„Bitte langfristig denken!“

Der Mittelstand und die vielen Familienunternehmen in Deutschland sind auch in der Phase der Konjunkturerholung ein wichtiger Motor für die Wirtschaft. Nun aber müssen Kreditinstitute, Finanzaufsichten und nicht zuletzt die Politik dafür sorgen, dass die Firmen weiterhin genügend Kapital für ihre geschäftlichen Aktivitäten finden.

Kein Grund zur Entwarnung

Wenn heute in Umfragen wieder eine leicht verbesserte Kreditversorgung des deutschen Mittelstands zu erkennen ist, sollte das nicht zu voreiligen Rückschlüssen führen. Viele Firmen- und Finanzchefs können sich allein schon deshalb nicht entspannt zurücklehnen, weil ihnen ihr in früheren Jahren aufgebautes Eigenkapitalpolster als Rückhalt fehlt. Es ist dünner und zu einem Gutteil während der Krise aufgezehrt worden. Die Konsequenz: Weil sich die Banken zu ihrer eigenen Sicherheit eher mehr statt weniger Eigenkapital ihrer Kunden wünschen, verlangen sie für die Fremdfinanzierung in solchen Fällen höhere Zinsen. Eine im ersten Halbjahr durchgeführte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bei den Finanzierungsexperten der Kammern bestätigt es. Mehr als die Hälfte sieht demnach die schlechtere Ausstattung mit Eigenmitteln als Grund für Finanzierungsprobleme.

Nagelprobe für Mezzanine

Die Studie des DIHK stellt zwar andererseits klar, dass mittelständische Firmen mit guter Bonität von den Banken wieder zunehmend umworben werden. Viele Unternehmen müssen jetzt jedoch auch infolge der von der Krise geprägten Bilanzen des Jahres 2009 mit schlechteren Ratings und damit härteren Konditionen rechnen. Eine im Zuge der Konjunkturerholung wieder anziehende Kreditnachfrage könnte diese Tendenz sogar noch verschärfen. Von ebenfalls nicht geringer Bedeutung ist die Tatsache, dass sich die Situation im Bereich Mezzanine-Kapital insgesamt verschlechtert hat. Knapp ein Fünftel der befragten IHK-Experten sah hier schon in der ersten Hälfte dieses Jahres eine negative Entwicklung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auf der Angebotsseite derzeit ohnehin nur noch individuelles Mezzanine – etwa in Form von Genussrechten oder stillen Beteiligungen – ein Thema ist, nachdem der Markt für die standardisierten Programme aufgrund mangelnder Refinanzierungsmöglichkeiten an den Verbriefungsmärkten zum Erliegen gekommen ist. Die Nagelprobe steht nun an, wenn die in den Jahren 2004 bis 2007 aufgelegten Programme ab dem kommenden Jahr auslaufen und die betroffenen Unternehmen dann Anschlussfinanzierungen finden müssen. Hier sind kreative Lösungen gefragt, die neben dem klassischen Kredit auch alternative Finanzierungen bis hin zum individuellen Mezzanine einbeziehen können.

Herausforderungen durch Basel III

Nicht zuletzt gilt es schon heute, die Konsequenzen aus den im Zuge von Basel III vorgesehenen neuen Eigenkapitalregelungen für Kreditinstitute im Blick zu behalten. Sie sehen eine Anhebung der Mindestausstattung mit Kernkapital von 4 auf 6% ebenso vor wie einen größeren Anteil des harten Kernkapitals und darüber hinaus einen Kapitalerhaltungspuffer von 2,5%. Die Banken müssen also über mehr und zudem über qualitativ höherwertiges Eigenkapital verfügen. Das Ziel, dadurch die Krisenanfälligkeit des Bankensektors zu reduzieren, ist grundsätzlich zu begrüßen. Die geplante Neuregelung bedeutet aber auch, dass die Banken für die Kreditvergabe mehr Kapital vorhalten müssen oder – umgekehrt ausgedrückt – in ihren Kreditvergabekapazitäten eingeschränkt werden. Zwar wird Basel III nur schrittweise umgesetzt und erst mit dem Ablauf aller Übergangsfristen 2023 vollständig realisiert sein. Die Märkte jedoch – das hat die eilig vorgenommene Kapitalerhöhung durch die Deutsche Bank deutlich gemacht – werden einen Gutteil dieser Entwicklung vorwegnehmen. Je mehr Geldhäuser sich schon im Vorfeld von Basel III um zusätzliches Kapital bemühen werden, desto früher werden die Kosten dieser Refinanzierungen steigen und letztlich auch auf die Kreditkonditionen für den Mittelstand durchschlagen. Steigende Kreditkosten wiederum erschweren es dem Mittelstand, Eigenkapital zu bilden, und er gerät darüber hinaus gegenüber Wettbewerbern mit niedrigeren Kapitalkosten ins Hintertreffen.

Jetzt die richtigen Weichen stellen

Die aktuellen Herausforderungen – von den Anschlussfinanzierungen für Standard-Mezzanine bis hin zur Regulierung des Bankensektors – bestätigen einmal mehr, wie wichtig gerade im Bereich der Mittelstandsfinanzierung langfristiges Denken ist. Auch Basel III sollte in einzelnen Punkten hinsichtlich der Konsequenzen für den Mittelstand noch einmal genau geprüft werden, ehe das Regelwerk in nationales Recht umgesetzt wird. Hier ist beispielhaft die geplante „Leverage Ratio“ zu nennen, die auf das Verhältnis von Bilanzsumme zu Kernkapital abzielt. Der Baseler Ausschuss will diese Quote auf das 33-Fache des Kernkapitals begrenzen und würde so letztlich die Vergabe langfristiger Investitionskredite an Unternehmen limitieren.

Autorenprofil

Uwe Fleischhauer (fleischhauer@fhpe.de) ist Managing Partner, Anne Kaluza (kaluza@fhpe.de) ist Leiterin Research bei Fleischhauer, Hoyer & Partner (FHP) Private Equity Consultants, München. www.fhpe.de

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