Unternehmeredition: Herr Dr. Belter, was genau bietet das ZIM und mit welchen Zielen wurde es ins Leben gerufen?

Belter: Das ZIM wurde Mitte 2008 gestartet, um vorhandene Förderansätze für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zusammenzufassen, zu vereinheitlichen und damit einfacher für die Antragsteller zu machen. Dahinter steht das übergeordnete Ziel, die Innovationskraft der KMU zu fördern. Heute bietet das ZIM ein bundesweites Förderprogramm an, das für alle Technologiefelder und Branchen offen ist und bei dem die Unternehmen den Kurs der Projekte und ihre Partner selbst bestimmen können. Dafür stehen mehrere Optionen zur Auswahl, ob sie ihre Forschungsprojekte allein, in Kooperation mit anderen Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder in einem Netzwerk gleich gesinnter Partner umsetzen möchten.

Unternehmeredition: Für welche Mittelständler ist es geeignet? Welche Voraussetzungen müssen bei F&E-Projekten erfüllt werden, um eine Förderung zu erhalten?

Belter: Grundsätzlich in Frage kommen innovationsorientierte Mittelständler mit einer Größe von (derzeit) maximal 500 Beschäftigten, die in der Lage sind, ihre vorgesehenen finanziellen Eigenbeiträge während der gesamten Projektlaufzeit zu leisten. Die F&E-Projekte müssen auf die Entwicklung neuer Produkte, Verfahren und technischer Dienstleistungen abzielen, die bisherige Parameter deutlich übertreffen, sich am internationalen Stand der Technik orientieren und deren Entwicklung mit einem erheblichen technischen Risiko verbunden ist.

Unternehmeredition: Welches Zwischenfazit ziehen Sie seit dem Start des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand Mitte 2008? Wie war bisher die Nachfrage, wie viele Unternehmen/Projekte wurden gefördert und welche Summe wurde bisher bereitgestellt?

Belter:
Bisher wurden rund 30.000 Anträge gestellt. Davon konnten über 20.500 Projekte mit insgesamt 2,6 Mrd. EUR gefördert werden. Mit einem Fördervolumen in dieser Höhe und seiner technologieoffenen Breitenwirkung hat sich das ZIM eindeutig zum Flaggschiff der Mittelstandsförderung des BMWi entwickelt. Aber die Beurteilung der Programmgüte überlasse ich anderen: Der jährliche Innovationsreport des DIHK hat das ZIM von 2009 bis 2012 vier Jahre in Folge als „best practice“ oder „Goldstandard“ der Innovationsförderung eingestuft. Außerdem hat das Deutsche Institut für Erfindungswesen dem ZIM 2011 die Dieselmedaille für die beste Innovationsförderung verliehen.

Unternehmeredition: In welche Technologiefelder flossen bisher die meisten Fördermittel? Können Sie ein Beispiel für eine gelungene Förderung nennen?

Belter: Entsprechend seiner Themenoffenheit sind alle für die deutsche Wirtschaft wichtigen Technologiefelder im ZIM vertreten. Moderne Produktionstechnologien sind wegen der in Deutschland starken verarbeitenden Industrie führend, insbesondere im mittelständisch geprägten Maschinenbau und der Automobilzulieferindustrie. Ein Beispiel ist die Entwicklung eines Spannrahmenwechselsystems als hoch präzise und flexible Fixierungsvorrichtung für Karosserieteile. Neben Einsparungen an Platz, Material und Energie wird die Produktivität über erhöhte Taktzeiten um 17% gesteigert. Dafür erhielt die Hager Sondermaschinenbau GmbH 2012 den ZIM-Preis. Deutlich zugenommen haben in letzter Zeit jedoch die Beiträge des Mittelstands zur technologischen Bewältigung der Energiewende und zur Elektromobilität. Unter www.zim-bmwi.de haben wir aber bereits etwa 150 Erfolgsbeispiele veröffentlicht. Jede Woche wird ein bewilligtes Projekt dargestellt, um zu zeigen, dass im ZIM auch aktuell politisch diskutierte Themen bearbeitet werden. Über die Förderung nach Technologiefeldern und Bundesländern kann man sich dort übrigens auch wöchentlich informieren, m.E. ist ZIM als einziges Programm so transparent und aktuell.

Unternehmeredition: Viele Mittelständler schrecken vor dem bürokratischen Aufwand zurück, der häufig mit der Beantragung von Fördermitteln verbundenen ist. Wie gestaltet sich die Antragstellung beim ZIM?

Belter: Gerade weil es beim ZIM so unbürokratisch – wie in Deutschland nur irgendwie möglich – zugeht, ist es zu den genannten Auszeichnungen gekommen. Kontinuierliche Antragstellung (ohne Calls), einfache Kalkulation, kurzfristige Bewilligung, Beginn auf eigenes Risiko noch vor der Bewilligung, schnelle Ausreichung der Mittel sind einige wesentliche Punkte, die für das ZIM sprechen. Hinzu kommt die unterstützende Arbeit der Projektträger. Darüber hinaus zu kann die FuE-Förderung auch durch sogenannte innovationsunterstützende Dienst- und Beratungsleistungen (insbesondere für die Markteinführung) ergänzt werden. Diese können begleitend zum FuE-Projekt oder bis sechs Monate danach beantragt werden. Leider nehmen die KMU diese Möglichkeit noch viel zu wenig in Anspruch.

Unternehmeredition: Wie viel Geld steht noch bis zum vorläufigen Auslaufen des Förderprogramms Ende 2014 zur Verfügung? Wie stehen die Chancen dafür, dass das ZIM darüber hinaus verlängert wird?

Belter: Jährlich stehen derzeit rund 500 Mio. EUR zur Verfügung. Angesichts der Wertschätzung in der Wirtschaft und in allen politischen Parteien sowie der vorliegenden Evaluationen dürften die Chancen gut dafür stehen, dass die Bundesregierung nach den kommenden Wahlen 2014 eine Weiterführung des bewährten ZIM beschließt. Es sei denn, die ZIM-Mittel sollten nach dem jüngsten EFI-Gutachten nach dem Zufallsprinzip vergeben werden oder das ZIM wird mit zur Gegenfinanzierung einer vielfach diskutierten steuerlichen FuE-Förderung herangezogen.

Unternehmeredition: Herr Dr. Belter, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Dr. Hans-Dieter Belter
Ministerialrat Dr. Hans-Dieter Belter leitet das Referat VII A 6 „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand; Kooperation, Netzwerke, Einzelprojekte“ beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi ).www.zim-bmwi.de