Management Buy-outs vorwiegend Mehrheitsbeteiligungen abgeschlossen. In Gegensatz hierzu stehen (halb-)öffentliche Beteiligungsgesellschaften, wie beispielsweise die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften. Diese Investoren begnügen sich auch mit „unternehmerfreundlichen“ Minderheitsbeteiligungen, können aber häufig nur kleinere Finanzierungen darstellen und nicht aktiv zur Wertsteigerung des Unternehmens beitragen. Angesichts des steigenden Wettbewerbsdrucks durch diese Anbietergruppe zeigen sich private Fonds zunehmend flexibel und bieten immer häufiger auch Minderheitsbeteiligungen an. Aktuell sind in Deutschland über 30 private Gesellschaften aktiv, von denen rund ein Drittel auch Minderheitsbeteiligungen zulässt.

Investitionsdruck der Fonds

Im Jahr 2009 erfolgten trotz des gestiegenen Eigenkapitalbedarfs vieler Unternehmen kaum Transaktionen. Zu groß war der Unterschied zwischen den Preisvorstellungen der Verkäufer und der Investoren als potenziellen Käufern. Zeitweise fehlende Finanzierungsmöglichkeiten für Leveraged Buy-outs taten ihr Übriges. Die Anzahl der Mittelstandstransaktionen fiel von ihrem Höchstwert im Jahr 2007 um rund 60% auf nur gut 30 Beteiligungen und erreichte das niedrigste Niveau seit 1998. Gegenwärtig zeichnet sich eine Angleichung der Preisvorstellungen ab. Im Zuge gesunkener Risikoabschläge seitens der Investoren, nicht zuletzt durch verbesserte konjunkturelle Perspektiven, haben sich die Preise für Unternehmensanteile zuletzt wieder erholt. Auch wächst bei der Mehrzahl der Fonds der Anlagedruck. Viele wurden in den Jahren 2006 und 2007 aufgelegt. Für sie nähert sich das Ende der regulären Investitionsperiode. Allein die in Abb. 1 genannten Fonds verfügen noch über 6 Mrd. EUR für neue Investments, von denen rund 70% in den nächsten zwei Jahren investiert werden müssten. Andererseits sollten Kapital suchende Unternehmer nicht zu lange mit der Suche nach einem Investor warten. Seit dem Jahr 2009 wurden von den in Abb. 1 genannten Fonds lediglich sechs mit neuem Kapital ausgestattet. Auch für das laufende Jahr ist nicht mit der Schließung einer größeren Anzahl neuer Fonds zu rechnen. Viele institutionelle Investoren verfügen nach der Finanzmarktkrise nicht mehr über genügend Risikokapital oder werden aufgrund gesetzlicher Beschränkungen künftig weniger in Private Equity-Fonds investieren.

Steigender Bedarf an Eigenkapital

Gleichzeitig zeichnet sich ein weiterhin steigender Bedarf an Eigenkapital ab: Allein durch das Auslaufen standardisierter Mezzanine-Programme dürfte ab dem Jahr 2011 ein Folgefinanzierungsbedarf von bis 4,8 Mrd. EUR entstehen. Nachdem die Refinanzierung dieser Programme durch Verbriefung über den Kapitalmarkt heute nicht mehr möglich ist, fällt diese Finanzierungsquelle künftig weg. Weiterhin dürfte ein hoher Bedarf für die Finanzierung von Nachfolgelösungen in Familienunternehmen bestehen. Neuesten Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) zufolge stellt sich bis zum Jahr 2014 bei 3% der deutschen Familienunternehmen die Nachfolgefrage. Bezogen auf die Größenklasse von Unternehmen, die für Buy-out-Fonds interessant sind, entspricht dies hochgerechnet gut 1.400 Unternehmen.

Fazit:
Nach Wirtschaftskrise und (anhaltender) Finanzmarktkrise ist „intelligentes“ Eigenkapital mehr denn je gefragt. Unabhängige Buy-out-Fonds können Kapital mit operativem und strategischem Mehrwert bieten. Die Investoren haben gelernt, sich auf die Belange des Mittelstands einzustellen. Zunehmend werden Minderheitsbeteiligungen ermöglicht, die es vielen Unternehmern erleichtern, Private Equity-Investoren ins Haus zu holen. Auch ist der vorübergehende Einbruch bei den Unternehmenspreisen gestoppt. Fraglich ist jedoch, ob das künftig zur Verfügung stehende Angebot an Beteiligungskapital ausreichen wird, um den wachsenden Eigenkapitalbedarf des Mittelstands zu decken. Ab dem Jahr 2011, wenn die Mehrzahl der heute aktiven Fonds ausinvestiert sein dürfte, könnte bereits ein Engpass entstehen.