Die Baby One Franchise- und Systemzentrale GmbH ist mit 71 deutschen Standorten und drei in Österreich die Nummer eins unter den Baby-Fachmärkten in Deutschland. Das Unternehmen wurde 1988 (unter dem Namen Babyland) gegründet und bereits zweimal als „Franchisegeber des Jahres“ ausgezeichnet. Im Interview spricht der geschäftsführende Gesellschafter Wilhelm Weischer über seine Erfolgsstrategie, den Expansionskurs sowie dessen Finanzierung mittels einer stillen Beteiligung der VR Mittelstandskapital Unternehmensbeteiligungs AG.

Unternehmeredition: Herr Weischer, Sie wurden als bisher einziger Unternehmer bereits zwei Mal zum „Franchisegeber der Jahres“ gekürt, in den Jahren 2000 und 2009. Was macht Ihr Franchisesystem so „preiswürdig“?
Weischer: Das Franchisesystem von Baby One zeichnet sich insbesondere durch seine transparenten Kommunikationsstrukturen und den ständigen Austausch mit den Franchisenehmern aus. Wir unterstützen unsere Partner so umfassend, dass diese sich ganz auf das Verkaufen konzentrieren können. In unserem Augenmerk liegt außerdem besonders die dynamische Entwicklung der Systemdienstleistungen und der Sortimente mittels der Integration des Know-hows aus den Märkten.


Unternehmeredition: Die Jury überzeugte u.a. Ihr überdurchschnittliches Wachstum im Krisenjahr 2008. Konnten Sie diesen Expansionskurs auch 2009 fortsetzen, und wie steht Baby One heute da?
Weischer: Der positive Trend wurde fortgesetzt: Im letzten Jahr haben wir sechs Märkte von einem Mitbewerber gekauft und systematisch integriert, gleichzeitig eröffneten wir acht neue Standorte. Im November 2009 haben wir zudem unseren Onlineshop gestartet. Insgesamt konnten wir 2009 mit einem Umsatz in Höhe von 147 Mio. EUR ein Plus von 13% gegenüber dem Vorjahr verbuchen.

Unternehmeredition: Ein solches Wachstum muss auch finanziert werden. Im Herbst 2009 stieg die VR Mittelstandskapital Unternehmensbeteiligungs AG – eine Tochter von 21 Volks- und Raiffeisenbanken und der WGZ Initiativkapital GmbH – mit Mezzanine-Kapital bei Ihrem Unternehmen ein. Warum entschieden Sie sich für das Finanzierungskonzept einer typisch stillen Beteiligung?
Weischer: Das Mezzanine-Kapital hat sich direkt auf die Eigenkapitalquote meines Unternehmens ausgewirkt. Durch den Zukauf der Fachmärkte letztes Jahr hätte sich die Bilanzsumme entsprechend erhöht, die Eigenkapitalquote wäre aber in dem Maße nicht nachgekommen. Durch die Ergänzung der Kreditfinanzierung mit Mezzanine-Kapital wurde die Finanzierung mit einem soliden Puffer unterlegt, der zum einen während der Laufzeit nicht getilgt werden muss und zum anderen eine gesunde Basis für unwägbare Entwicklungen – wie etwa im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2009 – darstellt. Ferner halte ich diese Finanzierung für nicht nur hoch professionell, sondern sie eröffnet natürlich auch die Möglichkeit, bei weiterhin guten Kennzahlen, Umsätzen und überzeugender Gewinnsituation auf dieses Instrument noch einmal zurückgreifen zu können, wenn sich eine neue Gelegenheit ergibt.

Unternehmeredition: Wofür benötigten Sie das Geld? Wie waren die Konditionen?
Weischer: Mit dem Mezzanine-Kapital habe ich die Erweiterung der Eigenmärkte im Baby One-System finanziert. Der Zuschnitt der stillen Beteiligung wurde individuell auf die Baby One-Gruppe ausgerichtet, so wurde u.a. die für wirtschaftliches Eigenkapital erforderliche Laufzeit von fünf Jahren vereinbart, aber mit einer von Baby One einseitig auszuübenden Verlängerungsoption kombiniert. Die Vergütung setzt sich aus einem festen Beteiligungsentgelt und einer ergebnisabhängigen Komponente zusammen, die beide nur aus freien Eigenkapitalbestandteilen zu leisten sind, d.h. im Falle von Krisenjahren fließt kein Geld aus dem Unternehmen.

Unternehmeredition: Wie gingen Sie auf der Suche nach einem geeigneten Finanzierungsinstrument und -partner vor? Und was sprach dann letzten Endes für die VR Mittelstandskapital?
Weischer: Es sind verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht gezogen worden, von der klassischen Kreditfinanzierung bis zu einer Mischfinanzierung. Wir haben uns für den Zwischenweg entschieden, einerseits Mezzanine-Kapital zur Stärkung der Eigenkapitalquote und andererseits eine Kreditfinanzierung zu nutzen, um in der Summe unseren Zinsvorstellungen zu entsprechen. Die gute Beratung, aber auch das Verständnis der Mitarbeiter der VR Mittelstandskapital für dieses spezielle Geschäftsmodell haben auch mit den Ausschlag gegeben, diese Finanzierungsform zu wählen.

Unternehmeredition: Welches Zwischenfazit können Sie in Bezug auf die stille Beteiligung ziehen?
Weischer: Mein persönliches Zwischenfazit ist, dass sich durch die Aufnahme von Mezzanine-Kapital mit der VR Mittelstandskapital als Sparringspartner mein ganzes Finanzierungswesen insgesamt noch einmal erheblich professionalisiert hat. Meine Betrachtungsweise ist zahlenorientierter geworden, wobei natürlich meine Unternehmensfunktion als Lenker und Denker dadurch nicht vernachlässigt wird. Aber der Blick auf die Zahlen ist mit Sicherheit mehr in den Vordergrund getreten.

Unternehmeredition: Herr Weischer, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Esther Mischkowski.
redaktion@unternehmeredition.de


Zur Person: Wilhelm Weischer
Wilhelm Weischer eröffnete 1992 in Münster als erster Franchisenehmer einen Baby One-Fachmarkt und stieg 1998 in die Geschäftsführung der Unternehmenszentrale auf. Seit 2003 ist er alleiniger Gesellschafter der Baby One Franchise- und Systemzentrale GmbH und führt das Geschäft zusammen mit seiner Frau Gabriele. Zum Unternehmen gehören aktuell 22 systemeigene Fachmärkte, die anderen 52 werden von 29 Franchisenehmern geführt. www.babyone.de