Eintrittskarte für den Kapitalmarkt?

Knackpunkt Finanzierung
Knackpunkt Finanzierung: Es gibt viele Alternativen zum klassischen Bankkredit.

Nahezu unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit verfügen mittelständische Unternehmen seit Jahren über eine gute Fremdfinanzierungsquelle, für die es praktische keine Regulierung gibt, die aber trotzdem frei von Skandalen und schwarzen Scharfen ist: den Schuldscheindarlehensmarkt.

Gerade in Deutschland – anders als in den USA – spielt die Fremdfinanzierung über Bankkredite für mittelständische  Unternehmen weiterhin eine herausragende, gleichwohl abnehmende Rolle. Die zunehmende Regulierung des Bankensektors erschwert Banken allerdings die Bereitstellung von langfristigen Kreditmitteln (Laufzeiten länger als fünf Jahre). „Auf der Suche nach Alternativen gelangen Unternehmen relativ schnell zu Themen wie Factoring, Anleihen, aber eben auch Schuldscheindarlehen“, weiß Andreas Becker, Leiter Firmenkundengeschäft der HSH Nordbank, zu berichten. Der große Vorteil von Schuldscheindarlehen liegt in ihrer Flexibilität begründet. Dies ist möglich, da der Markt für Schuldscheindarlehen zwar nicht reguliert ist, es andererseits aber einen „common sense“ aller Marktteilnehmer gibt, was machbar ist und was eben nicht. Dies ist sicher ein Grund dafür, dass es in den vergangenen Jahren faktisch keinen Ausfall eines Schuldscheindarlehens gegeben hat. Wesentliche Vorteile des Schuldscheindarlehens etwa gegenüber Mittelstandsanleihen sind die deutlich geringeren Einmalkosten, Schnelligkeit des Umsetzungsprozesses, Auswahlmöglichkeit beim Adressaten/Investorenkreis und die Flexibilität der vertraglichen Ausgestaltung etwa über unterschiedliche Laufzeitbänder. Auch bestehen keine Reputationsrisiken aufgrund der Nutzung dieses Marktsegmentes. Der Markt ist mit einem Volumen von über 50 Mrd. EUR deutlich größer als der Markt für Mittelstandsanleihen und kann Unternehmen als Sprungbrett für den Kapitalmarkt dienen.

Schuldscheindarlehen für alle Unternehmen geeignet?

Nein, denn die Investoren erwarten bestimmte Mindestkriterien, die ein Emittent erfüllen sollte. Zuallererst ein stabiles Investmentgrade-Rating oder zumindest die Aussicht darauf. Ein externes Rating einer anerkannten Ratinggesellschaft ist dabei keinesfalls ein Muss, lediglich wer auf Laufzeiten größer zehn Jahre und auf Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen als Investoren abzielt, sollte dies in Erwägung ziehen. Aber auch hier gibt es einen Ausweg: Wer die sogenannten GdV-Kriterien (Anlagekriterien von/für Versicherungsgesellschaften) erfüllt, kommt auch ohne externes Rating als Schuldner für diese Investoren in Frage.