„Die Nachfrage des Mittelstandes nach Private Equity hat zugenommen“

Die in Deutschland aktiven Beteiligungsgesellschaften haben im vergangenen Jahr 4,1 Mrd. Euro investiert – das sind rund 13% mehr als im Vorjahr. Das geht aus der Jahresstatistik 2007 des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) hervor

Die in Deutschland aktiven Beteiligungsgesellschaften haben im vergangenen Jahr 4,1 Mrd. Euro investiert – das sind rund 13% mehr als im Vorjahr. Das geht aus der Jahresstatistik 2007 des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) hervor. Im Interview spricht Dörte Höppner, Geschäftsführerin des BVK, über die Trends in der deutschen Beteiligungsbranche und über das kürzlich verabschiedete Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungsgesellschaften (MoRaKG).

Unternehmeredition: Frau Höppner, hat sich die Aufgeschlossenheit von deutschen mittelständischen Unternehmern gegenüber Private Equity in den letzten Jahren verbessert?
Höppner: Die Nachfrage des Mittelstands nach Private Equity hat zugenommen. Die Unternehmen erkennen, dass Private Equity als flexible Finanzierung in verschiedensten Situationen eingesetzt werden kann, etwa bei Nachfolgeregelungen oder der Umsetzung neuer Wachstumsstrategien. Dabei sind sowohl Mehrheits- als auch Minderheitsbeteiligungen möglich. Ein weiterer Grund für die zunehmende Hinwendung zu Private Equity ist zudem die aus der zurückhaltenderen Kreditvergabepraxis der Banken – Stichwort Basel II – resultierende Notwendigkeit, sich mit alternativen Finanzierungsformen auseinanderzusetzen. Zudem gibt es zahlreiche positive Beispiele für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Mittelständlern und Beteiligungsgesellschaften.

Unternehmeredition: Wie entwickeln sich gegenwärtig die Private Equity-Transaktionen im Mittelstandssegment?
Höppner: Wir verzeichnen in Deutschland eine anhaltend hohe Zahl von Private Equity-Transaktionen im Mittelstand. Deutschland ist ein interessanter Markt mit einer großen Zahl attraktiver, wachstumsstarker Unternehmen und Hidden Champions. Die Nachfrage nach Private Equity ist hoch, 2007 bekamen die Beteiligungsgesellschaften rund 39.000 Anfragen von Kapital suchenden Unternehmen. Neben klassischen Buyouts beobachten wir auch verstärkt Minderheitsbeteiligungen oder Wachstumsfinanzierungen mit Mezzanine-Kapital. Die Beteiligungsgesellschaften haben sich auf die Finanzierungswünsche des Mittelstandes eingestellt. So wünschen sich insbesondere Familienunternehmen eher eine Minderheitsbeteiligung. Zusätzlich attraktiv wird der Mittelstand, da die Subprimekrise sich in diesem Marktsegment praktisch nicht negativ ausgewirkt hat. Bei der Finanzierung kleinerer und mittlerer Investitionen machen auch die Banken mit und stellen zusätzliches Fremdkapital zur Verfügung. Grund: Bei diesen Transaktionsvolumina halten die Banken die Kredite in ihren Büchern und müssen sie nicht syndizieren.

Unternehmeredition: Wie schätzen Sie die Marktentwicklung für die nächsten zwölf Monate ein?
Höppner: Große Transaktionen wird man ab 2009 wieder häufiger sehen. Die Finanzmärkte werden bis dahin wieder weitgehend funktionieren. Für den Mittelstand werden sich die Finanzierungsbedingungen aufgrund von Basel II weiter verschlechtern. Durch den Einstieg eines Private Equity-Investors können die Unternehmen ihre Bonität erhöhen. Deshalb rechnen wir mit einer weiter wachsenden Nachfrage nach Private Equity.

Unternehmeredition: Was raten Sie Mittelständlern bei der Auswahl von Private Equity-Gesellschaften?
Höppner: Das Angebot an Beteiligungsgesellschaften mit dem Schwerpunkt Mittelstand ist groß. Mittelständler sollten sich die verschiedenen Gesellschaften ansehen und nicht nur die finanzielle Komponente bewerten, sondern das Gesamtkonzept und die sonstigen Mehrwerte, die die einzelnen Gesellschaften einbringen können. Bevor es zu einer Zusammenarbeit kommt, schauen sich beide Seiten tief in die Augen und in die Bücher. Auch die Chemie muss stimmen.

Unternehmeredition: Ende Juni wurde das Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungsgesellschaften (MoRaKG) verabschiedet. Wie beurteilen Sie das, und hat es Auswirkungen auf die Private Equity-Finanzierung des Mittelstandes?
Höppner:
Wir sehen das MoRaKG nur als ersten Schritt hin zu einem einheitlichen Private Equity-Gesetz. Mit dem MoRaKG werden sich die Rahmenbedingungen für die deutsche Private Equity-Branche insgesamt nicht grundlegend verbessern. Das neu geschaffene Wagniskapitalbeteiligungsgesetz hat aufgrund seiner Ausrichtung auf die Gründungsfinanzierung keine Relevanz für den klassischen Mittelstand, wird aber auch in der Frühphasenfinanzierung keine nachhaltigen Impulse bringen. Das durch das MoRaKG novellierte UBGG hat für die hiervon regulierten Unternehmensbeteiligungsgesellschaften leichte Verbesserungen gebracht, da das Gesetz an die aktuellen Gegebenheiten der Mittelstandsfinanzierung angepasst wurde. Es wird aber nicht dazu führen, dass mehr Beteiligungsgesellschaften diese Rechtsform wählen. Das Thema Beteiligungskapital für den Mittelstand ist deshalb hinsichtlich der gesetzlichen Rahmenbedingungen nach wie vor nicht optimal gelöst. Hier brauchen wir international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für unsere Branche.

Unternehmeredition: Frau Höppner, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Dörte Höppner
Dörte Höppner (bvk@bvkap.de) ist Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) e.V. Ziel des BVK ist, die Rahmenbedingungen für Beteiligungskapital in Deutschland zu verbessern. www.bvkap.de