Distressed M&A – Erfahrung ist gefragt

Kaufkandidat in der Krise?
Kaufkandidat in der Krise? "Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren die notwendige Sanierungen verschoben."

Marktvolumen und Wettbewerb auf dem deutschen Distressed M&A-Markt nehmen zu. Gleichzeitig werden die Transaktionen immer komplexer. Für diese Trends gibt es nicht nur eine Ursache, sondern eine Reihe von Faktoren, die sie forcieren.

Ein Grund für einen voraussichtlich wachsenden M&A-Markt im Distressed-Segment ist das andauernde Niedrigzinsumfeld. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren notwendige Sanierungen verschoben und sich stattdessen zu relativ günstigen Konditionen neu verschuldet. Das führt zur Verschleppung von notwendigen M&A-Fällen und belastet bereits übernommene Unternehmen. Mit dem anstehenden Refinanzierungshöhepunkt im Jahr 2018 sind daher vermehrt Distressed-M&A-Transaktionen zu erwarten. So hat das Niedrigzinsumfeld in Deutschland in den vergangenen Jahren bereits vermehrt zu Ausfällen von Mittelstandsanleihen geführt. Diese Ausfälle sind 2016 auf ein Allzeithoch gestiegen.

Neben dem Finanzierungsumfeld führt der internationale Wettbewerb zu vermehrt auftretenden Distressed-M&A-Fällen. Der hohe Preisdruck in einigen Industrien wird insbesondere für kleine, mittelständische und regional orientierte Unternehmen zunehmend zum Problem. Sie können dem Wettbewerb mit internationalen Großkonzernen oder neuen Konkurrenten aus Asien nicht standhalten. Die Folge: Eine Konsolidierungswelle. Dabei sind vor allem die Automobilindustrie, die Konsumgüterbranche und der Maschinen- und Anlagenbau betroffen. Die Diskussion um die Zukunft der Dieselantriebe beschleunigt das Transaktionsgeschäft im Automobilsektor zusätzlich.

 Vorinsolvenzliche Sanierungsverfahren bevorzugt

Der dritte Grund für den Aufschwung des Distressed-M&A-Marktes kann eine erhöhte Anzahl vorinsolvenzlicher Sanierungsverfahren sein. Der Fokus liegt dabei auf Fremdkapitalmaßnahmen. So steht im Fall eines Investorenprozesses die Identifikation von potenziellen Fresh-Money-Investoren (Fremdkapitalgebern) im Vordergrund. Dabei bietet eine vorinsolvenzliche Dual-Track-Vorgehensweise, also ein M&A-Prozess parallel zu weiteren finanziellen Restrukturierungsmaßnahmen, einen strategischen Vorteil für alle Stakeholder. Da betroffene Unternehmen in der vorinsolvenzlichen Sanierung häufig auf Basis einer Fortführungsprognose bewertet werden, steigert die Aussicht auf ein Fortbestehen des Unternehmens den Kaufpreis. Dies erleichtert auf der anderen Seite die Ermittlung eines Unternehmenswertes zur Verhandlung der Unternehmensrefinanzierung. Weitere Vorteile sind die einfachere Identifikation von Fresh-Money-Investoren sowie der Zugang zu einem breiteren Käuferuniversum. Die erhöhte Anzahl an Interessenten ist auf die höhere Wahrscheinlichkeit eines Fortbestehens, aber auch auf den damit verbundenen geringeren Post-Transaktions-Aufwand zurückzuführen.