Image des Factorings wird besser

Mittelstand wird internationaler

„Der Trend geht dahin, dass die Factoring-Anbieter ihre Kunden bei ihrem Wachstum begleiten – auch ins Ausland“, sagt Folker Weise, Vertriebsleiter Deutschland der CIT Commercial Services (Europe) GmbH. „Man läuft den Kundenwünschen in gewisser Weise hinterher. Der Mittelstand wird internationaler – aber mit zunehmender Entfernung wird es schwieriger, die Bonität der Debitoren einzuschätzen. Da ist es wichtig, auch vor Ort präsent zu sein.“ Die CIT hat mit rund 1,4 Mrd. Euro Factoring-Umsatz auf dem deutschen Markt – durchschnittlich 40 Mio. pro Kunde – ihre Schwerpunkte in den Branchen Lebensmittelproduktion, Großhandel und Automobilzulieferer. Die US-Mutter CIT Group zählt mit einem Umsatz von gut 43 Mrd. Dollar weltweit zu den größten Factoren. Nicht nur Exportboom und Konjunkturaufschwung treiben den Factoring-Umsatz. „Als ich 1999 im Vertrieb abfing, war der Mittelstand noch sehr verschlossen“, erinnert sich Weise. „Seit etwa drei Jahren öffnet er sich zusehends, manche Unternehmen kommen von selbst auf uns zu.“ Ein wesentlicher Antrieb war die Suche nach Alternativen zur klassischen Kreditfinanzierung der Banken. Denn im Vorfeld von Basel II und verschärfter Eigenkapitalvorschriften hatten viele Geldinstitute ihre Kreditvergabe an Mittelständler restriktiver gestaltet. Die Bonität – und ein gutes Rating – wurde für die Firmen immer wichtiger. Dadurch geriet eine gesunde Bilanzstruktur mit entsprechender Eigenkapitalquote stärker ins Blickfeld. Alternativen zum Bankkredit mit dem Ziel der EK-Stärkung – das war die Richtung.


Harter Wettbewerb drückt die Preise

„Die Factoring-Kunden profitieren, denn die starke Konkurrenz drückt die Preise“, sagt Karrer. „Bei hohen Forderungsumsätzen und guter Bonität der Debitoren kann das Factoring-Entgelt in Einzelfällen nur 0,2% betragen.“ Der zweite Kostenfaktor, der Zins für die vorzeitige Liquiditätsbeschaffung, liege etwa zwischen 0,5 und 4,0 Prozentpunkten über dem 3-Monats-Zins am europäischen Geldmarkt – je nach Bonität, Volumen und Zeitraum bis zum Forderungseingang. Um die Zukunft ist den Factoring-Unternehmen nicht bange. „Wir sehen eine weiterhin positive Entwicklung“, sagt Dr. Karl-Joachim Lubitz, Sprecher der Geschäftsführung der Deutschen Factoring Bank, die sich auf mittelständische Kunden mit Forderungsvolumina ab 2 Mio. Euro spezialisiert hat. „Gerade im Aufschwung brauchen alle mehr Liquidität.“ RBS-Geschäftsführer Karrer erwartet für die Jahre 2007 bis 2009 ein jährliches Marktwachstum von rund 20%. Informationsbedarf und Potenzial im Mittelstand seien noch sehr groß.

Wermutstropfen Unternehmensteuerreform

Rechtliche Rahmenbedingungen könnten sich allerdings als Bremsfaktor erweisen. Verbandssprecher Secker – im Hauptberuf Vorstandschef der Heller Bank AG, die der Finanztochter des US-Konzerns General Electric angehört und einer der größten Player im Markt ist – kritisiert Regelungen der für 2008 geplanten Unternehmensteuerreform. Demnach sollen Diskontbeträge bei der Veräußerung von Geldforderungen zu 25% dem Gewerbe-Ertrag auf Kundenseite hinzugerechnet werden – mit der Folge höherer Steuerzahlungen. Zudem soll bei den Factoringgesellschaften die steuerliche Abzugsfähigkeit von Zinsausgaben deutlich eingeschränkt werden. Secker hofft hier noch auf Nachbesserungen, da sonst die Unternehmen in ihrer Finanzierung einen Standortnachteil hätten.

Fazit:
Factoring ist insbesondere für Unternehmen geeignet, die einen relativ hohen regelmäßigen Forderungseingang haben und die ihren Kunden weitgehende Zahlungsziele einräumen. Der Mittelstand öffnet sich mehr und mehr dem Forderungsverkauf und macht sich damit unabhängiger von der klassischen Bankenfinanzierung. Auf Anbieterseite zieht das Marktwachstum weitere Wettbewerber an, was den Kampf um die Kunden verschärft.
Bernd Frank

Factoring-Begriffe kurz erklärt


Debitor:
Schuldner, Kunde des Forderungsverkäufers
Debitorenmanagement: Debitorenbuchhaltung, regelmäßige Bonitätsprüfung, Mahnwesen, Inkasso.
Delkredere: Haftung des Factors für teilweisen oder vollständigen Forderungsausfall.
Echtes Factoring: Der Factor (die Factoringgesellschaft) übernimmt das Ausfallrisiko (Delkredereschutz). Geschieht dies nicht, handelt es sich um unechtes Factoring.
Fälligkeits-Factoring: Das Unternehmen lässt sich das Ausfallrisiko und das Debitorenmanagement vom Factor abnehmen, verzichtet aber auf die sofortige Begleichung der Forderungen („Vorab“-Zahlungen durch den Factor).
Full-Service-Factoring: Häufigste Factoring-Art, die neben der umsatzkongruenten Finanzierung auch eine 100%ige Absicherung des Ausfallrisikos und eine Entlastung beim Debitorenmanagement umfasst.
Inhouse- oder Bulk-Factoring: Das Unternehmen nutzt die Finanzierung und Risikoabsicherung durch den Factor, führt aber die Debitorenbuchhaltung selbst durch.
Kosten: Factoring-Gebühr ca. 0,3-2,0% der Forderungssumme – abhängig von Factoring-Umsatz, Leistungsumfang und Bonität der Kunden, die der Factor prüft, um das Ausfallrisiko einzuschätzen; Zinsen für den Zeitraum zwischen Rechnungsstellung und Zahlung durch den bzw. die Schuldner.
Nutzen: Verbesserung der Liquidität, Möglichkeit zu Einsparungen beim Einkauf durch Skonti und Rabatte, Sicherheit vor Zahlungsausfällen, Einsparung von Verwaltungsaufwand.
Offenes Factoring: Die Debitoren (die Kunden des Unternehmens) werden über den Forderungsverkauf informiert. Beim stillen Factoring geschieht dies nicht.
In Deutschland überwiegen das echte und das offene Factoring.
Reverse Factoring: Der Factor gewährt dem Unternehmen ein Zahlungslimit zum Einkauf von Material etc. Die Rechnung des Lieferanten geht an den Factor, der die Rechnung auch begleicht.

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